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Intersport Warendrehscheibe: Der Praxistest

  • Marcel Rotzoll
  • Sonntag | 17. Juni 2018  |  17:57 Uhr
Im Oktober vergangenen Jahres startete die Intersport mit der Warendrehscheibe und der kooperativen Händlerplattform. Als erster dabei war neben den drei Berliner Future Stores auch Intersport Olympia. sportFACHHANDEL war vor Ort und hat das System einem Praxistest unterzogen.

Als im Oktober des vergangenen Jahres die Eröffnung der ersten drei Future Stores der Intersport in Berlin gefeiert wurde, stand auch Intersport Olympia im Fokus, genauer die Filiale im Kaufpark Eiche in Ahrensfelde. Denn obwohl die dortige Olympia-Filiale nicht Teil der blauen Intersport-Welt werden sollte, gehörte sie doch zum Pilotprojekt, weil gleichzeitig die Warendrehscheibe der Verbundgruppe an den Start ging. Mit den Future Stores hatte die Intersport eine erste Duftmarke gesetzt, wie man sich das Konzept der Geschäftstypen in der „blauen“ Welt vorstellt: „effiziente, angepasste Systembausteine“ sollen modular bestückt werden „auf Grundlage der individuellen Flächen-, Abverkaufs- und Kundendaten“. Im Storekonzept selbst sollte sich widerspiegeln, dass man die Kunden auf allen Kanälen ansprechen will. Der Ladenbau integrierte beispielsweise Displays, Touchscreens oder digitale Umkleidekabinen, Virtual-Reality-Technik, Hologramm oder Magic Mirrors. Eine der Grundideen dabei: Mit einer Warendrehscheibe sollen sich die Filialen mit der kooperativen Händlerplattform intersport.de und untereinander verknüpfen, um Nein-Verkäufe zu minimieren.

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Während die drei Berliner Future Stores der Intersport das Einkaufen der Zukunft testen sollen, läuft im Hintergrund bereits das Pilotprojekt zur Warendrehscheibe, die allen Intersport-gebrandeten Mitgliedern zur Verfügung steht.
© Intersport

Neben den drei nunmehr ehemaligen Voswinkel-Filialen im Alexa, in den Hallen am Borsigturm in Berlin-Tegel sowie im Potsdamer Sterncenter gehörte deshalb auch Intersport Olympia mit der ehemaligen Sportpoint-Filiale im Kaufpark Eiche zu den Pilotstores. Denn die Warendrehscheibe soll nicht nur der blauen Welt zur Verfügung stehen, sondern allen Mitgliedern, die Intersport-gebrandet sind. Ziel sei es, so der Chief Digital Officer bei Intersport Carsten Schmitz, „jeden Artikel unserer angeschlossenen Händler an jedem Kontaktpunkt für den Kunden verfügbar zu halten.“ Wenn an einem Standort ein gewünschter Artikel nicht vorrätig ist, soll der Händler die Ware für den Kunden auch aus dem Bestand eines anderen an die Warendrehscheibe angeschlossenen Händlers oder direkt aus dem Versandlager eines angeschlossenen Herstellers abrufen können. Damit diese Warendrehscheibe auch funktioniert, „kumulieren wir die Bestände aller angeschlossenen Mitglieder in einer zentralen Datenbank und stellen diese auf einem Device für den Händler zur Verfügung“. Bestellt der Händler also einen Artikel für einen Kunden, so gelangt der Auftrag direkt in das Geschäft, das diesen Artikel verfügbar hat. Von dort soll dann der Versand an den Wunschort des Kunden, also entweder das besuchte Geschäft oder direkt nach Hause, erfolgen.

So können teilnehmende Händler „indirekt ein sehr viel größeres Warenangebot präsentieren“, formuliert Carsten Schmitz einen entscheidenden Vorteil. Man müsse den Kunden nicht enttäuscht gehen lassen und verhindert so einen Nein-Verkauf. Dreh- und Angelpunkt ist für die Warendrehscheibe die ebenfalls Ende 2017 gestartete kooperative Händlerplattform Intersport.de. Hier sind laut Intersport bereits 20.000 Artikel verfügbar. Der Lagerbestand auch der an der Warendrehscheibe teilnehmenden Händler wird online alle 15 bis 20 Minuten aktualisiert. Der Clou an der Händlerplattform mit der Warendrehscheibe: Derjenige Händler, der die Ware versendet, ist Vertragspartner des Kunden und rechnet ab. Bestellt ein Kunde auf intersport.de Ware, bezahlt der Händler an die Zentrale eine Servicepauschale für die Abwicklung. Bezieht der Kunde hingegen die Ware im Rahmen der Warendrehscheibe von einem anderen Händler, erhält der vermittelnde Händler vom aussendenden Händler immer noch 10 Prozent Provision vom Umsatz. Letztlich, so könnte man zusammenfassend formulieren ist die Warendrehscheibe der Einsatz der kooperativen Händlerplattform der Intersport im täglichen Geschäft – und damit das, was gemeinhin unter verlängerter Ladentheke verstanden wird.

