Dienstag | 20. Februar 2018  |  18:48 Uhr

Interview mit Homeboy-Gründer Jürgen Wolf: "Die Jungs haben den Stuf krass gefeiert"

Krass gefeiert hatte man die Streetwear von Homeboy vor allem Anfang der 90er Jahre. 1988 mischte die Brand erstmals ordentlich die Szene auf. Heute sind die Kids wieder heiß auf die Styles von früher. Deswegen entschloss sich Gründer Jürgen Wolf, die Marke wieder aufleben zu lassen. In SFHfashion erzählt er, was dahinter steckt und noch einiges mehr....

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Homeboy-Gründer Jürgen Wolf: Gemeinsam mit Sohn Julian hat er die Kultmarke wiederbelebt.
© PR

SFHfashion: Jürgen Wolf, was sagt das Tragen von Homeboy und eines Boards heute aus?

Jürgen Wolf: Der momentane Boom auf Streetwear und hier insbesondere auf die der 90er Jahre geht mit dem enormen Verlangen unserer Jugend nach Halt einher. Die Nuller Jahre waren ein Kahlschlag für Emotionen. Einheitsbrei weltweit. Jede Innenstadt glich der anderen. Zara und H&M entwickelten sich zu Marken. Mit dem Siegeszug des iPhones erlebten unsere Kinder, welche Zugkraft eine Marke wirklich entwickeln kann. Nike griff mit vielen schlauen Ideen ins Geschehen ein und Adidas lernte auch schnell dazu. Dies war die Basis für ein neuerliches Verlangen nach Marke. Nach Stärke. Heute hat unsere Jugend einen großen Spaß daran, echte Marken für sich zu entdecken. Marken mit Historie. Marken, die Geschichten erzählen können. Wahre Geschichten.

Wie unterscheidet sich das zu den Kunden von früher?

Wegen des Kaufs eines Produktes muss heute keiner mehr in irgendeinen Laden fahren. Die Auswahl vor Ort ist für die heutigen Verhältnisse immer zu klein. Der Laden zu weit weg. Wenn es aber darum geht, einen Weihnachtsmarkt zu besuchen, ein Fußballspiel, ein Restaurant oder ein Fest, dann ist kein Weg zu weit. Der Mensch lechzt nach Ablenkung. Nach Stimulanz. Im Restaurant wird nicht nach Rabatten gefragt. Da wird getreu dem Motto „Ach geht es uns gut“ gegessen, getrunken und gefeiert. Ganz gleich, wie hoch am Ende die Rechnung ausfällt. In den Skigebieten haben Luxuslifte mit Sitzheizung den Berg erobert und das 4-Gänge-Menü die Abendgestaltung (…übrigens schlecht für unseren Nachwuchs, der sich diese Völlerei nicht leisten kann). Den wenigsten ist bislang aufgefallen, dass wir eigentlich in der Entertainment-Branche arbeiten. Dank des Internets liegt die Erregungslatte unserer Kunden heute nämlich extrem hoch. Wenn ich ein Ski-Enthusiast bin, habe ich mich online bereits über jeden Ski informiert, der für mich in Frage käme. Dafür brauche ich keinen Händler mehr. Aber: Auch wenn durch die Digitalisierung das Pornoheftchen nicht überlebt hat, Puffs gibt es noch immer. Wieso? Weil hier auf der emotionalen Ebene gearbeitet wird. Und genau hier liegt auch das Glück der Kunden und damit auch der Händler. Wer es nicht schafft zur Entertainment Company zu werden, hat verloren.

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Baggy Pant Launch Party im Rotlicht-Etablissement „Pik Dame“ in Frankfurt: „Hot music, pretty chix, like back in the days,“ so Wolf.
© homeboy.official

Deswegen auch die Entscheidung für ein Comeback der Marke?

Ja genau, definitiv. Das war letztendlich auch der Grund für die Wiederkehr von Homeboy. Vor ein paar Jahren entdeckte mein Sohn Julian im Keller einige alte Teile von Homeboy. Er zog sie an und tauchte ins Frankfurter Nachtleben ein. Danach hörte ich von ihm: „Vater. Du musst unbedingt Homeboy wieder aufleben lassen. Die Jungs haben den Stuff krass gefeiert!“. So einfach war das. Ich kenne meinen Junior zu gut und sein frühes Gespür war mir über die Jahre aufgefallen. Also legten wir wieder los. Gemeinsam! „Nebenbei“ studiert Julian Psychologie und Wirtschaft. Seit dem 1. Januar 2018 hat die SNIPES SE den Vertrieb für die D-A-CH-Region und Bernd Hummel aus Pirmasens (Kangaroos) die europaweite Lizenz für Homeboy Schuhe übernommen.

Interview: Andreas Mayer

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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur sportFACHHANDEL / Wanderlust / SkiMAGAZIN

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Dipl. Volkswirt s.R. (Universität zu Köln) +++ zuvor u.a. Chefredakteur outdoor.markt (Jahr Top Special Verlag), Editorial Director Redaktionsbüro Wipperfürth (Köln), Redaktion & Moderation Westdeutscher Rundfunk (Köln), Börsenkorrespondent Johannesburg (Südafrika), Volontariat +++ Persönliche Interessen: Klavier, Jazz, 1.FC Köln

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