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Ankunft am Ende des Kettenbriefs

  • Markus Huber
  • Freitag | 29. Juli 2011  |  06:27 Uhr
Nun ist Jack Wolfskin schließlich doch noch verkauft worden. Mit Blackstone geht der Ausrüster einmal mehr an einen institutionellen Investor.

Das sind zunächst äußerst gute Nachrichten für die Marke mit der Tatze im Logo, denn weitere, monatelange Spekulationen über die Zukunft des Unternehmens hätten dem Wert von Jack sicherlich geschadet. Irgendwann einmal wäre der Eindruck entstanden, dass gierige Investoren die Tatze herumreichen wie sauer Bier und einfach nicht auf den in ihren Augen würdigen Verkaufspreis kommen. Das hätte das Ansehen auf absehbare Zeit ramponiert und den gefühlten Wert der Firma nicht gesteigert. Blackstone hat dem ganzen Hin und Her nun ein Ende gesetzt, was eine Kleinigkeit von deutlich mehr als 600 Mio. EUR gekostet haben dürfte.

Das Ende einer Ära

Die Übernahme bedeutet auch das Ende der Ära Hell bei Jack Wolfskin, was den einen oder anderen vielleicht verwundert hat, da man sich nach bald 25 Jahren die Marke ohne Manfred Hell an der Spitze fast gar nicht mehr vorstellen mag. Dabei hat der Erfolgs-Manager mit Sicherheit den richtigen Zeitpunkt gewählt: Wenn es stimmt, was geredet wird, nämlich, dass er zuletzt etwa 10% an der Marke hielt, verlässt er sein Lebenswerk mit einer hübschen Summe. Dafür hat er sich aber auch für die Entwicklung der Tatze krumm gelegt, unkonventionelle Wege in den Mainstream beschritten und sich mit seinen Shop-Konzepten im Handel nicht immer Freunde gemacht. Letzteres ist aber unterm Strich nicht ganz fair. Bei allen Standortkonflikten, die es zwischen klassischen Händlern und Franchise-Läden gegeben haben mag: Die Händler, die den Hype um die Marke verstanden und sich ihr entsprechend verpflichtet haben, dürften wohl ganz gutes Geld daran verdient haben.

Wie viel Potenzial steckt noch drin?

Mit dem Beibehalt langjähriger Top-Manager wie Markus Bötsch und Christian Brandt stehen die Zeichen zunächst einmal auf Kontinuität. Hier braucht auch der Handel keine Irritationen erwarten. Die entscheidendere Frage besteht doch eher darin, wie der neue Sheriff in der Stadt das Geld wieder bekommt, das er für die Marke ausgegeben hat. Dass die deutschen Sport- und Outdoor-Geschäfte in diesem Jahr mit Jack Wolfskin wohl nicht ganz so weit kommen wie in den vielen erfolgreichen Jahren zuvor, ist dem ungünstigen Wetter im ersten Halbjahr geschuldet und nicht der Frage, wie lange der Hype um die Tatze noch anhält. Trotzdem darf die Frage gestattet sein: Welches realistische Potenzial hat Jack Wolfskin hierzulande für weiteres Wachstum?

Die einfache Antwort dürfte lauten: Es geht eher um Expansion im Ausland, wo es noch jede Menge Möglichkeiten auszuschöpfen gilt. Das wird aber auch viel Geld kosten. Der Erfolgsmarke, ihren neuen Inhabern und den Geschäftspartnern bleibt nur eines zu wünschen: Dass das bisher erfolgreiche Weiterreichen von Jack Wolfskin nicht irgendwann nach den Vertriebsmodellen „Schneeball" oder „Kettenbrief" im Aus landet. „Den letzten beißen die Hunde", heißt es, und wenn das ausgerechnet einem Wolf passieren würde, hätte das einen Hauch von Ironie.

Markus Huber

Autor: Markus Huber

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 17 / 2011