Aber funktioniert die Warendrehscheibe auch in der Praxis? Sascha Dühring, Geschäftsführer bei Intersport Olympia, entschied sich frühzeitig dazu, mit der Filiale im Kaufpark Eiche Teil des Pilotprojekts zu werden. „Der für uns entscheidende Punkt, als Pilot bei der Warendrehscheibe dabei zu sein“, so Sascha Dühring im Gespräch mit sportFACHHANDEL, „war, dass wir im Service das höchstmögliche Level erreichen wollen. Für unsere Kunden gehört ein Onlineshop einfach dazu. Also war es für uns wichtig, so früh wie möglich dabei zu sein. Alleine hätten wir einen Onlineshop so nicht umsetzen können. Kosten, Manpower und Know-how hätten unser Unternehmen wahrscheinlich überfordert. Mit der jetzt vorhandenen Professionalität im Hintergrund in Heilbronn, sind wir so aufgestellt, dass wir das leisten können und der Kunde den positiven Effekt sieht.“ Ein moderner Onlineshop und die Warendrehscheibe gehen für Dühring Hand in Hand.

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Stolz führt Sascha Dühring durch die Intersport-Olympia-Filiale, die auch den einzigen Union Berlin-Fanshop in einem Sportfachgeschäft beherbergt.
© SFH

Die Historie von Intersport Olympia beginnt bereits 1976 als Sporthaus Olympia in Potsdam. Nach der Wende schloss sich Inhaber Klaus Ott der Intersport an. Mittlerweile zählt das Unternehmen acht Geschäfte im Großraum Berlin und beschäftigt 120 Mitarbeiter. Am 22.11. verlässt man erstmals die heimischen Gefilde und expandiert nach Sachsen. Im Sachsenpark Leipzig soll dann die neunte Filiane eröffnet werden.

Schon beim Betreten der Filiale im Kaufpark Eiche in Ahrensfelde am direkten Stadtrand von Berlin wird deutlich, dass sich Ott und Dühring hier der „roten“ Intersport-Welt verschreiben. Die eigene Kompetenz steht im Mittelpunkt. Ein „Action Place“ wird direkt im Eingangsbereich mit angesagten und attraktiven Produkten bespielt. Eine digitale Stele stellt auch für die Kunden eine direkte Verbindung zum Intersport-Online-Shop her, drei Verkäufer im Geschäft sind mit iPads ausgestattet, um die Kunden bei Bedarf beim digitalen Einkauf zu begleiten. Der Schuh-Coach soll die Beratungskompetenz unterstreichen und eine Loungefläche mit Kaffee, Wasser und TV lädt zum Verweilen ein.

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Praxistest: Funktioniert die Intersport-Warendrehscheibe im Verkauf? Bei Intersport Olympia läuft dazu das Pilotprojekt.
© SFH

Auf den ersten Blick ist der Standort herausfordernd. Ein Nike Outlet ist im Kaufpark zu finden und direkt gegenüber hat Ende 2017 auch noch Décathlon eine Filiale aufgesperrt. Aber das ficht Dühring nicht an. Vielmehr ziehe das Nike Outlet sogar Kunden an, genauso wie übrigens auch Décathlon. Mittlerweile sehe er die französische Konkurrenz „recht entspannt“: „Bei Schlittschuhen im Winter, im ABC-Bereich oder bei Schwimmbrillen sind viele Kunden nicht so markenaffin und kaufen deshalb auch bei Décathlon. Décathlon ist natürlich sehr stark bei Kleinteilen oder im Angel- oder Bike-Bereich. Generell setzt Décathlon hier nochmals stärker auf Eigenmarken. Aber wir können uns sehr gut behaupten. Natürlich braucht man bestimmte Sortimentssäulen, die Décathlon nicht hat und die sollten auch stark sein.“ Bei Intersport Olympia sind das in der Ahrensfelder Filiale Wintersport, Multisport mit Marken wie Adidas und Nike oder Sneaker. So würden einzelne Bereiche seit der Ansiedelung der Franzosen zwar etwas schwächer laufen, andere Segmente würden das aber mehr als ausgeglichen. Dühring ist sichtlich stolz auf die Filiale und die Mitarbeiter. Er berichtet, dass manche Mitarbeiter schon seit über 20 Jahren dabei sind, dass man stolz sei, das einzige Sportgeschäft mit einem Fanshop des Kult-Klubs Union Berlin zu sein.

