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Stationärer Handel: Zukunft ist heute!

  • Marcel Rotzoll
  • Dienstag | 05. März 2019  |  11:55 Uhr
Der Abgesang auf den stationären Sportfachhandel kommt zu früh. Vielmehr scheint es, dass der Fachhandel, wenn er sich auf seine traditionellen Tugenden besinnt, schon längst in der Zukunft angekommen ist. Bestes Zeugnis dafür sind überaus erfolgreiche Sportfachhändler. sportFACHHANDEL hat drei von ihnen besucht.
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Egal um welchen Betriebstypen (hier Laufsport Bunert Essen) es sich letztlich handelt, die Erfolgsfaktoren ähneln sich stark.
© Laufsport Bunert Essen

Verfolgt man die Diskussionen in der Öffentlichkeit, könnte man meinen, dass der stationäre Fachhandel ein Auslaufmodell sei. Keine Woche vergeht, in der nicht irgendeine Hiobsbotschaft in den Gazetten zu lesen ist. Und auch innerhalb der Branche wird eifrig darüber diskutiert, wie überlebensfähig der Sportfachhandel ist. Nicht zeitgemäß, nicht digital genug, nicht groß genug, nicht trendig genug. Die vermeintliche Mängel­liste ließe sich schier endlos fortsetzen. Aber trifft diese Schwarzmalerei überhaupt zu?

Sicher, die Herausforderungen, vor denen der Sportfachhandel und mit ihm die gesamte Handelslandschaft steht, sind gewaltig. Aber es wäre vermessen anzunehmen, dass der Fachhandel diese Herausforderungen nicht aktiv nutzt, um sich weiter zu entwickeln und den neuen Rahmenbedingungen anzupassen.

Denn die Zukunft im Sportfachhandel hat längst begonnen. Da ist beispielsweise das Laufsportfachgeschäft in Essen, das sich selbst als „Laufladen 2.0“ versteht und eine treue Community um sich versammelt hat. Da ist der Generalist in der vom Strukturwandel geprägten Stadt Solingen, der sich aus Überzeugung und mit Erfolg zum schwierigen Standort bekennt. Und da ist das kleine Multisport-Haus im Allgäu, das die Kunden mit geschickt kuratierten Sortimenten begeistert. Sportfachgeschäfte, für die die Zukunft unter gänzlich verschiedenen Rahmenbedingungen bereits heute begonnen hat. sportFACHHANDEL hat die Geschäfte besucht und die Inhaber über ihre Erfolgsgeheimnisse befragt.

Die Geschichte von Laufsport Bunert beginnt wie die vieler anderer Laufsportspezialisten in den frühen 80er Jahren. Vor mittlerweile 35 Jahren gründet Jörg Bunert das Unternehmen in Duisburg. Eines der Geschäfte, die später hinzukommen, ist die Filiale in Essen, die am 11. Januar 1997 gegründet wird. Geschäftsleiter wird der begeisterte Läufer Marc Böhme, der bereits vorher immer wieder nebenberuflich bei Jörg Bunert ausgeholfen hatte. Steht er zunächst nahezu alleine im Laden, entwickelt sich das Geschäft schnell. In den frühen Nuller-Jahren werden die ersten Laufkurse und Vorträge angeboten. Als sich Jörg Bunert zum Jahreswechsel 2012 aus dem Unternehmen zurückzieht, ergreift Marc Böhme – wie die anderen Filialleiter auch – die Gelegenheit und übernimmt das Geschäft. Heute sind alle Läden eigenständig. Als Gesellschafter haben die sieben ehemaligen Filialleiter die Bunert Franchise GmbH und zusammen mit der Düsseldorfer Agentur MorePerform die Bunert Online GmbH gegründet. Zudem gehört noch die von Jörg Bunert gegründete Bunert Marketing GmbH, die beispielsweise die Laufveranstaltungen organisiert, zum Bunert-Konglomerat.

