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Völkl: „Auf sehr gesunden Fundamenten“

  • Marcel Rotzoll
  • Sonntag | 05. Februar 2017  |  10:03 Uhr
Anfang Oktober gab der amerikanische Mischkonzern Newell Brands bekannt, dass man die traditionsreichen Wintersportunternehmen K2 und Völkl verkaufen wolle. Kurz vor der ISPO sprachen wir mit Völkl Deutschland-Geschäftsführer Udo Stenzel über die Auswirkungen der Meldung.

Interview: Marcel Rotzoll

sportFACHHANDEL: Endlich gibt es flächendeckend Schnee. Sind Sie erleichtert, Herr Stenzel?

Udo Stenzel: Natürlich bin ich auch erleichtert. Wenn zusätzlich zur Wirtschaftskrise auch noch der Schnee ausbleibt, leiden wir alle. Jetzt ist der Schnee endlich da und es läuft super! Wir sind in vielen Segmenten ausverkauft, was uns natürlich freut.

sportFACHHANDEL: Können Sie denn noch Ware aus anderen Märkten für den deutschen Markt nachziehen oder heißt ausverkauft in diesem Fall wirklich ausverkauft?

Udo Stenzel: Ausverkauft gilt natürlich nicht für alle Skier. Was wieder sehr gut gelaufen ist, ist die hochpreisige Ware, unsere Innovationen. Ab Januar sind dann ruckzuck die Kinderskier ausgegangen. Aber da ist Völkl keine Ausnahme, das betrifft den gesamten Markt.

sportFACHHANDEL: Hat sich die Skiindustrie also mittlerweile endgültig gesund geschrumpft? Wird mittlerweile so disponiert, dass auch die Chance besteht, die Läger am Saisonende bereinigt zu haben?

Udo Stenzel: Das ist ja auch unsere Aufgabe. Aber ja, wir achten schon sorgsam darauf, nicht an den Marktgegebenheiten vorbei zu produzieren. Aber das betrifft nicht nur uns. Wie ich aus dem Markt höre, ist das bei den anderen Lieferanten genauso. Keiner hat mehr riesige Warenbestände, alle produzieren bewusster.

sportFACHHANDEL: Praktisch mit Beginn der Saison überraschte die Meldung, dass Newell Brands die beiden Traditionsunternehmen Völkl und K2 veräußern wolle. Gleichzeitig sollte das Management der beiden Unternehmen in den Verkaufsprozess mit einbezogen werden. Hatten Sie in den vergangenen Monaten überhaupt genügend Zeit, um sich um das wichtige Tagesgeschäft zu kümmern?

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Udo Stenzel, Geschäftsführer Marker Völkl Dalbello Deutschland
© Marker Völkl Dalbello

Udo Stenzel: Doch, auf jeden Fall! Das ist ja auch eine ganz andere Baustelle, wo ich persönlich auch gar nicht involviert bin.

sportFACHHANDEL: Wie steht es denn um den Verkauf?

Udo Stenzel: Bitte haben Sie Verständnis, dass ich Ihnen dazu leider gar nichts sagen kann. Newell Brands ist ein börsennotiertes Unternehmen. Da müssen wir alle entsprechend Rücksicht nehmen.

sportFACHHANDEL: Zur ISPO präsentieren Sie die neuen Kollektionen. Was den Handel dabei doch vor allem interessiert, ist, ob seine heutigen Ansprechpartner die gleichen sein werden, wie zu dem Zeitpunkt der Auslieferung der Ware?

Udo Stenzel: Ich gehe sehr fest davon aus! Das ist jetzt der vierte Verkauf der Marke Völkl, den ich erlebe. Wir sind eine Marke, die auf sehr gesunden Fundamenten steht. Newell Brands verkauft die Marken ja auch nicht aus der Not heraus. Also gehe ich davon aus, dass wir in der nächsten Saison dem Fachhandel die gleichen Services und Ansprechpartner zur Verfügung stellen werden.

sportFACHHANDEL: Und die Konsumenten waren auch völlig unbeeinflusst von den Meldungen?

Udo Stenzel: Wie gesagt läuft die Saison hervorragend für uns. Ich würde schon sagen, dass sich kein Konsument hat abschrecken lassen durch dieses Thema. Und warum auch? Völkl wechselt jetzt zum vierten Mal den Besitzer. Und mit jedem Verkauf wurde das Unternehmen nach vorne gebracht. Durch einen Verkauf kam Marker hinzu, dann auch Dalbello. Also ich sehe das ganz positiv. sportFACHHANDEL: Welche Trends sehen Sie derzeit und für die kommende Saison?

Udo Stenzel: Die Pistenverhältnisse werden immer schwieriger, die Pisten härter. Deshalb müssen die Skier entsprechend neu abgestimmt werden. Wir haben weiter am Gewicht gearbeitet. Bei uns ist das Race-Segment stark im Fokus. Unsere BMT-Tourenski kommen derzeit stark, auch weil die Schnee-Verhältnisse das Tourengehen jetzt ermöglichen. sportFACHHANDEL: Der Tourentrend geht also weiter?

Udo Stenzel: Ja, wobei es letztes Jahr aufgrund der Wetterlage schwierig war. Das Thema schlägt jetzt erst richtig durch.

sportFACHHANDEL: Der Handel schimpft regelmäßig, dass Innovationen fehlen. Rocker ist schon einige Jahre her, Carving noch länger. Gibt es zur Ispo endlich Innovationen?

Udo Stenzel: Ja! Mit 3D-Ridge haben wir eine ganz schmale Bauweise an der Skispitze, was das Drehverhalten verändert. Diese Technik haben wir nochmals revolutioniert.

Rotzoll

Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 02 / 2017