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Sieg der Vernunft und der Chinesen

  • Markus Huber
  • Mittwoch | 26. Januar 2011  |  10:10 Uhr
Einen ärgerlichen alten Zopf hat die Europäische Kommission jetzt endlich abgeschnitten.

Die Anti-Dumping-Zölle auf nicht-technische Lederschuhe werden im April nicht noch einmal verlängert. Das sind gute Nachrichten für die Verbraucher, die Händler und die Hersteller, denn letztlich kostet der Unsinn nur Geld und Aufwand und hat nicht einmal denen etwas gebracht, die sich die protektionistischen Finten ausgedacht haben. Seit 2006 stöhnte die Branche unter diesen Zöllen, die Schuhen aus China Aufschläge von 16.5% und aus Vietnam von 10% bescherten – nur um die Interessen einer Handvoll Hersteller aus Italien, Spanien und Portugal zu schützen. Mit oder ohne Zoll war das Unternehmen „Schuhbollwerk Europa“ zum Scheitern verurteilt, denn trotz der Zölle stiegen die Einfuhren aus den beiden asiatischen Ländern mehr oder minder ungebremst. Die Herstellung von Schuhen im

Mittelmeerraum ist schon seit Jahren rückläufig. Daran vermochte auch das „friendly fire“ aus Brüssel nichts zu ändern.

Das Ende dieser wenig nachvollziehbaren Politik wird die Branche noch ein Weilchen beschäftigen, denn die Auswirkungen auf die Versorgungskette sind erheblich: Zum einen versuchten Hersteller, einen Teil ihrer Lederverarbeitung aus China herauszuziehen. Jetzt werden sie probieren, für den März geplante Lieferungen nach Europa auf den April hinauszuschieben, um die heiß begehrten Exporte aus Fern-ost ohne den leidigen Zollaufschlag nach Europa zu bringen. Lieferschwierigkeiten sind da nicht auszuschließen.

Wo kommt er nun her, der plötzliche Sinneswandel in der europäischen Schuhpolitik? Um es deutlich auf den Punkt zu bringen: Es hat ihn nie gegeben, denn mehrheitsfähig waren die protektionistischen Winkelzüge in der EU ohnehin nie wirklich. Sie waren für desinteressierte Mitgliedsstaaten eher Manövriermasse, um sich bei anderen, sachfremden Themen die Unterstützung der Mittelmeer-Länder zu sichern. Auch die Bundesregierung, die sich in den vergangenen Jahren nur wenig für die Belange der deutschen Schuhbranche engagierte, tat sich eher mit einem Zickzack-Kurs hervor, als den HDS, den freihändlerisch gepolten Verband der deutschen Industrie, tatkräftig zu unterstützen.

Dass es jetzt recht geräuschlos zu einem Einsturz der hirnrissigen Zollmauer kam, hat eine simple Erklärung, die auch mit der Verschiebung der Gewichte in der Weltpolitik zu tun hat: Die Chinesen hatten am Ende einfach die Brüssler Faxen dick und haben unmissverständlich klargemacht, dass sie die Zölle nicht mögen. Ob sich am Ende die Vernunft in der EU oder doch einfach nur die selbstbewussten Chinesen durchgesetzt haben, ist müßig. Es zählt, was hinten herauskommt, und in diesem Sinne war die Beendigung der Anti-Dumping-Zölle längst überfällig. Markus Huber

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Autor: Markus Huber

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 02 / 2011