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Die Lauf-Leidenschaft hat ihn zum Fachhändler gemacht: Marc Böhme.
© Laufsport Bunert Essen

Marc Böhme hat die Entscheidung, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen, nie bereut. Im Gegenteil. „Ich brenne nach wie vor für den stationären Handel und für mein Geschäft. Das ist mein Leben und ich kann mir nichts anderes vorstellen“, kommentiert er. Im Mai 2017 zieht Böhme mit seinem Geschäft um. Knapp 200 Meter vom alten Standort entfernt, bezieht Laufsport Bunert im Essener Stadtteil Rüttenscheid neue, größere Räumlichkeiten. Insgesamt stehen dem Lauf­spezialisten 400 Quadratmeter zur Verfügung, davon 250 Quadratmeter Verkaufsfläche, ein Lager, ein Analyse-Raum, Büro, Personalraum und natürlich eine Dusche. Für ein Laufsport-Fachgeschäft ist die kleine Rüttenscheider Einkaufsstraße optimal gelegen: Es sind nur 1,5 Kilometer zum Naherholungsgebiet rund um den Baldeneysee, 400 Meter zum nächsten Park, 1,2 km zum Essener Stadtwald und fünf Minuten zum Gruga-Park.

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Beste Werbung: 13.000 Läufer zählte der Essener Firmenlauf zuletzt.
© Laufsport Bunert Essen

Intersport Borgmann hingegen hat seine Solinger Filiale mitten in der City angesiedelt. Während beispielsweise in Essen der städtische Strukturwandel bereits weit fortgeschritten ist, kämpft Solingen nach wie vor mit den dramatischen Veränderungen. Die Klingenstadt jedoch strengt sich mit den Händlern der City gemeinschaftlich an, um die Attraktivität des Quartiers zu erhöhen. Mittendrin ist immer auch Michael Borgmann. Er versteht es „als Verpflichtung, sich für den Wirtschaftsstandort einzusetzen, an dem man tätig ist. Die Städte und Gemeinden benötigen aktive Händler, um die Zukunft zu gestalten.“

Borgmann ist ein Unternehmen, das bereits in der zweiten Generation von der Familie geführt wird. Neben dem Stammhaus in Krefeld, wo das Unternehmen in den 60er Jahren von Winfried Borgmann gegründet wurde, betreiben Michael und Christoph Borgmann Filialen in Bottrop, Viersen, Hilden und eben in der 160.000-Einwohner-Stadt Solingen. Zusätzlich gibt es hier und in Krefeld je einen Sneaker-Store, in Krefeld zusätzlich ein kleines Outlet sowie ein Teamsport-Haus.

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Michael Borgmann denkt langfristig: "Die Städte und Gemeinden benötigen aktive Händler, um die Zukunft zu gestalten."
© Intersport Borgmann

Erst im vergangenen Oktober ist die Solinger Filiale umgezogen. Weil sich die Kundenströme innerhalb des Quartiers verändert hatten, das alte Geschäft auch in die Jahre gekommen war, bot sich der neue Standort ca. 300 Meter entfernt in der Clemens-Galerie an. Hier bezog man auf zwei Etagen 1.200 Quadratmeter. Intersport Borgmann ist auch heute noch ein typischer Nahversorger.

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Nahversorger: Intersport Borgmann erfüllt in Solingen eine typische Nahversorgerfunktion.
© Intersport Borgmann

Ein Multisport-Haus, das gleichwohl auf spezialisierte Sortimente setzt, ist T+M Sport in Blaichach. Seit der Eröffnung im November 1987 setzen Marion Bühler und ihr Mann auf die besondere Anziehungskraft ihres Geschäfts. Im Winter stehen Ski (Alpin, Touren und Langlauf) im Fokus, im Sommer werden unter anderem Outdoor, Running und Bademoden geboten. Hinzu kommt ein kleines aber sehr feines Fashion- und Mode-Sortiment mit gewissenhaft ausgewählten kleinen Marken, „die sonst niemand hat, damit wir uns abheben“, wie Marion Bühler berichtet.

