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Teamsport: Über den Kampf zurück ins Spiel

  • Nicolas Kellner
  • Donnerstag | 17. März 2016  |  09:55 Uhr
Teamsport ist eines der schwierigsten Geschäfte in der Branche überhaupt. Doch nichts ist unmöglich, und wie immer gilt: Wer sich reinhängt, wird in der Regel auch belohnt. sportFACHHANDEL fand einige erfolgreiche Kollegen, die sich in dem hart umkämpften Business abheben.

Text: Nicolas Kellner

"Die Preise sind kaputt“, erklärt Fritz Schmidl (Fair-Play Teamsport) aus Heimstetten. Rabatte der Hersteller würden eins zu eins weitergegeben. Doch Schmidl jammert nicht, sondern hat die Initiative ergriffen. So hat sich der Teamsport-Spezialist zum einen auf das Thema Fußball und sich markenmäßig auf Nike konzentriert. Davon zeugt das moderne Ambiente und die Aufbereitung im Laden. Das Signal: Bei uns wird hochkarätig und modern verkauft, Teamsport ist hier nicht Posten- und Preisgeschacher, sondern ein modernes Business mit Stil. Schmidl will und kann sich nach eigenen Angaben genau dadurch abheben, seinen Kunden eine gewisse Exklusivität und Bindung bieten. „Natürlich müssen trotzdem auch die Kontakte zu den Vereinen hochgehalten und gepflegt werden“, betont der Münchner Händler. Das ist schließlich das A und O. Doch auch andere Anbieter von Adidas über Puma bis Jako würden gut laufen. Der eine Anbieter ist im Bereich Schuhe stärker, der andere bei Textilien. Entscheidend ist die Lieferfähigkeit. Wer auf Anbieterseite nicht liefern kann, kurzfristig und unkompliziert, muss sich nicht wundern, wenn er aus dem Programm fliegt. Einige Kandidaten gibt es derzeit. Besonders eklatant sei das Preisdumping jetzt schon wieder beim neuen EM-Ball, der bereits mit 50 Prozent Nachlass verschleudert wird. Dagegen könne man kaum etwas machen oder gegensteuern, hier sei eher die Initiative der Anbieter gefordert.

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Vollbluthändler-Ehepaar Fritz und Angelika Schmidl (2. und 3. von links) samt Verkaufsteam setzen seit 20 Jahren auf Teamsport.

Auf anderen Feldern aber kann der Handel sehr wohl punkten: „Wir können unsere Produkte, vor allem Trikots, personalisieren“, erklärt Schmidl. Trikots werden also veredelt, damit setze man sich gegenüber den anderen ab. „Wir sind kein Billigheimer“, unterstreicht der süddeutsche Händler. Die Rechnung geht auf, die Kunden würden das honorieren. Ein weiterer Aspekt kommt hinzu: Billigere Produkte könne man sofort über das Internet finden, weiß Schmidl, und könne dort auch schnell mal 50 Trikots bestellen. Doch wer dann zwei Wochen später noch einmal drei Trikots nachbestellen will, stößt sich dann häufig die Nase. „Wir können das und das ist unsere Stärke“, sagt der Händler. Dieser Vorteil werde auch entsprechend ausgespielt. Zudem spiele die reale Verfügbarkeit und Möglichkeit, direkt miteinander zu kommunizieren eine wichtige Rolle. Im besten Fall kämen die Vereine gar nicht erst auf die Gedanken, über das Internet bestellen zu wollen, meint der Müchner Händler, der das Teamsportgeschäft bereits seit über 20 Jahren betreibt. Als ortsansässiger Händler könne man daher vieles wettmachen und vor allem auch auf Sonderwünsche eingehen. Aber auch der Kontakt zu den Mitbewerbern kann hilfreich und förderlich sein. So arbeitet Schmidl eng und gut mit Sport Münzinger in der Münchner Innenstadt zusammen. Kunden und Bestellungen werden empfohlen. Jeder spiele seine eigene Stärken aus.

Als alter Hase gilt auch Vereinssporthändler Klaus Hofbauer, der seit 1995 in der der Branche tätig und seit Sommer 1998 als Hofbauer Teamsport aktiv ist. „Unsere Stärken liegen in der Spezialisierung selber, weil wir uns zu hundert Prozent auf die Wünsche und Anforderungen unserer Kunden konzentrieren können“, unterstreicht der Händler. Aber es geht natürlich auch um eine sehr gute fachliche Beratung. Man biete eben einen sehr hohen Servicestandard, auf den der Händler aus Simbach/am Inn stolz ist. In Sachen Marken hat der Händler eine klare Strategie: Man brauche alle führenden Marken, aber eine gewisse Konzentration ist notwendig.

Hofbauer hat seinen Schwerpunkt im unteren bis mittleren Amateur-Ligabereich gesetzt. Dort drehe es sich hauptsächlich ums Vereinsbusiness, doch immer Gefallen findet der Händler auch noch am Schul- und Firmengeschäft. In diesem Bereich ließen sich vielversprechende Kooperationen eingehen.

Natürlich bleibt das Thema Preis ein heißes Eisen, doch auch hier hat der Händler eine klare Position. Der Preis ist zwar ein schwieriges Thema, jedoch verkaufe man sich als „absoluten Teamsportspezialisten“, der nicht für die Rabattschlachten verantwortlich ist. „Schließlich müssen wir ja davon leben.“

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So kann und sollte ein zeitgemäßes Teamsportgeschäft aussehen.

