Freitag | 22. März 2013  |  11:11 Uhr

Rätselraten um Rucanor

Die niederländische Traditionsmarke war in den letzten Wochen Gegenstand ausgiebiger Spekulationen, stand sie doch im Zusammenhang mit einer Insolvenz, die das große Rätselraten über die Zukunft von Rucanor auslöste.

Tatsächlich erklärte ein Gericht in Den Haag die Firma Sport Services Europe für insolvent. Diese tritt als Mieter der Rucanor-Büros in Nieuwekerk aan der Ijssel und des Warenlagers in Moerdijk auf und besitzt formell einige der Tochterunternehmen von Rucanor. Bis vor Kurzem war Sport Services Europe auch Besitzerin der Marke, die bereits im Jahr 1956 von Jacob van Rijswijk gegründet wurde. Die Markenrechte wurden jedoch aus steuerlichen Gründen an eine Holding weitergereicht.

Seit 2009 wird Sports Service Europe von Martijn Nelissen, einem früheren Manager von Fahrrad- und Fitnessriese Accell, in Verbindung mit Investoren kontrolliert. Der Erwerb von Sports Services Europe erfolgte parallel zum mehrheitlichen Kauf von Rucanor Europe. Cees van Rijswijk, der Sohn des Gründers, behielt jedoch einen Minderheits-Anteil.

In der vergangenen Woche führte Jan Dorrepaal, der als Insolvenzverwalter eingesetzt wurde, Gespräche mit Nelissen und seinen Partnern, um Sports Services Europe finanziell neu zu strukturieren. Die Pleite könnte der Firma dabei helfen, aus kostspieligen langfristigen Verträgen herauszukommen, um diese neu zu verhandeln. Zunächst verloren alle 49 Mitarbeiter ihren Job, doch 26 von ihnen haben gute Aussichten, innerhalb einer neuen Organisation weiter beschäftigt zu werden.

Von der Insolvenz unberührt bleibt das Unternehmen Brand Innovators in Sports & Shoes (BISS), eine Holding, die verschiedene niederländische Marken vertreibt, für deren Distribution bis 2011 Rucanor zuständig war. Konkret geht es dabei um die Marken Snauwaert (Racketsport), Hi-Point, eine günstige Tennismarke für den Massenmarkt, sowie die höherwertige Sneaker-Marke Maupiti.

2012 setzte Rucanor etwa 12 Mio. EUR um, was einem Rückgang über die letzten Jahre entspricht, nachdem sich der Anbieter mehr und mehr aus dem Saisongeschäft zurückzog und sich auf Basisprodukte für den Handel konzentrierte, die ständig zu beziehen waren („never out of stock“). Das NOS-Programm soll allerdings zweistellig wachsen und künftig auch Internet-Händlern zur Verfügung stehen.

Autor: Bernd Gutewort

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 07 / 2013