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Marion Bühler und ihr Team von T+M Sport begeistern sportliche Allgäuer.
© T+M Sport

Von den Einwohnern des kleinen Örtchens Blaichach könnte das 450-Quadratmeter-Geschäft nicht überleben. Vielmehr setzt man auf die Stammkunden, die aus dem gesamten Allgäu den Weg nach Blaichach finden. „Wir leben nicht von den Touristen“, erklärt Marion Bühler. „Wir richten uns an die sportlichen Allgäuer. Hier in der Region sind wir bekannt und werden empfohlen.“

Was alle drei Geschäfte eint, ist, dass sie heute erfolgreich sind und überaus optimistisch in die Zukunft blicken. Und das trotz jener sich häufenden Hiobsbotschaften und der von vielen als Gefahr empfunden Veränderungen des Konsumentenverhaltens. Was also machen diese Geschäfte richtig, wie begründet sich ihr Optimismus? Dazu lohnt zunächst einmal ein Blick darauf, was es überhaupt bedeutet, dass sich das Kundenverhalten ändert.

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T+M Sport in Blaichach zeichnet sich durch clever kuratierte Sortimente aus.
© T+M Sport

Die Sport 2000 International hatte zu diesem Thema jüngst eine interessante Studie erarbeitet. In der Consumer Immersion Study 2017 wurden insgesamt 92 Personen aus den Niederlanden, Frankreich, Österreich, der Schweiz und Deutschland unter anderem zu ihren sportlichen Gewohnheiten und ihrem Einkaufsverhalten befragt, um daraus Rückschlüsse ziehen zu können, wie der stationäre Handel heute und in Zukunft aufgestellt sein sollte. So verschieden die Studienteilnehmer auch waren, ließ sich letztlich herauskristallisieren, dass es fünf entscheidende Faktoren gibt, eine oder mehrere Sportarten auszuüben. Die Sport 2000 International fasst diese Faktoren unter dem Schlagwort BEAT (Belong – Escape – Achieve – Transform) zusammen. Die Menschen wollen zu einer Gruppe gehören und finden dieses Zugehörigkeitsgefühl im Sport (Belong). Sie wollen dem hektischen Alltag entfliehen (Escape), sportliche Herausforderungen annehmen und Ziele erreichen (Achieve) und schließlich fit werden, sich wohlfühlen, körperliche Erfolge sehen (Transform). Interessanter Weise spiegeln sich diese Faktoren anschließend auch in der Erwartungshaltung an ein stationäres Geschäft wieder: So wünschen sich die Befragten beispielsweise, dass das Geschäft stets innovativ sei. Sie wünschen sich, dass man sich im Geschäft leicht zurecht findet und eine Interaktion entsteht unter anderem durch Testmöglichkeiten und vor allem durch gutes Personal. Die 92 Studien­teilnehmer wünschen sich aber auch kuratierte Sortimente, bzw. je spezieller das Angebot, um so tiefere Sortimente. Und sie wünschen sich, dass die eigene Leidenschaft für die Sportart geteilt wird.

Leidenschaft für den Sport ist genau das, was Marion Bühler im Gespräch vermittelt. „Unsere oberste Priorität ist nicht, dass der Kunde besonders viel Umsatz macht. Unser Ziel ist es, dass unsere Kunden das Geschäft verlassen und so begeistert sind, dass sie uns weiterempfehlen. Dafür setzen wir auf Beratung, Service und vor allem Freundlichkeit.“

