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Advertorial

"Wir wollen zeigen, dass der textile Kreislauf bereits geschlossen werden kann."

  • Ralf Kerkeling
  • Donnerstag | 04. Februar 2021  |  12:40 Uhr
Ein geschlossener Kreislauf ist das große Ziel von Sympatex. Wie und warum dies bereits möglich ist, erklärte uns Dr. Martin Mayershofer in einem Interview.
Mikroplastik Sympatex
Mikroplastik verschmutzt unsere Meere. Sympatex möchte seinen Beitrag leisten, um unsere Umwelt so sauber wie möglich zu halten.
© Sympatex

sportFACHHANDEL: 2020 wurde die erste sortenreine, 100 % recycelte Jacke in Kooperation mit wear2wear vorgestellt. Damit Händler ihre Kunden gut beraten können: Was bedeutet Sortenreinheit im Zusammenhang mit Membranen genau? 

Dr. Martin Mayershofer: Polyester deckt über 50 % unserer gesamten Industrie bzw. fast 80 % aller Synthetik-Materialien ab. Aus diesem Grund ist die Hebelwirkung besonderes groß, wenn man – so wie wir es seit vielen Jahren forcieren – sich auf die Weiterentwicklung von Polyester-Recycling konzentriert. Unser Grundprodukt, die Sympatex Membran, bietet hierfür die idealen Voraussetzungen, da sie aus einer Polyetherester-Mischung besteht. Laminiert man die Sympatex Membran aus Polyetherester mit einem Futter- oder Oberstoff aus Polyester – oder noch besser, bereits recyceltem Polyester – so entsteht ein sortenreines Polyester-Laminat, das am Ende seines Produktlebenszyklus wieder ideal dem Textilkreislauf zugeführt werden kann. Rund 85 % unserer Laminate sind bereits aus sortenreinem PES und somit ideal für einen direkten Wiederverwertungsprozess mithilfe von bestehenden Technologien geeignet.

Welche Materialien funktionieren in diesem Kontext momentan besonders gut? Wo liegen Vor- und Nachteile?

Unser Fokus liegt ganz klar auf ausschließlich Polyester-basierten textilen Trägermaterialien, die in Kombination mit unseren Polyester-basierten Membranen eine sehr gute Voraussetzung bilden, um daraus gefertigte Bekleidungsteile am Ende ihres Lebenszyklus wieder recyceln zu können. Nachdem Polyester weltweit den Löwenanteil bei Textilfasern ausmacht, bildet diese Materialklasse allein schon aufgrund des theoretisch verfügbaren „Rohstoffvolumens“ große Chancen, textile Kreislaufwirtschaft im industriellen Maßstab tatsächlich realisieren zu können, egal ob über zum Teil bereits etablierte mechanische Recyclingverfahren oder über gerade von zahlreichen Unternehmen untersuchte chemische Verfahrensansätze.   

Auf welche neuen Produkt-Errungenschaften aus dem Hause Sympatex dürfen wir uns für das Jahr 2021 und die Wintersaison 21/22 freuen? 

Besonders stolz sind wir auf unseren neuesten sortenreinen Artikel BANFF – ein 2-Lagen Laminat mit einer sortenreinen PES Oberware aus 100 % Alttextilien. Dank unserer 100 % recycelbaren PTFE- und PFC-freien Sympatex Membran aus Polyetherester, kann er am Ende des Produktlebenszyklus problemlos dem Textilkreislauf zugeführt werden, ohne aufwändige Trennverfahren notwendig zu machen. Hiermit wollen wir zeigen, dass das Schließen des textilen Kreislaufes bereits heute möglich ist und die Vernichtung von Textilabfällen der Vergangenheit angehören könnte, wenn wir uns nur konsequent dafür entscheiden.

Dr. Martin Mayershofer
Dr. Martin Mayershofer, Director R&D bei Sympatex
© Sympatex

In welchen Outdoor/Apparel-Produkten kommen Sympatex-Membranen zum Einsatz? Welche sollen zukünftig hinzukommen?

In den vergangenen Monaten haben sich wieder einige sehr schöne neue Partnerschaften entwickelt, deren Endprodukte in der Wintersaison 21/22 am POS zur Verfügung stehen. Darüber hinaus gehen erfreulicherweise viele aktuelle Brandpartner mit uns den Weg in die zweite oder dritte Saison in Folge – viele davon noch länger. Die Liste ist lang. Im Outdoor-Bereich arbeiten wir zum Beispiel seit mehreren Jahren mit der US Boardriders Group zusammen. Nachdem deren Marken Billabong und DC Shoes schon einige Jahre Sympatex Laminate nutzen, ist nun mit Element eine weitere Brand aus dieser Unternehmensgruppe hinzugekommen. Neu im Portfolio sind zum Beispiel auch Salomon und Camel Active. Im Handschuh-Bereich gehen Zanier, Roeckl Sports und Rossignol in die nächste Saison mit uns – letztere auch im Bekleidungsbereich mit 100 % recycelten Sympatex Laminaten. Im Brandpartner-Bereich unserer Website sind noch weitere schöne Beispiele gelistet. 

Mikroplastik ist eines der relevanten Themen in Bezug auf eine nachhaltige Produktion von Bekleidung. Wie lässt sich das Problem bei der Entstehung eines neuen Produktes vermeiden, an welchem Punkt steht Sympatex aktuell? 

Wir engagieren uns in verschiedenen Partnerschaften mit staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen wie etwa NGOs und Forschungsinstituten, um eine zügige Aufklärung der Ursachen von Mikroplastik, insbesondere im textilen Bereich, zu erreichen. 