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Für die Zukunft gerüstet: Drei Mitarbeiter sind mit iPads ausgestattet und die digitale Stele kommt auch im Verkauf zu Einsatz.
© SFH

„Der entscheidende Faktor ist“, erklärt Sascha Dühring den Anspruch des Unternehmens, „dass der Kunde das Geschäft zufrieden verlässt und einen guten Eindruck von Intersport Olympia und von Intersport allgemein mitnimmt. Hier muss man auch das große Ganze sehen. Nur wenn es uns gelingt, die Kunden für Intersport zu begeistern, können wir als Unternehmen und als Händlerverbund stark bleiben.“ Diesen Grundsatz habe man auch versucht, den Mitarbeitern zur Einführung der Warendrehscheibe zu vermitteln. Ganz wichtig sei es dabei gewesen, „stark miteinander zu kommunizieren, um eventuelle Ängste abzubauen und den Mitarbeitern den Mehrwert der neuen Möglichkeiten zu erklären und zu zeigen“. Man dürfe sich als stationärer Händler dem Onlinehandel nicht verschließen, denn „wenn man als modernes Unternehmen am Markt agieren will, gehört die Verbindung zu online mittlerweile einfach dazu“. Deshalb gab es zu Konzeptstart mit der „roten“ und „blauen“ Welt mit dem Pilotprojekt in Berlin umfassende Schulungen der Mitarbeiter, und zwar gemeinsam mit den Mitarbeitern der drei Voswinkel-Filialen.

Seit der Scharfschaltung der kooperativen Händlerplattform und der Warendrehscheibe sei festzustellen, dass der Online-Shop von den Kunden gut angenommen werde. Mittels der iPads, über die digitale Stele oder am PC prüfen die Intersport Olympia-Mitarbeiter für die Kunden, ob ein im Geschäft nicht vorrätiges Produkt in einem der anderen an die Warendrehscheibe angeschlossenen Geschäfte vorrätig ist. Es sei festzustellen, dass das Empfehlungssystem der Warendrehscheibe dabei sehr gut in beide Richtungen funktioniere. Sascha Dühring kommentiert: „Die Zusammenarbeit mit den Future Stores läuft sehr gut. Die Kick-Off-Veranstaltung und die Schulungen haben wir ja ohnehin gemeinsam veranstaltet. Unser Ziel war es, die Standorte von Voswinkel und Olympia stärker zu vernetzen, nicht nur was die Warendrehscheibe betrifft, sondern auch was das Marketing oder den generellen Zusammenhalt betrifft. Ich denke, das ist uns gelungen.“ Zum Start der Warendrehscheibe haben man keine zusätzlichen Orders platziert. Nun, nach der Testphase müsse der Warenabfluss genau nachgehalten werden, um das eigene Orderverhalten anzupassen. Dühring stellt fest: „Beispielsweise hatten wir hohe Abverkäufe von Outdoor-Schuhen sowohl online als auch stationär, was dazu geführt hat, dass die Warentiefe, wie wir sie eigentlich wollen, nicht mehr gegeben war. Insofern müssen wir dann auch tiefer und genauer einkaufen.“

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Sascha Dühring ist überzeugt: „Wenn wir ein Produkt in der Intersport-Gemeinschaft haben, sollten wir auch alles daran setzen, dass der Kunde dieses Produkt erhält.“
© SFH

Dühring will die Warendrehscheibe nun auf weitere Filialen ausweiten. Zuerst zur Neueröffnung in Leipzig, im kommenden Frühjahr auch in Potsdam. Und auch die Intersport will den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Die Pilotphase der Warendrehscheibe, so Carsten Schmitz, dauere noch an. Man teste das System und entwickle die Lösung permanent weiter: „Im Moment sind über 20.000 unterschiedliche Artikel aus über 100 angeschlossenen Geschäften über die Warendrehscheibe verfügbar. In rund 20 Geschäften können Kunden über ein Device auf diesen Bestellprozess zugreifen. Der Beginn des weiteren nationalen Rollouts ist noch für dieses Jahr geplant.“ Sascha Dühring will im weiteren Verlauf seinem Grundsatz folgen: „Wenn wir ein Produkt in der Intersport-Gemeinschaft haben, sollten wir auch alles daran setzen, dass der Kunde dieses Produkt erhält.“ Intersport Olympia bleibe ein eigenständiges Unternehmen, genauso wie andere Mitglieder der Verbundgruppe oder Intersport Voswinkel. „Allerdings“, und darauf kommt es dem gebürtigen Neucöllner an, „arbeiten wir alle in die gleiche Richtung: Wir wollen unsere Kunden zufriedenstellen. Und in diesem Punkt arbeiten wir eben zusammen und sind keine Wettbewerber.“

Marcel Rotzoll

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Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 08 / 2018