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Triathlon: Nische aus Leidenschaft

  • Marcel Rotzoll
  • Freitag | 27. Juli 2018  |  14:26 Uhr
Seit ihrem ersten Triathlon 2004 ist Sabine Hill dem Sport treu geblieben. In ihrem Geschäft Nowalala hat sie sich eine treue Stammkundschaft aufgebaut. Sie punktet mit einem durchdachten Sortiment und vor allem der Leidenschaft für den Sport und ihre Kunden.
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Was das Sportlerherz begehrt: Alles rund um die Themen Running, Nordic Walking und Triathlon finden Kunden bei Nowalala in Offenbach-Bieber.
© Nowalala

Die Region Frankfurt am Main ist eine Laufregion. Nicht nur weithin bekannte Veranstaltungen wie der Frankfurt Marathon oder die Ironman European Championship finden hier statt. Auch die Bevölkerung ist laufbegeistert. Neben den vielen Asphaltstrecken oder den Wegen entlang des Mains gibt es mit Spessart, Wetterau und Taunus beliebte Naherholungsgebiete in unmittelbarer Nähe, die zum Trail, Nordic Walking oder Wandern einladen.

Kein Wunder, dass es hier deshalb eine Vielzahl kleiner, feiner und spezialisierter Laufsportfachgeschäfte gibt. Eines davon ist beispielsweise Nowalala in Offenbach. In der Seligenstädter Straße unweit des Ortszentrums des Stadtteils Bieber hat sich Inhaberin Sabine Hill auf Nordic Walking, Running und Triathlon spezialisiert. Schon beim Betreten des Geschäftes wird klar: Beratung und Persönlichkeit stehen an erster Stelle. Eine Kundin testet soeben auf dem Laufband neue Running-Schuhe. Frank Hill beobachtet den Bewegungsablauf genau und rät der Kundin kurz darauf zu einem anderen Schuhmodell, das ihre Füße besser stützt. Silke Dürschmied berät einen Kunden an der Walking-Schuh-Wand, während Sabine Hill mit einem weiteren Kunden über dessen letzten Lauf fachsimpelt.

Die Idee hinter ihrem Geschäft sei es von Anfang an gewesen, den Kunden die Freude an der Bewegung zu vermitteln, berichtet Sabine Hill. Diesem Grundsatz ist sie bis heute treu geblieben. Sie und ihre drei Mitarbeiter sind selbst aktive Sportler und geben ihre eigene Begeisterung an die Kunden weiter. Sabine Hill selbst hat bis 2005 in einem Intersport-Geschäft gearbeitet. Im Jahr 2000 ist sie ihren ersten Marathon gelaufen und hat schnell eine Trainer-C-Lizenz des Breitensportbundes erworben. Mit dem Aufkommen des Nordic Walking-Booms hat sie sich zum Nordic-Walking-Instructor weitergebildet. 2004 hat sie ihren ersten Triathlon absolviert. So kann sie aus ihrem ganz eigenen Erfahrungsschatz ihr Wissen an die Kunden vermitteln. Ihre Expertise und persönliche Leidenschaft für Nordic Walking und das Laufen halfen ihr beim Schritt in die Selbständigkeit.

Im Februar 2006 wurde zunächst in Offenbach-Bürgel der Nordic Walking Laufladen Nowalala eröffnet. Bereits nach zwei Jahren konnte Sabine Hill das Geschäft vergrößern und zog an den heutigen Standort in der Seligenstädter Straße in den Stadtteil Bieber, der für sein Stadion am Bieberer Berg, in dem die Offenbacher Kickers spielen, bekannt ist. Und obwohl der Laden nur in 1c-Lage liegt, hat Nowalala schnell treue Stammkunden gewonnen. Die nahe gelegene S-Bahn-Stationen nutzen viele Kunden, um nach der Arbeit bei Sabine Hill vorbeizuschauen.

