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Perspektiven aus dem Land der Elche und Trolle

  • Barbara Smit
  • Dienstag | 19. April 2011  |  08:59 Uhr
Åre. Die europäische Outdoor-Branche professionalisiert und internationalisiert sich unaufhaltsam.

Zu dieser Entwicklung gehören Kongresse, die den europäischen Erfahrungsaustausch fördern. Nach einem Outdoor-Gipfel in Annecy in Frankreich im letzten Jahr wurde nun von der Scandinavian Outdoor Group (SOG) und dem Institut Peak Innovation ein Spitzentreffen im schwedischen Åre organisiert. Worum es ging: um nichts weniger als die Zukunft des europäischen Outdoor-Handels.

Ganz bewusst hatten die Organisatoren das Event, das am 31. März und 1. April über die Bühne ging, in eine der wichtigsten Outdoor-Hochburgen Skandinaviens gelegt: nach Åre im Herzen der mittelschwedischen Provinz Jämtland. Nicht weniger als 300 Teilnehmer aus 15 Ländern, gleichermaßen Händler und Hersteller, folgten dem Ruf der SOG. Was sie bekamen, waren neben dem paneuropäischen Erfahrungsaustausch, der zunehmend wichtiger wird, eine Reihe von qualifizierten Vorträgen hochkarätiger Referenten. Ganz vorne mit dabei: ein Vertreter des größten spezialisierten Outdoor-Händlers des Kontinents.

Frederic Hufkens ist Chef der ABC Gruppe, die führende Ketten wie A.S. Adventure (Belgien), Bever (Niederlande) und Cotswold

Outdoor (Großbritannien) unter einem Dach vereinigt. Im letzten Jahr lag der Umsatz von ABC bei etwas mehr als 291 Mio. EUR. Hufkens nahm in seiner viel beachteten Präsentation das Verhältnis zwischen Händlern und ihren Lieferanten aufs Korn.

Ungleiche Erträge für Industrie und Handel

Hufkens‘ These: Der Handel bleibt auf den größten Kosten für die Vermarktung von Outdoor-Artikeln sitzen, während die Marken die größeren Margen einstreichen. Demnach würden sich viele Hersteller über Margen freuen können, die deutlich zweistellig sind, teilweise sogar über 20%, was dem Einzelhandel niemals möglich sein dürfte. Dabei ist ABC erstaunlich renditestark: Im vergangenen Jahr lag das Einkommen nach Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bei für deutsche Verhältnisse beeindruckenden 13,4%.

Vor diesem Hintergrund forderte der ABC-Macher die Lieferanten dazu auf, mehr Geld in die Hand zu nehmen, um die Partnerschaft zwischen Industrie und Handel zu intensivieren – damit „der Kuchen größer wird“, was ein Leitmotiv des Treffens in Åre darstellte.

Der wichtigste Wunsch des Händlers war dabei, dass die Lieferanten flexibler in der Auslieferung werden und übers Jahr gesehen öfters liefern. Hufkens kritisierte, dass manche Hersteller über die letzten Jahre nur noch 1 bis 2% frei verfügbarer Ware für die Nachorder bereithielten – nicht zuletzt wegen Problemen in der globalen Lieferkette. Hufkens‘ Quintessenz aus diesen Überlegungen besteht darin, dass die Marken wieder mehr in eigene Produktion investieren, um die Versorgung und die Stabilität des Einzelhandels sicher zu stellen.

Fette Renditen aus dem Handel mit Marken

Dass erfolgreiche Marken mehr Luft zum Atmen haben als der gewöhnliche Einzelhandel, mag durch das Beispiel von Haglöfs untermauert werden: Vor etwa elf Jahren übernahm der institutionelle Investor Ratos den schwedischen Anbieter für etwas mehr als 11 Mio. EUR und verkaufte ihn an Asics im letzten Sommer für rund 110 Mio. EUR. Mats Hedblom, der langjährige Haglöfs-Chef, der im vergangenen Jahr zurücktrat, und Susanna Campbell von Ratos erläuterten, dass es auch für Investment-Fonds durchaus Sinn macht, für akquirierte Marken eine langfristige Strategie zu entwickeln. Haglöfs bescherte dem Besitzer jährliche Zuwachsraten von durchschnittlich 30%. Das Geheimnis des Erfolgs: Das aktive Engagement des Investors in strategische Fragen, ohne sich ständig in das Tagesgeschäft einzumischen. Voraussetzung dafür waren die persönlich guten Beziehungen zwischen der Muttergesellschaft und der operativen Geschäftsführung.

Neuauflage des Events in Planung

Weitere Beiträge auf dem Gipfeltreffen in Åre beleuchteten zentrale Aspekte des globalen Geschäfts mit Outdoor-Artikeln wie den sinnvollen Einsatz des Internets, die Probleme der Versorgungskette von den Fertigungsstätten zur Verkaufsstelle sowie die Entwicklung des chinesischen Marktes. Der Vorstand der Scandinavian Outdoor Group wird in Kürze die Ergebnisse des Treffens in Schweden prüfen und über eine mögliche Neuauflage des Events beraten.

Barbara Smit

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Autor: Barbara Smit

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 09 / 2011