Marc Böhme ergänzt, dass man „den Kunden immer wieder Mehrwerte bieten muss, die sie woanders nicht finden. Und wir verkaufen nicht nur Waren, sondern vor allem Emotionen. Das dürfen wir nie vergessen.“ Dieser Anspruch spiegelt sich auch in der Kundenansprache wieder. Über die Jahre hat sich Laufsport Bunert in Essen eine sehr große und treue Lauf-Community aufgebaut. „Wir wollen unseren Kunden eine Anlaufstelle bieten, wo sie sehr gut beraten werden und sich zu Hause fühlen können. Wir verstehen das Geschäft auch als Begegnungsstätte für die Lauf-Community, indem wir Kurse, Vorträge und Veranstaltungen oder sogar Konzerte bieten“, berichtet Marc Böhme. Ziel sei es, die Kunden so zu begeistern, dass sie treue Stammkunden werden und das Geschäft weiterempfehlen.

Böhme kann stolz auf einen Pool von circa 400 Läufern verweisen, die regelmäßig an seinen Laufveranstaltungen teilnehmen, 227 Läufer waren es allein zum Weihnachtslauf. Wie selbstverständlich bietet er Bewegungsanalyse, eine Ausdauerschule und Leistungsdiagnostik. Das Geschäft selbst verwandelt sich nach Geschäftsschluss zum Vortrags-, Kurs oder sogar zum Konzertraum. Kursangebote wie Laufkurs, Yoga, Blackroll oder Nordic Walking finden ebenso hier statt wie Vorträge, Lesungen, Veranstaltungen oder eben auch Konzerte. Für dieses Jahr sind bereits wieder ein Trail-Multi-Media-Vortrag im März, eine Lesung des ersten Ruhrpott-Krimis im April, ein Gala-Abend im Juni und ein Comedy-Abend im November geplant. Zudem zahle jede Bunert-Laufveranstaltung auf die Bekanntheit auch seines Geschäfts in Essen ein. Zum von Marc Böhme mitorganisierten Essener Firmenlauf können 13.000 Menschen begrüßt werden. Eine andere Laufveranstaltung richtet sich insbesondere an die jüngere Zielgruppe. Der Essen City Trail ist eine Veranstaltung der besonderen Art. Marc Böhme schwärmt: „Zum City Trail laufen wir durch Kinos, durch Musical-Häuser, durch Radio Essen oder auch durch eine Kirche, in der den Läufern am Altar Wasser gereicht wird, und durch eine Auto-Waschanlage, die zur Disco umfunktioniert wird.“ All das sind Mehrwerte, die den Kunden von Marc Böhme nicht nur im Gedächtnis bleiben. Das Sportfachgeschäft als Erlebnis- und Begegnungsraum, bei Marc Böhme ist das längst Realität.

„Gerade weil wir hier in Solingen schwierige Rahmenbedingungen haben, müssen wir umso besser sein“, weiß Michael Borgmann. An einen klassischen Nahversorger werden dabei andere Anforderungen gestellt als an ein spezialisiertes Fachgeschäft. Borgmann setzt in Solingen auf die klassischen Segmente, also Sportbekleidung, Fitness, Outdoor und Teamsport. Hinzu kommen saisonale Sortimente im Winter und im Sommer. „Nahversorger bedeutet aber auch“, ergänzt er, „dass man weiterhin Sortimente anbietet, die vielleicht nicht immer im Fokus stehen. Je mehr ein Nahversorger sein Sortiment beschneidet, desto unattraktiver wird ein Geschäft für den Kunden.“ Sport sei und bleibe ein Megatrend – und zwar über alle Altersklassen hinweg. Dabei sei es „einfach Quatsch“, dass alle Kunden im Internet kaufen würden: „Natürlich kaufen wir alle heute auch online. Aber wir kaufen trotzdem weiterhin in den Geschäften. Und die persönliche Ansprache, das Fühlen- und Anprobierenkönnen von ausgewählten Sortimenten, das sind unsere USP’s, die müssen wir stärken.“ Selbstverständlich mache sich auch in Solingen bemerkbar, dass sich der Ablauf eines Verkaufsgesprächs geändert habe. Der Kunde wolle heute erst einmal für sich alleine schauen. Erst wenn er dann eine Frage habe oder vor einer Entscheidung stehe, müsse der Verkäufer bereit sein. „Und dann“, so Michael Borgmann, „müssen wir der ehrliche und faire Partner im Sport sein. Es darf dann nicht um den schnellen Verkauf gehen, sondern um den ehrlichen und sinnvollen Verkauf. Wenn der Kunde das Produkt dann benutzt, muss er sich im besten Fall daran erinnern, dass unser Verkäufer ihn von diesem Produkt und dessen Vorteilen überzeugt hat.“