Ohne Preisdumping will auch Teamsport Philipp aus Recklinghausen auskommen. Der Händler bezeichnet sich als einer der größten Teamsporthändler Deutschlands und hat über einen modernen Online-Auftritt zahlreiche neue Kunden gewonnen. Gerhard Philipp bedient alle Teamsportarten in der Halle und unter freiem Himmel. Bei ihm wiederum spielt die Markenvielfalt eine große Rolle, darunter die Klassiker der Szene wie etwas Erima, Kempa und Reusch oder Uhlsport. Die Stärke bei diesem Händler liegt wiederum in der umfangreichen Schiedsrichterausstattung und beim Trainingszubehör. Dazu gehöre selbstverständlich eine beste Lieferfähigkeit und Schnelligkeit. Der Händler jedenfalls spielt diese auf der Web-Ebene geschickt und nachhaltig aus. Wer Erfolg im Teamsportbusiness sucht, muss knallhart, aber ehrlich und vertrauenswürdig agieren.

Dafür steht zum Beispiel auch der grüne Markenauftritt von Erima mit dem Leitspruch „gemeinsam gewinnen“, der auch für die Beziehung zu allen Partnern des Unternehmens – vom Kunden über Lieferanten bis hin zu den Mitarbeiter – gelten soll. Typisch sind die speziellen Warenpräsenter, die sich individuell für die Produktsegmente Fußball, Handball, Running, Tennis, Active Wear und Teamstyle umgestalten lassen.

Alle Marktteilnehmer scheinen um Vertrauen bemüht, nur so lässt sich für alle ein lukratives Business aufbauen. Nicht zuletzt deswegen haben sich auch die Teamsport-Profis aus dem Einkaufsverband Sport 2000 eine führende Rolle im Markt erarbeitet. Innerhalb des Verbands haben die Teamsportler einen großen Stellenwert, der durch neue Mitglieder noch ausgebaut werden soll.

2016 jedenfalls wird in Sachen Teamsport ein wichtiges Jahr werden – auch in den Augen der Nürnberger Konsumforscher der GfK. Denn zuletzt hatte dieser Bereich aufgrund von Rabattschlachten einiges an Umsatz einbüßen müssen, ohne jedoch an Attraktivität zu verlieren. Nach einem Rückschlag von sechs Prozent wertmäßig im Jahr 2013 soll sich das Segment Teamsport seit 2014 wieder auf einem auf einem aufsteigenden Ast befinden. Im Mittelpunkt steht weiterhin der Fußball, zumal im Sommer die Europameisterschaft ansteht. Soeben stellte Adidas seine neuen Trikots vor und dürfte vor der Herausforderung stehen, Preis und Logo mit allen Mitteln zu verteidigen. Denn die Nachahmer stehen in diesem Segment bekanntlich sehr schnell mit auf dem Platz.

Handschuh-Spezialist Reusch: „Partnerschaft ist Schlüssel zum Erfolg“

Torwart-Handschuhe stellen im Bereich Teamsport ein immer spannenderes Segment dar. Vor allem Kinderhandschuhe stellen für den Händler ein attraktives Produkt dar, das interessante Zusatzumsätze verspricht. Diese müssen nicht immer eventbezogen sein, wie Reusch-Geschäftsführer Martin Hannemann im Gespräch mit sportFACHHANDEL erläutert.

Text: Nicolas Kellner

Auch im Jahr nach der Fußball-WM haben wir überraschend gute Ergebnisse erzielt“, freut sich der Reusch-Mann. Man hätte weniger erwartet, jedoch boomen Torwart-Handschuhe immer noch. Die Gründe liegen im Fußball-Trend an sich, der weiter begeistert. Qualität und Innovationen geben ein zusätzliches Verkaufsargument ab. Gute Marge und Preise fügen sich hinzu. Reusch sei sich treu geblieben, die Rabattschlacht mache man nicht mit, sagt Hannemann. Wer dabei mitmischt, müsse sich der Konsequenzen bewusst sein. Reusch will sich heraushalten. „So konnten wir zuletzt eine deutliche Steigerung vorlegen.“ Die erste abgeschlossene Vororderrunde für 2016 verlief ebenfalls vielversprechend: Die Aufträge übertreffen nach eigenen Angaben jetzt schon (wert- und mengenmäßig) das gesamte vorherige Jahr, verrät der Handschuh-Spezialist und Torwartausrüster, „wir können gegen die Großen gut bestehen.“ Reusch gilt in der Tat in der Szene als reiner Spezialist. Man brauche jedoch das Feedback des Fachhandels und dessen Partnerschaft. Davon würden alle profitieren. Im Handschuh-Sektor spielen Verlässlichkeit und Verfügbarkeit eine noch wesentlichere Rolle, unterstreicht Hannemann. „Die Umsätze mit Kinderhandschuhen gehen durch die Decke“, sagt der Vertriebsmann, Qualität und kaum Rückläufer würden sich auszahlen und verspricht. „Wir halten uns weiter aus der Teamsportschlacht raus.“ Aufgrund des 24-stündigen

Autor: Nicolas Kellner

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 14 / 2015