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Die Maus frisst das Krokodil mit Haut und Haar

  • Freitag | 23. November 2012  |  12:06 Uhr
Das Schweizer Handelshaus Maus Frères wird bei Lacoste S.A., dem Lizenzgeber der berühmten Marke mit dem Krokodil, die volle Kontrolle übernehmen.

Dieser Schritt wurde möglich, nachdem die unlängst zur Vorsitzenden gewählte Sophie Lacoste-Dournel und andere Mitglieder der Lacoste-Familie zustimmten, ihren Anteil von insgesamt 28% an Maus zu veräußern.

Damit erreichen die Eidgenossen einen Anteil von bis zu 93% an Lacoste, für den sie über Jahre geduldig gearbeitet hatten: Bereits 1998 kaufte Maus einen 90%igen Anteil an Devanlay, dem größten Lizenznehmer der französischen Marke, der bereits ein Aktienpaket von 35% an seinem eigenen Lizenzgeber gehalten hatte. Die übrigen Anteile an Devanlay verblieben seinerzeit bei Lacoste.

Vor vier Jahren versuchte Maus Frères vergeblich, seinen Einfluss auf das Krokodil weiter auszubauen, was der Marke – Berichten zufolge – einen Marktwert von 970 Mio. EUR eingebracht hätte. Mit dem neuerlichen Angebot liegt der Wert wohl zwischen 1 und 1,2 Mrd. EUR, abhängig davon, wie viele Aktien sich Maus Frères am Ende sichern kann.

Gegen Ende Oktober gelang es dem Schweizer Konzern, Michel Lacoste, den 68-jährigen früheren Vorsitzenden und Vater von Lacoste-Dournel, davon zu überzeugen, seine 30,3% am Unternehmen zu verkaufen. Ursprünglich wollten seine Tochter und acht weitere Familienmitglieder ihre Anteile keineswegs abtreten, sondern suchten stattdessen nach externen Finanzierungs-Möglichkeiten oder einen weißen Ritter, um die Maus-Offerte abzuwehren.

Am Ende gab Lacoste-Dournel mit dem Hinweis nach, sie wolle die Einheit des Unternehmens und die Stabilität der Gruppe sicherstellen, die 1933 von ihrem Großvater, dem Tennisspieler René Lacoste, gegründet wurde.

Offenbar gelang es Maus Frères, aus heftigen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Familie um den anstehenden Generationswechsel Kapital zu schlagen: Wie es heißt, kam es zu einem erbitterten Streit zwischen Michel und Sophie Lacoste, nachdem die Tochter im September von einem neu zusammengestellten Aufsichtsrat auf den Posten einer nicht-operativen Präsidentin gesetzt wurde. Michel Lacoste charakterisierte seine eigene Tochter als nicht ausreichend

qualifiziert, um das Unternehmen zu lenken.

Durch die Lizenznehmer Devanlay, Pentland und andere dürfte Lacoste in diesem Jahr einen Markenumsatz nach Großhandels-Preisen von 1,8 Mrd. EUR (2011: 1,6 Mrd. EUR) erreichen. Die Vereinigten Staaten sind für das Krokodil der wichtigste Absatzmarkt gefolgt von Frankreich und China. Maus Frères erzielte im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von 5,3 Mrd. CHF (4,4 Mrd. EUR). Zum Maus-Imperium gehören zwei weitere Bekleidungsmarken, Aigle und Gant, die 2003 bzw. 2009 erworben wurden. Darüber hinaus kontrolliert Maus die Warenhaus-Kette Manor, den Sporthändler Athleticum sowie die Jumbo-Baumärkte.

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 21-22 / 2012