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Österreich: Reglement für den Tourenskisport

  • Andreas Mayer
  • Dienstag | 07. Oktober 2014  |  09:25 Uhr
Nach der Anerkennung des Skibergsteigens durch den Österreichischen Skiverband (ÖSV) als offizielle Sportart ist die Industrie optimistisch, Skitourengehen als nachhaltiges Tourismusangebot etablieren zu können.

Seit 2006 hat Karl Posch, Geschäftsführer des österreichischen Verbandes für Wettkampf-Skibergsteigen (Askimo), für die Anerkennung gekämpft. Jetzt freut er sich, dass die Leistungssportler endlich Zugriff auf die Infra-

struktur des ÖSV haben. Als Kopf der ARGE Skibergsteigen, einer Interessensvertretung aus Industriepartnern (Adidas, Buff, Colltex, Dynafit, Garmin, Hagan, Martini, Mountain Equipment, Nikwax, Pieps, Salewa) und Experten, ist er zuversichtlich, das Skibergsteigen auch im Tourismus verankern zu können. Bisweilen gelte der Skibergsteiger als Störung. Im ersten Schritt gehe es deshalb weg von strikter Ablehnung und hin zur Reglementierung. Weiters möge man das Skibergsteigen auch nicht auf das Drehkreuz beim Lift reduzieren, sondern unter dem Aspekt der Wertschöpfung für die Region betrachten, so Posch.

Auf erste Erfolge kann er bereits verweisen. Die Tourismusregionen Bischofshofen, Pillerseetal und Ramsau waren die ersten, die seine Beratungsleistung in Anspruch genommen und sich aktiv mit der Integration der bisweilen kommerziell noch nicht nutzbaren Sportart auseinandergesetzt haben. Elias Walcher, Tourismus-Chef in der Ramsau, habe schon Routen eingerichtet, Medienarbeit gemacht und damit bei dem als Tagestourist bekannten Skitourengeher Nächtigungen erzielt.

Für die Sportart sprechen die Zahlen: Österreich gilt mit etwa 500.000 aktiven Tourengehern als der größte Markt weltweit. Im Winter 2011/12 wurden weltweit ca. 210.000 Tourenski verkauft. Ein knappes Viertel (49.000) davon in Österreich. In den Jahren zuvor war der Verkauf von Tourenskiern jährlich um etwa 15 Prozent gestiegen. Zuletzt dürfte sich das Wachstum etwas verlangsamt haben. Im Winter 2012/13 lagen die Verkäufe bei 54.000 Paar. Das Segment hat sich dabei auch weitgehend schneeunabhängig gezeigt. Das liegt daran, dass der Tourengeher meist nicht auf den ersten Schneefall wartet, sondern gleich zu Saisonbeginn kauft.

Neben den 54.000 Paar Ski wurden im Winter 2012/13 an die 70.000 Paar Felle, 35.000 Paar Tourenskischuhe und 100.000 Tourenskibindungen verkauft. Die hohe Zahl der Bindungen liegt am Trend zur rahmenlosen Bindung. Erfreuliche Tendenz sei zudem eine Verjüngung und Ver-weiblichung des Marktes. Waren vor zehn Jahren erst 10 Prozent der Tourengeher weiblich, so sind es mittlerweile 25 bis 30 Prozent. Der jüngere Tourengeher neige zudem zu höherer und häufigerer Reinvestition.

Eine ähnliche Dynamik zeigen die Märkte Schweiz, Italien und Frankreich, die neben Deutschland allerdings erst bei 12 Prozent des Weltmarkt-volumens liegen. Weitere 15 Prozent entfallen auf USA und Kanada. Die großen Hoffnungsmärkte sind Nordeuropa und Nordamerika. Seit einem Jahrzehnt schrumpfende Verkäufe im Segment Ski Alpin und steigende Liftkosten dürften Posch in die Hände arbeiten. Einer aktuellen Studie des Skiportals Snowplaza zufolge werden die Preise für Skipässe im Winter 2014/15 in Österreich um 3,4 Prozent erhöht. Grund für die Preis-erhöhungen sind laut Liftbetreibern die steigenden Energiepreise für Schneekanonen und Lifte. Hildegard Suntinger

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Grund zur Freude: Vom ÖSV als Sportart offiziell anerkannt, soll Skibergsteigen jetzt auch in die Tourismuskonzepte integriert werden. Im Bild: die Herrensieger der Hohe Tauern Trophy.
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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur sportFACHHANDEL / Wanderlust / SkiMAGAZIN