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So gewinnt man Läuferherzen: Der Essen City Trail von Laufsport Bunert richtet sich an Läufer, die das Besondere suchen, wie beispielsweise eine Laufstrecke durch Kinos und Kirchen.
© Laufsport Bunert Essen

Borgmann hat sich den Slogan „Best in Town“ zu eigen gemacht. Als das Geschäft im vergangenen Oktober am neuen Standort eröffnet wurde, war Intersport Borgmann in Solingen das erste Intersport-Mitglied, das mit dem aus Österreich adaptierten Versprechen an den Start ging. Der heutige Intersport-Vorstand für die gebrandeten Mitglieder Mathias Boenke hatte „Best in Town“ in seiner Zeit als Intersport Austria-Geschäftsführer umgesetzt. „Zum einen bedeutet Best in Town“, erklärt Boenke, „das Hervorheben der regionalen Stärken des einzelnen Händlers. Best in Town bedeutet zum anderen aber auch, in den relevanten Komponenten, die für den Konsumenten wichtig sind, schlicht der Beste vor Ort zu sein, also im Sortiment, der Beratung und im Service. Dazu gehört, digital sehr gut aufgestellt zu sein und den Kunden eine Omni-Channel-Lösung zu bieten.“ Ziel sei es, das beste Preis-Leistungsverhältnis zu bieten. Dabei definiere man den Begriff aber gerade nicht über den Preis, sondern „über die Leistung, also beste Produkte, beste Beratung und den besten Service. Das honorieren die Konsumenten.“

„Best in Town“, pflichtet ihm Michael Borgmann bei, „ist nicht nur eine Floskel, sondern unser Anspruch und unser Ziel.“ Dabei seien die Mitarbeiter ein entscheidender Faktor. Borgmann beschäftigt in Solingen insgesamt 20 Mitarbeiter plus Aushilfen. Alle Auszubildenden, derzeit sind es vier, nehmen grundsätzlich am Intersport College teil und bilden sich dort beispielsweise in Betriebswirtschaft, Warenkunde oder Verkauf weiter. Turnusmäßig gibt es zudem für alle Mitarbeiter VK- und Online-Schulungen. „Natürlich kostet das auch was. Aber das Geld ist sehr gut angelegt“, weiß Michael Borgmann. „Wir tragen Verantwortung für unsere Mitarbeiter. Und wir sind stolz auf unsere Mitarbeiter. Gerade in schwierigen Zeiten ist der Sportfachhandel auf gute Mitarbeiter angewiesen und muss sie auf dem Weg in die Zukunft mitnehmen.“

Bei T+M Sport werden die Mitarbeiter im wörtlichen Sinne zu den Gesichtern und Aushängeschildern des Geschäfts. Das Ehepaar Bühler beschäftigt 13 Mitarbeiter, davon zwei Lehrlinge und zwei Aushilfen. Kurzerhand werden die Mitarbeiter auch zu „Models“ für die aktuellen Kollektionen. Bilder davon gibt es beispielsweise großflächig im Geschäft oder auch in der Regionalzeitschrift „Die Allgäuerin“. Das gelingt auch deshalb so gut, weil sich die Mitarbeiter mit dem Sport und dem Geschäft identifizieren. Und das ist auch wichtig, denn, so Marion Bühler, „natürlich informieren sich die Kunden heute viel häufiger im Internet und sind vorinformiert. Und genau deshalb braucht man heute hervorragend geschultes Personal, das auch einem vorinformierten Kunden bei allen Fragen weiterhelfen kann.“

