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Börsengang von Sanfo lässt weiter auf sich warten

  • Dienstag | 28. August 2012  |  13:05 Uhr
Das Beispiel von Sanfo, Chinas führender spezialisierter Kette von Outdoor-Geschäften demonstriert, wie hoch die Erwartungen an den Markt sind (SFH Ausgabe 16/2012, S. 12).

Sanfo plant seit längerem den Gang an die Börse und will eine Entscheidung über diesen Schritt noch bis Ende des Jahres hinauszögern. Grund: Das Unternehmen legt solide Zahlen vor, aber das stramme zweistellige Wachstum könnte für potenzielle Investoren nicht ausreichend sein.Tatsächlich stieg der operative Gewinn um „nur“ 10% in den ersten sechs Monaten dieses Jahres, wie Heng Zhang, Inhaber und Gründer von Sanfo, wissen lässt. Im selben Zeitraum stieg der Umsatz um 23%, was für chinesische Verhältnisse fast schon einer Stagnation gleicht. Für das vollständige Geschäftsjahr erwartet Heng Zhang ein Umsatzplus um 25% auf 310 Millionen Yuan Renminbi (39,7 Mio. EUR). Dieses Wachstum ist mehr oder minder organisch, denn das Unternehmen hält sich derzeit mit neuen Ladenöffnungen zurück: Ein kleineres Geschäft feierte in den ersten sechs Monaten auf 100 qm in Peking Premiere, ein bis zwei weitere Verkaufsstellen sind bis zum Ende des Jahres in Aussicht gestellt.

Während die Kennziffern mehr als zufriedenstellend sind, könnten sie nicht genügen, um Investoren an der Börse ausreichend zu begeistern. Dabei geht der Markt allerdings von einer spürbaren Erholung aus, nachdem auch China von einem schwachen Winter betroffen war und sich mit entsprechenden Warenüberhängen und Rabatten im Einzelhandel quälte. Die Gesamtlage zwingt den Marktführer im spezialisierten Outdoor-Handel nichtsdestotrotz, mit dem angestrebten Gang aufs Börsen-Parkett vorsichtig zu sein.

Für Heng Zhang liegen die Hauptschwierigkeiten im chinesischen Outdoor-Gewerbe jedoch nicht allein in schwachen Wetterbedingungen oder gar an einem nachlassenden Wachstum der nationalen Wirtschaft, sondern vor allem an den explodierenden Mietpreisen. In Peking kostet der ­Quadratmeter pro Monat in B-Lagen mittlerweile zwischen 200 und 300 CNY (25,60 – 38,40 EUR). In absoluten Top­lagen dürfen es auch gerne mal 600 bis 1000 CNY (76,85 – 128 EUR) sein. Dabei ist Peking, der Heimat-Standort von Sanfo, nicht einmal das teuerste, das es in dem Land gibt: In Shanghai liegen die Mieten teilweise noch höher. Insgesamt steigen die Mietpreise derzeit pro Jahr um 15%.

Der Outdoor-Händler will aus diesem Grund noch in diesem Jahr ein ­Branchen-Treffen zusammentrommeln, um den chinesischen Einzelhandel dazu zu bewegen, das Gewerbe neu aufzustellen – und zwar ziemlich nach westlicher Mentalität: mit ­kleineren Flächen in A-Lagen und größeren weiter weg von den florierenden, aber kostspieligen Einkaufsmeilen.

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 17 / 2012