Freitag | 20. Oktober 2017  |  12:34 Uhr

Intersport startet Future Stores

Die Branche erwartet mit Spannung die Umsetzung der neuen Vertriebskonzepte der Intersport. Mit der Eröffnung der ersten Pilot-Stores in Berlin ist nun der Startschuss für die Umsetzung gefallen.

Mittwoch, 18. Oktober in der futuristischen World of Cyberobics in der Nähe des Berliner Alexanderplatzes: Mit großem Tamtam will die Intersport in ihre eigene Zukunft aufbrechen. Wie ein Who-is-who der Branche muten die Gäste an. Die wichtigsten Lieferanten der Intersport und einige große Händlern der Heilbronner Verbundgruppe warten gespannt auf die Eröffnung der drei zu „Future Stores“ ausgerufenen nun ehemaligen Intersport-Voswinkel-Filialen. Denn mit der Umsetzung des neuen Vertriebskonzeptes der „roten“ und der „blauen“ Welt wird der Zusatz Voswinkel nach und nach von den Filialen des verbundgruppeneigenen Filialisten verschwinden.

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Vorverkaufte Marken wie Adidas oder Nike dominieren die abgebildeten Sortimente
© Intersport

Überhaupt wird an diesem Tag deutlicher, was sich die Verantwortlichen unter ihrer blauen Welt vorstellen: Während unter dem Schlagwort „rote Welt“ auch weiterhin das „regionale, persönliche Unternehmertum“ des einzelnen Mitglieds im Vordergrund stehen soll, zeichnet sich die „blaue Welt“ durch „effiziente, angepasste Systembausteine“ aus. Neben den Voswinkel-Filialen dürfte dieses Konzept insbesondere für diejenigen Mitglieder gedacht sein, die neben ihrem Stammhaus auf Filialisierung gesetzt haben und setzen. Denn die Sortimentsauswahl beispielsweise soll dort „auf Grundlage der individuellen Flächen-, Abverkaufs- und Kundendaten“ erfolgen und modular sein.

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Wo Intersport draufsteht, soll auch Intersport drin sein. Kim Roether bei der Eröffnung der Berliner Future Stores der Intersport
© Intersport

Dabei macht Intersport-Vorstandsvorsitzender Kim Roether in seiner Begrüßungsrede unmissverständlich klar, dass die Dachmarke Intersport „deutlich mehr als in der Vergangenheit in den Mittelpunkt gerückt“ werden soll. Dabei stehe immer der Konsument im Mittelpunkt. Weil 40 % der stationären Käufe, so Roether in einem Hintergrundgespräch, online vorbereitet werden, komme es darauf an, die Online-Produktentscheidung des Kunden stationär so zu „übersetzen, dass er gerne ins Geschäft kommt“. Ist die gewünschte Ware nicht vor Ort, soll es über die nun ausgerollte Warendrehscheibe möglich sein, die Waren aus einem anderen Geschäft zu erhalten oder sich liefern zu lassen. Ist sie auch dort nicht verfügbar, wird eine Online-Bestellung ausgelöst. Neu daran ist, dass demjenigen Händler, der den Erstkontakt zum Kunden hat, auch die volle Marge des Artikels bleibt, abzüglich einer „geringen Servicepauschale“.

Neben den drei Voswinkel-Filialen im Alexa, in den Hallen am Borsigturm in Berlin-Tegel sowie im Potsdamer Sterncenter gehört auch die Intersport Olympia-Filiale im Kaufpark Eiche in Ahrensfelde zu den Pilotstores. Denn die Warendrehscheibe soll nicht nur der blauen Welt zur Verfügung stehen, sondern allen Mitgliedern. So hat denn auch Sascha Dühring, Geschäftsführer bei Intersport Olympia, auf Nachfrage keine Angst vor dem Verlust der eigenen Individualität. Er erklärt, dass die „Möglichkeiten und Perspektiven überwiegen“. Es komme darauf an, das eigene Unternehmen zukunftsfähig zu machen und dabei gehe es letztlich „nicht darum, was wir wollen, sondern was der Kunde will“.

Wie man sich in Heilbronn jene „blaue Welt“ vorstellt, wird sodann bei der Store-Besichtigung im Alexa und in Tegel deutlich: Nicht nur Marken wollen mit weniger Fachhandelskunden mehr Umsatz machen. In der neuen „blauen“ Intersportwelt mit Warendrehscheiben erhofft man sich durch die Konzentration auf wenige Marken schnelldrehende Sortimente. So gibt es pro Sortiment in den beiden Pilotfilialen maximal diejenigen drei Marken, die in der Gunst des Verbrauchers ohnehin schon weit vorne liegen, sprich vorverkauft sind. Produkte abseits der Mainstreammarken sucht man hier vergebens. Hinzu kommt meist – aber nicht immer – eine Eigenmarke. Überhaupt die Eigenmarken: In beiden Filialen fällt auf, dass das Angebot an Eigenmarken deutlich zurückgefahren wurde. Der Markenaufbau wird dementsprechend hauptsächlich auf Marken wie Adidas, Nike, Asics, Puma, Lowa, Meindl, Deuter oder Vaude gestützt. Die Sortimente im Alexa und in Tegel unterscheiden sich geringfügig. Neben Fitness, Running, Outdoor und Fußball kommt in Tegel beispielsweise noch Bade/Beach hinzu und eine größere Teamsportfläche.

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Digitale Displays sollen den Kunden die gesamte Produktpallette zugänglich machen. Gibt es einen gewünschten Artikel nicht, soll er über die Warendrehscheibe trotzdem den Weg zum Kunden finden.
© Intersport

Im Storekonzept selbst spiegelt sich wieder, dass man die Kunden auf allen Kanälen ansprechen will. Der Ladenbau integriert „modernste digitale Elemente“, wie beispielsweise Displays, Touchscreens oder digitale Umkleidekabinen. Virtual-Reality-Technik, Hologramm oder Magic Mirrors können die digitalen Flächen erweitern. Insgesamt wirken die Stores hell, freundlich und aufgeräumt. Die Gliederung nach Sortimenten ist klar strukturiert. Die Eröffnung in Berlin soll schließlich auch und vor allem die eigenen Mitglieder begeistern, so Kim Roether. Denn letztlich, das gilt auch weiterhin, wird es darauf ankommen, wie die neuen Intersport-Konzepte in den eigenen Reihen aufgenommen werden. Dabei muss jeder Intersport-Fachhändler für sich selbst entscheiden, welche Konzepte am jeweiligen Ort und mit der jeweiligen Kundenstruktur tatsächlich praktikabel sind. Das jedoch wird sich erst nach dem Testlauf zeigen.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 13 / 2017