Bildete Nowalala anfangs neben Running und Nordic Walking auch noch Wandern ab, konzentriert man sich heute, um alle Sortimente auf der begrenzten Fläche ansprechend und in der nötigen Tiefe getreu des eigenen Mottos nach der Freude an der Bewegung präsentieren zu können, auf Nordic Walking, Running und Triathlon. Wert wird auf ein breites Angebot für Frauen gelegt. Die weibliche Kundschaft schätzt beispielsweise das große Angebot an Sport-BH‘s und Frauen-Radsätteln. Eigene Communities binden die Stammkunden ans Geschäft. Bei den Lauf-, Rad-, und Nordic Walking-Treffs zählt Nowalala jeweils um die 40 aktive Mitglieder. Neben den Verkaufsräumen im Erdgeschoss steht im Obergeschoss ein Kursraum zur Verfügung, in dem beispielsweise Faszientraining oder ein Kurs Stretching-Mobilisation-Stabilität angeboten werden. Stolz ist man zudem auf das eigene Angebot einer Radbiometrie und Lauftechnikanalyse, die ebenfalls im Obergeschoss ihren Platz haben. Seit 2015 ist Nowalala Sport 2000-Mitglied. Überzeugt hat hier das Angebot der Laufprofis. Mittlerweile setzt Sabine Hill nahezu ausschließlich auf ihr stationäres Angebot. Denn: „Ein eigener Onlinehandel lohnt sich für uns nicht. Da können wir mit den Großen gar nicht mithalten. Bei Schuhe.de sind wir aber natürlich dabei. Bei Marken wie Asics, Meindl oder Lowa funktioniert das auch sehr gut. Viele andere Marken sind aber leider noch nicht angeschlossen.“

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Stolz ist Sabine Hill auf die eigene Rad- und Lauftechnikanalyse, die von den Kunden sehr gerne genutzt wird.
© Nowalala

Sabine Hill vertraut bei den Marken auf Spezialisierung. Im Gespräch begründet sie: „Als kleines und sehr spezialisiertes Fachgeschäft müssen wir natürlich immer authentisch bleiben. Gleichzeitig können wir aber auch nicht drei große Marken gleichzeitig führen, wenn uns deren Ordervorgaben vor Probleme stellen würden. Deshalb führen wir nur Marken, von denen wir persönlich überzeugt sind.“ Bei den Walkingschuhen arbeitet sie mit vier Marken zusammen. Extrem stark sei man dabei vor allem im ComfortFit-System von Meindl und arbeite hier auch mit einem Orthopädietechniker zusammen. Im Laufschuhbereich arbeitet Nowalala mit Brooks, Asics, New Balance, Saucony und On zusammen. Im kommenden Jahr wird sie Hoka One One mit ins Sortiment aufnehmen. Die Marke, die vor nicht einmal zehn Jahren vom früheren Salomon-Chef Jean-Luc Diard gegründet wurde und mittlerweile zu Deckers Brands gehört, hatte im Laufschuhbereich maßgeblich den Cushioning-Trend mitbeeinflusst. Nun greift man auch verstärkt im Triathlon an.

Triathlon-Sortimente werden seit 2010 angeboten. Und auch wenn Triathlon selbst eine Nische ist, ist man mit Begeisterung dabei. Bike-Textilien werden ausschließlich von Löffler geordert. Die hohe Qualität der Produkte und das Made-in-Austria-Siegel seien dafür mitentscheidend, berichtet Sabine Hill. Dabei beginne ein Verkaufsgespräch für Radbekleidung immer bei der Funktionsunterwäsche. Hosen und Windwesten laufen gut, Trikots seien etwas schwieriger, weil es die häufig auf den Triathlon-Veranstaltungen und -Messen gibt. Beim Schwimmen käme es darauf an, dass die Brille passt und man immer auch an die Lichtempfindlichkeit der Augen denkt. Aquasphere biete dafür das richtige Sortiment mit getönten oder verspiegelten Gläsern. Zudem können die Brillen auch von einem Augenoptiker mit Sehstärke verglast werden. Dazu verweist man die Kunden innerhalb des eigenen „Netzwerks mit anderen hochwertigen Händlern“ an einen örtlichen Augenoptiker. Die Schwimmsportbekleidung kommt von Arena.

Kompressionsstrümpfe bietet Sabine Hill vor allem zur Regeneration an. Cep ist hier der Lieferant ihrer Wahl. Wettkampfnahrung, in Kassennähe platziert, sei ein ganz wichtiges Thema. Sabine Hill und ihr Team empfehlen die Sportnahrung und -getränke auch für das Training und arbeiten in diesem Bereich mit UltraSports und Sponser zusammen. Sportuhren seien leider kein Thema mehr im Fachhandel, bedauert sie. Eine Trainingssteuerung mit Herzfrequenzmessung wolle in Zeiten von Smartwatches kaum ein Athlet mehr.

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Spezialisierung auf wenige Marken ist gerade im Triathlon entscheidend. Bei Schwimmbrillen setzt Sabine Hill beispielsweiweise ausschließlich auf Aquasphere.
© Aquasphere

Der Türsummer läutet. Herein kommt eine weitere Kundin, sie hat ihr Rennrad dabei und den Weg zum Geschäft für ein kurzes Training genutzt. Nun hat sie eine Verabredung mit Frank Hill, der sie samt des Rennrads in den zweiten Stock zur Radbiomtrie-Analyse begleitet.