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Intersport Borgmann versteht „Best in Town“ als Anspruch, den es immer wieder neu zu erfüllen gilt.
© Intersport Borgmann

Genau das erwarten auch die Kunden, wie die Studie der Sport 2000 International zeigte. Margit Gosau, Geschäftsführerin Sport 2000 International, bewertet die Ergebnisse so: „Der Endverbraucher versucht im Sportfachhandel die Emotionalität des Sports wiederzufinden. Mit unserem Anspruch nach dem Human Touch im Sportfachhandel kommen unsere Markenaussagen gut an. Denn die Emotionalisierung im Fachhandel findet nicht statt durch bunte Bilder oder besonders viele Screens, sondern durch die Interaktion mit den Menschen, Verkäufern und Inhabern vor Ort.“

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Mitarbeiter werden zu Models: Bastian Daschner (Bild 1 und 6), Christina Feuerstein (Bild 2 und 3), Magdalena Schön (Bild 4) und Sina Bühler (Bild 5) präsentieren die Highlights von T+M Sport (im Uhrzeigersinn von links oben).
© T+M Sport

So sollen die Studienergebnisse auch in die gerade in der Entwicklung befindlichen neuen Retail-Formate der Sport 2000, von denen eines mit dem jüngst bei Sport Hesse in Ruppach-Goldhausen eröffneten Pilot-Store ABSOLUTE Teamsport erstmals umgesetzt wurde, einfließen. Das Konzept der neuen Retail-Formate solle weit über den Ladenbau hinausreichen: „Das Thema Personal und Interaktion am PoS ist ebenso wichtig“, schließt Margit Gosau aus den Studienergebnissen. So solle das Konzept „vom Employer Branding bis zur Personalbeschaffung und zur Interaktion des Mitarbeiters auf der Fläche mit dem Konsumenten“ das Thema Mitarbeiter berücksichtigen. Die Mitarbeiter der Partner stünden für die Sport 2000 schon seit Jahren im Fokus, fügt Sport 2000-Geschäftsführer Hans-Hermann Deters hinzu, ihre Bedeutung würde nun noch zunehmen: „Das Erleben auf der Fläche wird für den Kunden immer wichtiger. Und da kommen das Personal und die Communities des Sportfachhandels vor Ort ins Spiel. Der Gesundsportberater ist da ein gutes Beispiel. Hier schulen wir die Mitarbeiter unserer Partner seit Jahren umfassend. Der Mensch steht zukünftig generell noch stärker im Mittelpunkt und Verkäufer leisten durch ihre Beratung einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft, gerade dann wenn sie mehr und mehr den Sport auch coachen, damit die Kunden ihren Sport noch besser ausüben können. Deshalb ist das Thema Personal für die nächsten Jahre ein strategischer Schwerpunkt innerhalb der ANWR.“

