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Selbstgedreht bringt Umsatz

  • Ulrich Wittmann
  • Donnerstag | 11. Juli 2013  |  12:47 Uhr
„Und Action!“ heißt es für Outdoorer, Sportler, Hersteller und Händler bei den Action-Cams. Dieses Segment boomt weltweit, denn überall filmen sich Profisportler und Amateure bei ihren Abenteuern.

Dafür brauchen sie keinen Kameramann, denn mit den Action-Cams entstehen spektakuläre Aufnahmen, zu Land, zu Wasser und in der Luft. Vom Trend, das selbst Erlebte zu filmen und über das Internet weltweit zu ver-breiten, kann auch der Fachhandel profitieren.

300 Prozent Umsatzzuwachs! Steigerungen von denen die meisten Hersteller in der Outdoor-Branche träumen. In diesem dreistelligen Bereich legten die verkauften Cams am ersten Advents-Wochenende 2012 im Vergleich zu den Vorjahren zu. Immer mehr Outdoorer und Sportler sind zu jeder Jahreszeit draußen mit diesen Camcordern unterwegs, um ihre Aktivitäten zu filmen. Der Weltraumspringer Felix Baumgartner hatte bei diesem weltweit beachteten 39 Kilometer-Sprung auch eine Action-Cam dabei und filmte dieses Abenteuer. Damit bekamen diese Camcorder für den sportlichen Einsatz noch einmal den entscheidenden Kick, um weltweit einen Siegeszug anzutreten. Begonnen hat alles damit, als der Kalifornier Nick Woodman (heute Ceo von GoPro) versuchte, Filmaufnahmen beim Surfen zu drehen. So entwickelte er 2002 eine Kamera, die einerseits professionelle Aufnahmen liefern sollte, aber auch durch Amateure problemlos zu bedienen ist. 2004 feierte seine erste Kamera Premiere. Es folgte das erste Digital­modell, das zehn Sekunden lange Videos aufzeichnen konnte. Nach weiteren Verbesserungen fanden die ersten Action-Cams immer mehr Anwender. Durch die unzähligen Amateur-Filme auf Social Network-Plattformen, gab es einen großen Ruck in der Outdoor- und Sportszene. Nun können Extrem-Sportler festhalten, was sie in ihrer Freizeit für waghalsige Dinge tun. Mit zunehmender Resonanz auf diese Filmbeiträge steigt auch die Nachfrage für Action-Cams. Dazu Christoph Thomas, Vorsitzender des Photoindustrie-Verbandes: „Ein weiterer Renner unter dem Weihnachtsbaum sind die Action-Cams, die auf der Photokina 2012 für Furore sorgten. Das große mediale Interesse an diesen Kameras, aber auch die Tatsache, dass immer mehr Hersteller dieses Segment bedienen und immer mehr Händler die Action-Cams in ihrem Programm haben, sind, neben der großen Begeisterung für diese Kameras, Gründe dafür, wa-rum sie in der Menge eine gestiegene Nachfrage um über 300 Prozent am ersten Advents-Wochenende 2012 zum Vergleichszeitraum 2010 und 2011 erfahren haben.“

