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Skiindustrie hält der ISPO die Stange

  • Marcel Rotzoll
  • Mittwoch | 23. August 2017  |  10:37 Uhr
Nach dem Rückzug der Branchenriesen Atomic und Salomon ist die Sorge groß in der Skiindustrie, dass weitere Marken der ISPO den Rücken kehren könnten. Die anderen Top-Player sind aber nach wie vor von einer internationalen Leitmesse überzeugt, wie sportFACHHANDEL herausgefunden hat.

Die Amer Group, zu der beide Marken gehören, erklärt den Rückzug als „Teil der neuen Amer Sports Omnichannel-Strategie“. Statt der Messepräsenz wolle man weiterhin mit der Messe München zusammenarbeiten, sich aber auf die digitalen Plattformen konzentrieren. Man wolle „mehr in die Konsumentenaktivierung investieren. Das bringt mehr Kunden in die Geschäfte und unterstützt somit bestmöglich die Händler,“ so die Finnen auf Nachfrage von sportFACHHANDEL. Man müsse sich „die Dynamik des Marktes anschauen und natürlich betriebswirtschaftliche Abwägungen treffen. Unser Business ist extrem vom Wetter abhängig, und wir wollen unsere Kostenstruktur extrem flexibel halten“.

Lohnt sich der (finanzielle) Aufwand einer Großveranstaltung wie der ISPO für die Wintersport-Industrie also nicht mehr? „Wir brauchen die ISPO als internationale Leitmesse, weil hier unsere Handelspartner sind und wir unsere Innovationen zeigen können,“ entgegnet Udo Stenzel, Geschäftsführer Marker Völkl Dalbello. „Die Entscheidungen, die vielleicht einige Große treffen mögen, müssen ja auch nicht immer richtig sein. Wir sind Partner des Sportfachhandels. Und wir treffen unsere Entscheidungen danach, was unsere Handelspartner von uns erwarten. Wir können nach wie vor feststellen, dass von den für uns wichtigen Fachhändlern die ISPO sehr gut genutzt wird. Und unsere Händler erwarten, dass wir auf der ISPO ausstellen.“

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Ein Bild aus vergangenen Tagen: Die Stände von Atomic und Salomon (im Bild) waren stets Besuchermagneten auf der "analogen" ISPO.
© Messe München

Auch Hilmar Bolle, Country Manager Rossignol, berichtet: „Die Besucherfrequenz auf den Ausstellungsflächen der Groupe Rossignol mit den Marken Rossignol, Dynastar, Lange und Look ist in den letzten Jahren stetig angewachsen und hat sich gut entwickelt.“ K2-Europa-Chef Peter Kuba findet es sehr wichtig, „das gesamte Sortiment von K2 Sports unseren internationalen Kunden präsentieren zu können“. Vor diesem Hintergrund, so Elan-Geschäftsführer Marc Hasenstein, sei die Messepräsenz zu verstehen als „Service an unseren Kunden und als Plattform, ein leidenschaftliches Markenerlebnis zu bieten und unsere Produktinnovationen zu präsentieren“. Entsprechend gilt für alle zitierten Markenverantwortlichen dass man längst die Entscheidung getroffen hat, wie es Klaus Hotter, Executive Vice President Division Wintersport bei Head, formuliert, „auf der ISPO 2018 vertreten zu sein.“ Zumal es, fügt Fischer-Geschäftsführer Walter Wensauer hinzu, „aus unserer Sicht aktuell auch gar keine adäquate und praktikable Alternative gäbe“.

Auch für Marken abseits der Skiindustrie bleibt die ISPO die wichtigste Plattform, um die neuen Kollektionen zu präsentieren und mit den nationalen und internationalen Sportfachhändlern in Kontakt zu kommen. Gerade für Newcomer wie beispielsweise Red Fox Outdoor Equipment ist die Messepräsenz unverzichtbar. So kommentiert Vlad Moroz, einer der beiden Gründer: „Für uns als Unternehmen, das sich außerhalb von Russland erst noch etablieren muss, ist das die ideale Möglichkeit den Markt weiter kennenzulernen und Input für die anstehenden Saisons zu gewinnen.“ Bei aller gebotener Weiterentwicklung der großen Messen müsse, darauf weist beispielsweise Markus Zanier, Geschäftsführer Zanier Sports hin, auch in Zukunft sichergestellt, dass „die Messe eine Fachmesse bleibt, auf der nur Händler und Journalisten anzutreffen sind. Wichtig ist außerdem der Zeitpunkt. Messen sind immer ein großes Investment, ihr Termin hinsichtlich Orderzeiträume ist also außerordentlich wichtig. Außerdem muss ein gutes Marketing für die Messe sichergestellt sein, sowie eine Verlässlichkeit der Standplatzierungen in den Hallen.“

Mehr zum Thema in der nächsten Print-Ausgabe sportFACHHANDEL (Ausgabe 11/2017).

Rotzoll

Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL