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Viel Hirn, aber wenig Seele

  • Markus Huber
  • Mittwoch | 29. Juni 2011  |  11:31 Uhr
Bei unserer konsequent subjektiven Beurteilung von Web-Shops lieben wir ja eigentlich diesen Typus von Händler.

Er konzentriert sich auf das Wesentliche, und das ist das ­Verkaufen. Bei sport-treinen.de hätten wir uns allerdings ein ­wenig mehr Emotion gewünscht, auch wenn die Seite nach ­unserer Auffassung handwerklich sehr gut gemacht ist.

Sport Treinen ist ein inhabergeführtes Unternehmen aus Heidenburg unweit von Trier, das bei seinem Internet-Auftritt keinen Hehl daraus macht, der Sport 2000 anzugehören. Die Corporate Identity ist dem Erscheinungsbild der Einkaufsgruppe angepasst.

Der erste Eindruck

Gleichwohl erschlägt die Startseite auf Anhieb mit viel Nützlichem und weniger Brauchbarem. Durch die ganze Seite hinweg fährt der Händler prominent Top-Marken spazieren: derzeit Adidas, Nike, Asics, Jack Wolfskin, Lowa und Puma.

Dazu kommt ein ganzes Bündel von professionell wertvollen Features wie die Werbung für kostenlosen Versand innerhalb Deutschlands ab 30 EUR,

der kostenlose telefonische Rückruf-Service sowie der Hinweis auf eine SSL-Verschlüsselung für den sicheren Zahlungsverkehr.

Insgesamt bietet die Startseite so ziemlich alles, was das geübte Shopper-Herz begehrt. Theoretisch wäre die Seite sauber aufgeräumt nach den heutzutage üblichen Kriterien, die vorschlagen, was horizontal nach oben gehört (Sortimente) und vertikal nach links (Service-Leistungen). Aber…

Bilder rufen vergeblich in der Textwüste

Unglücklich ist bei sport-treinen.de die unausgewogene Aufteilung von Bild und Text. Die Startseite begrüßt den User mit einem professionell gemachten Bild, das auf das 25-jährige Jubiläum des Geschäfts verweist. Das Versprechen des Imagebilds: Wer für 30 oder mehr Euro bestellt erhält einen Einkaufs-Gutschein in Höhe von 10 EUR – intelligenterweise nicht für den aktuellen Online-Einkauf, sondern für den nächsten Besuch im stationären Geschäft. Das hat uns sehr gefallen, denn so sollte es sein: Die Internet-Seite will nicht nur verkaufen, sondern mobilisiert die Kunden auch, das leibhaftige Ladenlokal vor Ort aufzusuchen.

Allerdings wird der Nutzer von sport-treinen.de von einer heftigen Textwüste erschlagen, die keiner wirklich lesen will. Die Texte sind üppig und klein gedruckt mit einem heiteren Mischmasch aus mageren und fetten Lettern. Der Shopper, der schnell zum Kaufergebnis kommen will, mag sich das alles nicht wirklich durchlesen.

Dies betrifft insbesondere die Sektion „Über uns“, in der über „uns“ gar nicht viel zu lesen steht. Das ist suboptimal für ein inhabergeführtes Unternehmen, das über ein stationäres Geschäft verfügt, welches eine gewisse Werbung verdient. Auf der Startseite findet der Nutzer ein kleines Bild des Ladens mitsamt professioneller Verlinkung zu Google Maps, um das Haus anfahren zu können. Mehr nicht. Schade – verschenktes Potenzial.

Übersichtliches Einkaufen

Sehr übersichtlich ist die Sortiments-präsentation gelungen. Gleich oben auf der Startseite prangt eine Leiste, die die Kategorien klar herausstellt und die besonderen Kompetenzen des Geschäfts unterstreicht. Dazu gehört neben Fußball und Fanartikeln insbesondere Tischtennis. Letzteres Sortiment bis hin zu Platten führt nicht jeder, und Sport Treinen lässt kein Missverständnis darüber aufkommen, dass er in diesem Sport gut sortiert ist. Insofern ist die Differenzierung zum Wettbewerb gut dargestellt.

Die Führung durch die Warengruppen wird intelligent durchgezogen, denn sie berücksichtigt sowohl Kunden, die nach bestimmten Produkten suchen, als auch die Shopper, denen primär Marken am Herzen liegen. Wer beispielsweise seine Suche mit der Marke beginnt, bekommt daraufhin eine klare Aufstellung der Sortimente, die unter dem Markennamen zu erwarten sind.

Darin besteht das Paradox von sport-treinen.de: Auf den ersten Blick wirkt die Seite wie ein unruhiges Wimmelbild. Dieser Eindruck rührt auch von den Werbebannern her, die teilweise gemeinnützigen Zwecken gewidmet sind und zum Teil so aussehen, als sei hier wirklich Werbung verkauft worden. Das freut uns für den Händler, der durch diese Zuschüsse vielleicht nicht reich wird, aber damit die Kosten für seine Seite im Griff hat. Wie dem auch sei: Auf den zweiten Blick unterliegt die Seite einer glasklaren Ordnung, was die Kundenführung durch die Sortimente und die Markenwelten anbelangt.

Der Bestellvorgang ist einfach strukturiert und gibt hohe Transparenz über die Versandkosten – insbesondere für Kunden, die aus dem Ausland bestellen. Eine Frage der kaufmännischen Philosophie sind die dürren Auswahlmöglichkeiten bei der Bezahlung. Der Händler beschränkt sich auf Nachnahme, Vorauskasse per Überweisung und das Email-gestützte PayPal-Verfahren. Nicht mit dabei sind das elektronische Lastschrift-Verfahren und Kreditkarten (letztere schon, aber nur unter Nutzung von PayPal).

Unter Wert verkauft sich der Händler bei einem speziellen Service, den er anbietet und der bei hochpreisigen Produkten wie Tischtennis-Platten Sinn macht: Der Kunde kann den Kauf über Kredit finanzieren. Leider wird darauf nicht wirklich hingewiesen. Stattdessen gibt es einen bescheidenen Banner des Finanzierungspartners, der spanischen Bank Santander, der aber eher als Kleinanzeige daherkommt, die nicht die besondere Dienstleistung herausstellt.

Zeig’ her, wer Du bist

Sport-treinen.de ist nur zwei, drei kleine Schritte von einer richtig guten Internet-Seite entfernt. Wir bekommen den Eindruck, dass bei der Entwicklung des virtuellen Geschäfts das Gehirn ganz klar die Oberhand über das Herz hatte. Ein wenig Emotion – vielleicht nur mit zwei, drei netten Bildern – würde dem Angebot ein bisschen Seele einhauchen.

Ohne groß auf den Putz hauen zu müssen, hat der Online-Shop mehr Visualität verdient. Wir wollen ja auch kein großes Mäusekino, aber es tut not, herauszustellen, wer man ist – insbesondere bei inhabergeführten, mittelständischen Händlern, die zudem über ein stationäres Geschäft verfügen. Das Mitglied der Sport 2000 sollte sich einen Slogan des Verbandes („Zeig’ Dein ­Gesicht“) auch im Internet zu Herzen nehmen und den Betreiber und das

Ladenlokal besser in Szene setzen. Und wenn der Internet-Shop dazu noch von nutzfreien Textwüsten befreit wird, dann ist sport-treinen.de eine wirklich tolle Seite. mh

online

Autor: Markus Huber

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 13 / 2011