Saisonprodukt Action-Cam

Bei durchschnittlich 221 EUR lag im vergangenen Jahr der Verkaufspreis für eine Action-Cam. Laut GfK (Nürnberg) lag im Oktober 2012 der Anteil der Action-Cams bei den verkauften Camcordern bei 21%. Doch, so die Marktforscher, handelt es sich um ein saisonales Produkt. 70% der Abverkäufe gehen im Juli über die Ladentheken. Besonders im eher schwachen Sommer könnten so Action-Cams zusätzliche Umsätze für die Outdoor- und Sporthändler bringen. Sachkunde ist bei diesen technischen Geräten jedoch wichtig, auch wenn die meisten Action-Cams nur wenige Bedienungstasten und eine feste Weitwinkel-Einstellung haben. Im Gegensatz zu einer konventionellen Kamera muss niemand stundenlang Gebrauchsanweisungen durchlesen. Intuitiv lassen sich diese Camcorder für den sportlichen Einsatz bedienen. Mit dem Internet sind die Nutzer der kleinen und robusten Action-Cams vertraut. In Communitys tauschen sie sich aus und stellen auf sozialen Netzwerken ihre neuesten Filme vor. Kein Wunder also, dass laut GfK (Oktober 2012) 40% dieser speziellen Kameras über das Internet verkauft wurden. Action-Cams sind Produkte, bei denen, neben dem klassischen Fotogeschäft, auch Outdoor- und Fahrrad-Händler zusätzliche Umsätze erzielen können. Schließlich kommen in deren Läden die Zielgruppen, welche ihre Outdoor-Abenteuer festhalten wollen. Branchengrößen, wie Globetrotter Ausrüstung oder Sport Scheck, haben den Trend erkannt und führen die Action-Cams in ihren Sortimenten. Ebenso setzt die Sportmarkt-Kette Décathlon mit der Video-Kamera HD G-Eye 1080p auf die sportlichen Amateurfilmer. Um die Kunden zum Kauf zu motivieren, haben sich die Hersteller einiges einfallen lassen und unterstützen den stationären Händler mit speziellen Displays, um Aufmerksamkeit zu bekommen: „GoPro hat über die Zeit der Markteinführung und das Wachstum in unterschiedlichen Vertriebskanälen festgestellt, dass der Kunde ursprünglich durch das bewegte Bild angehalten wird. Daher enthält das GoPro Display, welches wir jedem autorisierten GoPro-Händler zur Verfügung stellen, ganz oben den Monitor für das Abspielen des Demo-Videos. Aus dem GoPro-Video assoziiert der Kunde zwei Dinge: Erstens die Kamera (womit wurde das Video gedreht) – die Kameras stehen direkt unterhalb des Visual Teasers. Zweitens: Was wurde gedreht (kann ich das auch, bzw. schön, ich mache damit aber etwas anderes)“, erklärt Darko Baotic, Verkaufsleiter GoPro bei der Grofa. Dieser Großhändler aus Bad Camberg ist für den Vertrieb in Deutschland zuständig. Was dann der Verbraucher tut, beschreibt ­Baotic weiter: „Sodann sucht der Kunde auf dem Display nach der/den passenden Funktionserweiterungen und/oder Halterungen für sein Vorhaben, fährt nach Hause und nimmt sein GoPro-Video auf. Wenn er es auf das GoPro Portal postet, hat er die Möglichkeit, als Video „of the day“ oder Video „of the week“ einerseits etwas zu gewinnen (everything we make) und andererseits selbst Inhalt eines GoPro Promo-Videos zu werden und so weltweit auf über 20.000 GoPro-Displays zu laufen. Deswegen ist der Aufbau des Displays so wie er ist. Es ist bisher nachweislich die beste Möglichkeit, den Kunden für das Thema GoPro zu begeistern.“ Ein Bestseller in der Szene ist die Hero Kamera von GoPro. Seit 2009 verkauft die US-Marke in Deutschland ihre Modelle mit steigenden Umsätzen.

Vom Extremsportler bis zum Familienvater: Alle filmen gerne!

Baotic erklärt den Erfolg: „Der liegt ganz klar in der Vielseitigkeit und Robustheit. Zudem sind Action-Kameras leicht zu bedienen, da sie sich auf die wichtigsten Aufnahmemodi konzen­trieren, und liefern qualitativ mindestens ebenso hochwertige Aufnahmen wie konventionelle Kameras. Somit eignen sie sich nicht nur für die jungen Wilden – wie man vielleicht vermuten würde; Zielgruppe sind vielmehr alle, die Dinge mit Begeisterung tun, unabhängig von der Altersklasse bzw. dem Aktivitätsgrad. Das kann der Extrem-Sportler sein, aber auch der Familienvater, der sich mit seinen Kindern am Baggersee tummelt. Der Reiz der GoPro ist, dass sie wirklich überall einzusetzen ist – alles kann, nichts muss. Allen Nutzern gemein ist jedoch, dass sie auf absolute Premiumqualität bei Videos und Fotos Wert legen, ohne Angst um die Kamera haben zu müssen.“