Neben dem bereits angesprochenen Gesundsportberater, bietet die Sport 2000 beispielsweise auch die Weiterbildung zum IHK-zertifizierten Laufschuhberater. Das nutzt auch Marc Böhme von Laufsport Bunert in Essen. Die Mitarbeiter seien das wertvollste Gut, das ein Fachgeschäft besitze. Marc Böhme erläutert: „Wir legen sehr viel Wert auf Ausbildung und darauf, dass die Mitarbeiter auch mal raus kommen. So schicken wir beispielsweise alle Mitarbeiter zu Currex nach Hamburg, um dort eine Schulung zum Laufberater zu absolvieren. Gemeinsame Betriebsveranstaltungen sind selbstverständlich, genauso wie die gemeinsame Teilnahme an Veranstaltungen wie zuletzt dem Köln-Marathon. Wir sind ein eingeschworenes Team. Und selbst studentische Aushilfen bleiben uns häufig treu, indem sie beispielsweise nach dem Studium bei der Bunert Marketing GmbH einsteigen oder anderweitig mit uns Kontakt halten und auch zusammenarbeiten.“ Natürlich wissen die Fachhändler, dass der Einzelhandel nicht die attraktivsten Arbeitszeiten und Verdienstmöglichkeiten bietet. Umso mehr Wert legen sie auf ein gutes Arbeitsumfeld- und Klima. Michael Borgmann resümiert: „Im Sportfachhandel haben wir zunächst den Vorteil, dass wir den Mitarbeitern ein sehr attraktives Arbeitsumfeld bieten können. Aber natürlich steht der Handel insgesamt vor der Herausforderung, die Mitarbeiter auf Dauer zu halten. Dazu gehört auch ein auskömmliches Einkommen, weil der Abstand zu anderen Wirtschaftszweigen hier derzeit größer wird. Darüber müssen wir alle uns Gedanken machen.“

Sorgen, dass die Kunden ausbleiben, macht sich keiner der Händler. Vielmehr wissen alle um die eigenen Stärken und sind überzeugt davon, dass die typischen Fachhandelstugenden, mit denen sie heute schon überzeugen, in Zukunft sogar noch wichtiger werden. „Ich bin überzeugt davon“, kommentiert Marc Böhme, „dass die Jugendlichen von heute das ‘Klicken‘ irgendwann satt haben werden und wieder die persönliche Begegnung suchen.“ Kein Wunder also, dass sich die Fachhändler auch über eine Nachfolgeregelung keine Gedanken machen. Bei den Bühlers in Blaichach steht längst fest, dass die Kinder das Geschäft weiterführen werden, wenn die Eltern dereinst in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Tochter Sina arbeitet bereits im Geschäft und kümmert sich beispielsweise darum, dass die richtigen Fashionmarken bei T+M Sport präsentiert werden. Und auch den Sohn hat es in die Branche gezogen, er arbeitet in der Ski-Industrie. Eine höchst interessante Nachfolgeregelung hat derweil Marc Böhme getroffen. Obwohl Böhme längst nicht ans Aufhören denkt, wurde die Nachfolge bereits vor fünf Jahren angegangen. Böhmes rechte Hand Jens Wunnenberg wird das Geschäft irgendwann übernehmen. Damit beim Geschäftsübergang genügend Start- und Eigenkapital vorhanden ist, erhält Wunnenberg eine jährliche Provision auf ein Treuhandkonto. Und noch etwas ist Besonders: Jens Wunnenberg ist ein Bunert-Eigengewächs, wechselte von der Ausbildung bei Bunert in Dortmund nach Essen.

„Egal was die Zukunft bringt“, berichtet Marc Böhme abschließend, „das Geschäft sollte immer zeitgemäß aussehen. Es wird mit Sicherheit regelmäßig diverse Umbauten geben, das Sortiment wird angepasst werden. Zudem sehe ich großen Potential für nachhaltige Marken und Produkte und Potential für Trailrunning.“ Für Michael Borgmann ist Handel „immer ein Puzzle aus unzähligen Teilen. Während wir an jedem einzelnen Teil jeden Tag arbeiten müssen, nimmt der Kunde immer nur das gesamte Bild wahr. Unsere Aufgabe ist es, die einzelnen Teile immer wieder so zusammen zu fügen, dass das Gesamtbild unserem Anspruch Best in Town genügt.“

T+M Sport in Blaichach, Intersport Borgmann in Solingen und Laufsport Bunert in Essen: So unterschiedlich die drei Geschäfte vom Standort, der Ausrichtung und ihrer jeweiligen Zielgruppe auch sind, sie alle stehen beispielhaft dafür, dass der Sportfachhandel nicht nur eine Existenzberechtigung hat, sondern auch in Zukunft nicht wegzudenken sein wird.

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Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 04 / 2019