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SFH Online-TÜV: Spottster befriedigt die Jagdmentalität

  • Andreas Mayer
  • Donnerstag | 22. Januar 2015  |  15:37 Uhr
Noch nicht einmal ein Jahr alt ist die Sale-Plattform Spottster aus Hamburg. „Shoppen zum Wunschpreis“ heißt der neueste Trend. Die junge BWL-Studentin Freya Oehle aus Hamburg hat sich vorgenommen, dass ihre User nie wieder einen Ausverkauf verpassen.

Über 1.400 Onlinehändler tummeln sich bereits nach gut einem halben Jahr auf Spottster, darunter eine große Anzahl von Sport- und Trendhändlern wie Blue-Tomato, Sport Scheck, Bergzeit oder Laufbar sowie auch zahlreiche Hersteller von Adidas über Nike bis Puma. Die Idee ist simpel: Produkte in den angeschlossenen Onlineshops können in eine Browser-basierte Spottster-„Tüte“ (als Plug-in) auf dem eigenen Computer markiert und angelegt werden. Zuvor ist die Anmeldung via E-Mail erforderlich. Das geht mit drei Klicks. Nur E-Mail und Passwort sind nötig. Damit akzeptiert der User die Nutzungsbedingungen, der hinter Spottster stehenden Vidiventi GmbH in Hamburg. Wie so viele Dienste sieht sich auch Vidiventi lediglich als Vermittler, auf dessen technischer Plattform sich Onlineverkäufer und Kunden über den Preis finden sollen.

Spottster
Die Produkte stehen jedoch etwas leer und nichtssagend auf der Website.

Der Clou: Wer sich über Spottster Artikel merken lässt, wird über Wunsch- oder Tiefstpreise automatisch via E-Mail oder Push-Funktion informiert und kann dann zuschlagen. Klar muss dem potentiellen Kunden jedoch sein, dass Vidiventi keine Gewähr für „Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen“ übernimmt. Dafür ist der Dienst kostenlos. User können auf Spottster darüber hinaus eigene Profile und Empfehlungslisten anlegen und sich mit anderen Teilnehmern austauschen. Hier zeigt sich ein erster Ansatz zu Mehrwert, in dem ein gewisses Community-Building angestoßen wird.

Spottster filtert also Schnäppchen als Dienstleitung und vermittelt damit Kunden. Im Gegenzug erhält der Multiplikator Provisionen von seinen Affiliate-Partnern. Dieses Businessmodell hat sich seit 2003 rasant in unterschiedlichen Spielarten entwickelt. Die Anleitung dazu ist auf der Einstiegsseite relativ schnell ersichtlich und verständlich dargestellt. Das liegt aber auch daran, dass vom Start weg mit den Partnershops, zu denen auch Amazon, Ebay, Zalando und Otto gehören, massiv geworben wird. Über Zusatzleistungen wie Kauf- und Trendhilfen sogenannten Experten in vielen Sparten von Mode bis Sport und Einrichtung, sollen die User bei Stange gehalten werden. Dazu lockt natürlich der nicht verpasste Schnäppchenpreis, der im eigenen Browser aufblinkt oder via App auf irgendein mobiles Gadget gesendet wird.

Ob Surfen, Golf oder Tennis, der Dienst befriedigt daher eine gewisse Jagdmentalität online, wie wir es ähnlich auch auf anderen Handelsplattformen kennen. Das Thema Sport und Freizeit soll hier eine gewisse Magnetkraft entwickeln, denn das norddeutsche Start-up ist längst noch nicht profitabel und auf eine wachsende Nutzerzahl angewiesen. Das durchaus nützliche und zeitsparende Webangebot überzeugt aufgrund der Technik und visuellen Umsetzung. Angenehm fällt hierbei auf, dass die Spottster-Macher zum Beispiel in Sachen User-Tracking auf Google-Analytics verzichten und stattdessen die Open-Source-Variante Piwik einsetzen, bei der die gesammelten Daten zumindest inhouse auf eigenen Servern verweilen. Allerdings setzt der Dienst nahezu ausschließlich auf den Preis und zu wenig auf Produktinformation selbst. Dazu landet der interessierte User dann wieder im (Affiliate)-Shop. Daher wirkt Spottster inhaltlich ein wenig zu simplifizierend. Dem Dienst, der Interessenten bestimmter Artikel in Online-Shops über Preisrückgänge informiert, würden noch mehr Info und Erlebnischarakter via Web sicherlich gut zu Gesicht stehen. Die Möglichkeiten gibt es. Sonst geht der User vielleicht doch gleich zu Amazon, Zalando, Sport Scheck und Co, die mittlerweile jede Menge technischen und inhaltlichen Mehrwert bieten, für den man auch bereit ist, mal etwas mehr zu bezahlen. <<<

Mayer

Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur sportFACHHANDEL / Wanderlust / SkiMAGAZIN

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 01 / 2015