„Eine Triathlonmarke“, fährt Sabine Hill im Gespräch fort, „muss für uns außergewöhnlich und darf nicht vergleichbar sein. Das Preis-Leistungsverhältnis muss für unsere Kunden und auch für uns passen. Die Zusammenarbeit mit der Marke muss funktionieren. Das heißt die Orderkonditionen oder auch die Reklamationsabwicklung sollten in unserem Interesse sein. Triathlon ist ganz klar ein Nischengeschäft. Das machen wir zwar gerne, aber eben nicht um jeden Preis. Wert legen wir auch darauf, dass eine Triathlonmarke ein Gesamtprogramm mit guten Passformen anbieten kann, von der Anfänger-Shorts über den Triathlon-Bra bei den Frauen, bis hin zum High-End-Wettkampfanzug.“ Triathleten sind häufig überdurchschnittlich gute Verdiener, aber sehr online-affin. Zwar geben sie teils sehr viel Geld für die technische Ausrüstung wie Neoprenanzüge, Räder oder Schuhe aus, sie sparen aber bei der Bekleidung. Zumal Triathleten nicht unbedingt markentreu seien und die bevorzugte Marke von Jahr zu Jahr wechseln kann. Hinzu käme, dass Triathlon-Bekleidung ebenfalls häufig auf Messen gekauft werde. Deshalb könne sie keine Triathlon-Marke mit einer hohen Vororder führen. Vielmehr sei entscheidend, eine Marke anzubieten, „die andere nicht führen“. Bei Triathlon-Anzügen und -Badeanzügen setzt sie deshalb ausschließlich auf die französische Marke Kiwami, die in Deutschland von Pricon vertrieben wird. Außerdem erhalte sie hervorragende Unterstützung vom Team von Pricon-Geschäftsführer Matthias Köste. Beispielsweise gestalte sich das Vereinsgeschäft sehr schwierig, weil Skinfit in den Vereinen sehr aktiv sei. Hier mitzuhalten, ist herausfordernd. Über Kiwami und deren Onlinepräsenz käme man aber mit Vereinen in Kontakt.

Wichtig ist bei alledem und gerade bei den Triathleten, die eigenen Erfahrungen weitergeben zu können und ganz nah an den Kunden dran zu sein. „Wir versuchen in allem, was wir tun“, erklärt Sabine Hill, „Begeisterung für den Sport und unsere Produkte auszustrahlen und unsere hohe Kompetenz zu vermitteln. Was uns aber auch auszeichnet ist die große Kundennähe. Bei vielen unserer Kunden gehen die Triathlon-Anfänge einher mit großen Umwälzungen im Leben, seien es Lebenskrisen oder auch ganz klassisch, dass die Kinder aus dem Haus sind. Viele Läufer suchen nach jahrelangem Lauftraining einfach Abwechslung! Oft kennen wir deshalb gerade bei Triathleten die Hintergrundgeschichte. Diese persönliche Nähe und Teilnahme zeichnet uns als Spezialist auch aus.“

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Triathlonmarken müssen besonders und dürfen nicht austauschbar sein. Im schwierigen Triathlon-Geschäft sind auch hohe Vororders ein Ausschlusskriterium, berichtet Sabine Hill.
© SFH

Ungefähr 30 Stammkunden hat Nowalala im Triathlon-Bereich. Manche von diesen betreiben den Sport als Freizeitausgleich und nehmen beispielsweise an einem der vielen Freizeit-Triathlons in der Region, wie dem 10-Freunde-Triathlon, teil. Andere trainieren für einen Wettkampf. Auch vier Spitzenathleten zählt Sabine Hill zu ihren Kunden. Insgesamt gibt ein Triathlet im Jahr durchschnittlich bis zu 600 Euro aus, rechnet die Inhaberin vor. Dabei seien Kompressionsstrümpfe, Schwimmhose oder Badeanzug, Radhose, Unterhemd, ein Paar Schuhe, Schwimmbrille und Wettkampfnahrung berücksichtigt. Häufig kommen auch Sun-Sleeves hinzu.

Mittlerweile ist es spät geworden. Der Geschäftsschluss steht unmittelbar bevor. Wieder schellt der Türsummer. Während Frank Hill im Obergeschoss mit der Radbiometrie beschäftigt ist, verabschiedet sich Sabine Hill, um den Kunden zu beraten: „Es geht nur über Persönlichkeit. Und wenn ein Kunde anruft und einen Termin nach der Arbeit um 19:00 Uhr haben will, dann bekommt er ihn auch.“

Marcel Rotzoll

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Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 10 / 2018