Beim Plastic Leak Project haben wir beispielsweise kräftig dazu beigetragen, erste standardisierte Richtlinien zur Messung der Kunststoffverschmutzung über Unternehmens-Wertschöpfungsketten zu veröffentlichen. Um effektive Lösungen zur Bekämpfung von Kunststoffleckagen entlang des Lebenszyklus unserer Produkte zu finden, haben wir im Rahmen einer Case Study die Plastikfreisetzung während des kompletten Lebenszyklus einer neuen Outdoor-Jacke zusammen mit der Multi-Stakeholder Initiative quantifiziert.

Die Ergebnisse der Bewertung zeigten, dass 28 % des verwendeten Kunststoffs über den gesamten Lebenszyklus der Jacke in die Umwelt gelangen. Es wurde festgestellt, dass etwa 99 % dieser Freisetzung nicht während der Gebrauchsphase (Waschen des Produkts), wie allgemein angenommen wird, sondern eher am Ende der Lebensdauer auftritt. In dieser Phase ist die Freisetzung auf unzureichende Abfallsammel- und –Verarbeitungssysteme in Entwicklungsländern zurückzuführen, wohin schätzungsweise 50 % der gebrauchten Bekleidung exportiert wird, um ihr ein zweites Leben zu ermöglichen.

Die Ergebnisse der Bewertung haben uns wirklich überrascht und einige Missverständnisse darüber ausgeräumt, wo in unserer Wertschöpfungskette Kunststoffleckagen auftreten. Wir wissen jetzt, worauf wir unsere Anstrengungen konzentrieren müssen, um einen echten Einfluss auf die Beseitigung der Plastikverschmutzung im Lebenszyklus unseres Produkts zu haben. Gleichzeitig bestätigt es uns in unserem ehrgeizigen Ziel, das wir uns selbst gesetzt haben, den textilen Kreislauf so schnell wie möglich zu schließen.

Wo liegen die eigentlichen Herausforderungen im Bereich der Membran-Entwicklung?

In der Vergangenheit lagen die Schwerpunkte der Entwicklungsarbeit im Wesentlichen bei der Veränderung / Optimierung bestimmter technischer Kennwerte von Membranen (Atmungsaktivität, Wasserdichtigkeit, Haptik, etc.). Diese Aspekte spielen natürlich nach wie vor eine wichtige Rolle in der Entwicklungsarbeit. Allerdings rücken Themenfelder wie nachhaltigere Rohstoffe zur Membran-Herstellung, End-of-Life-Lösungen und Kreislaufwirtschaft zunehmend in den Mittelpunkt, die zum Teil eine andere Denk- und Herangehensweise erfordern.  

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Die Funktionsweise einer Membran.
© Sympatex

Worin sehen Sie für sich den besonderen beruflichen Reiz, für Sympatex zu arbeiten? 

Sympatex ist ein mittelständisches Unternehmen, das neben der reinen Performance schon sehr früh den Blick auf das Thema Ökologie gelenkt hat. Einen Beitrag dazu leisten und zu versuchen, nicht nur die technische Performance unserer Produkte möglichst optimal zu gestalten, sondern auch die „Welt“ durch unsere Produkte und Konzepte ein stückweit besser zu machen, ist besonders reizvoll und motiviert mich auch in herausfordernden Zeiten.  

Was können Sie als Produktentwickler aus der Natur lernen und an welcher Stelle konnten Sie Dinge erfolgreich umsetzen?

Es gibt natürlich verschiedenste Bereiche, von denen man als Entwickler / Naturwissenschaftler von und aus der Natur lernen kann, z.B. wie Oberflächenstrukturen aussehen und welche Effekte  dadurch in der Natur erzielt werden. Hinsichtlich unseres großen strategischen Unternehmensziels, den Textilkreislauf in diesem Jahrzehnt zu schließen, beeindruckt natürlich die Tatsache, dass in der Natur faktisch kein Abfall entsteht, sondern vermeintlicher Abfall stets wieder Rohstoff für Neues darstellt.

Im Vergleich dazu stecken unsere bisherigen Bemühungen hinsichtlich der kreislauffähigen Gestaltung von Produkten natürlich noch in den Kinderschuhen. Erste erfolgreiche Ansätze und Konzepte („Design2Recycle“) auf dem Weg dorthin, konnten wir jedoch bereits aufzeigen.    

Wie muss man sich den zeitlichen Rahmen/Ablauf der Entstehung eines Produktes bis zur Fertigstellung vorstellen? 

Dies hängt natürlich ganz von der Frage und Komplexität der Aufgabenstellung ab. Wenn wir über grundlegende Neuentwicklungen sprechen, laufen Entwicklungsprojekte häufig über mehrere Jahre. Von einer ersten Ideensammlung, über die Entwicklung und Evaluierung unterschiedlicher Materialien und Verfahren, bis hin zu deren Überführung in die Serienreife.

Was ist ihre Zukunftsvision im Hinblick auf die Herstellung von nachhaltiger Bekleidung?

Klingt vielleicht etwas naiv und sicher aus heutiger Sicht noch ziemlich utopisch: Die Nutzung endlicher Ressourcen für die Herstellung von Bekleidung wird überflüssig, da wir bereits in der Produktentstehung auf Materialien setzen, die am Ende des Lebenszyklus eines Bekleidungsteils wieder einen sinn- und wertvollen Rohstoff für neue Bekleidung darstellen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Mayershofer.

Ralf Kerkeling

Wie eine Sympatex-Membran funktioniert, können Sie im nachfolgenden Video anschauen:

Kerkeling

Autor: Ralf Kerkeling

Chefredakteur

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