Egal bei welcher Sport- oder Outdoor-Aktivität, die Action-Cams haben einen großen Vorteil: Mit ihnen ist es möglich, freihändig zu filmen. Hierfür lassen sich die Hersteller einiges einfallen, um den Outdoorern und Sportlern neue Befestigungsmöglichkeiten zu bieten. Am Mountainbike-Lenker oder am Fahrrad-Helm lassen sich die Camcorder befestigen und filmen jede spektakuläre Aktion. Wassersportler können ihre Action-Cams mit speziellen Halterungen am Kajak, Wake- oder Surfboard anbringen und so ihre Erlebnisse auf dem Wasser filmen. Für den Fall der Fälle hat Sony vorgesorgt und verhindert, dass die Action-Cam in den Fluten versinkt. Mit einer Mini-Boje schwimmt der Camcorder immer oben auf. Ebenso bietet GoPro mit dem Floaty einen Auftriebskörper an. Standard bei vielen Herstellern sind mittlerweile Armband-Halterungen. Wer sich am Mountainbike seitlich filmen will, kann dies mit einem speziellen Adapter tun. Dieses Teil ist mit einem Drei-Wege-Gelenk ausgerüstet und lässt sich am Fahrrad oder dem Helm befestigen. Die Liste der Accessoires für Action-Cams ist lang und wächst weiter an. Das freut Hersteller und Händler, denn mit dem umfangreichen Zubehör können sie interessante Zusatzverkäufe erzielen. „In erster Linie sind Action-Cams natürlich für alle Action-Sportler ausgelegt, die ein Maximum an Funktion und ein Minimum an Größe erwarten, um so das Erlebte festzuhalten. Dazu sollte ein perfekt abgestimmtes Zubehör dabei sein, damit die Cam wirklich alles mitmachen kann. Genau aus diesem Grund gibt es die Rollei Action-Cam in unterschiedlichen Editionen und mit extra viel Zubehör. So können wir zielgerichtet auf die jeweiligen Anforderungen der Sportler eingehen und den damit verbundenen Bedürfnissen gerecht werden. Mit unseren neuen 5S WiFi Editionen sprechen wir erstmals auch diejenigen an, die sich in sozialen Netzwerken tummeln und Erlebtes einfach teilen möchten. Aber auch bei älteren Generationen werden Action-Cams immer beliebter“, erklärt Thomas Güttler, Geschäftsführer von RCP-Technik, die Rollei Action-Cams im Programm hat.

Hersteller tun viel, um die Elektronik und Optik der Action-Cams zu schützen: Hier sind andere Lösungen gefordert, als bei konventionellen Kameras. „Bei der TG-2 schützen zwei perfekt abgedichtete Gehäuse aus strapazierfähigem Polycarbonat und Metall die Kameratechnik. Darüber hinaus ist das Fach für Akku und Speicherkarten mit einem doppelten Verschlussmechanismus gesichert“, erklärt Olaf Kreuter, Leitung Consumer Marketing DACH, Consumer Products Olympus Deutschland. Doch was passiert, wenn die Abdeckung offen ist? Auch für solche Fälle haben die kreativen Ingenieure vorgesorgt, um die wertvolle Action-Cam zu schützen: „Sollte die Abdeckung wirklich einmal nicht korrekt verschlossen sein, erscheint eine Warnung auf dem Kameradisplay. Und das Objektiv wurde so konstruiert, dass es nicht aus dem Kameragehäuse ausgefahren werden muss“, so Kreuter.

Begeisterung im Netz

Extrem wichtig ist es für manche Nutzer von Action-Cams, so schnell wie möglich ihre Filme online zu stellen. Renommierte Hersteller haben das erkannt und entsprechend mit technischen Neuerungen reagiert. ­„Nikon ist es extrem wichtig, stets am Puls der Zeit zu sein. Kaum jemand möchte noch darauf verzichten, seine qualitativ hochwertigen Bilder und Filme zu jeder Zeit und an jedem Ort direkt über verschiedenste soziale Netzwerke zu teilen. So können mit der COOLPIX AW110 dank ihres inte­grierten WiFi-Moduls die Action-Fotos und -Filme direkt auf ein Smartphone oder einen Tablet-Computer übertragen und von dort aus in sozialen Netzwerken bereitgestellt werden. Auf dem  Smartphone oder Tablet-PC muss lediglich die App Wireless Mobile

Adapter Utility (kompatibel mit iOS und Android) von Nikon installiert werden. Diese steht als kostenloser Download auf Google Play oder im App Store zur Verfügung. Auch ein Großteil anderer Nikon Kameras verfügt über die WiFi-Funktionalität. Im Übrigen kann das Smartphone oder Tablet-PC auch als Fernsteuerung für die Kameras verwendet werden, was bei Selbstporträts äußerst praktisch ist“, erläutert Markus Hillebrand, Manager Communications/PR von Nikon. Ähnliches bietet Rollei an. Auch hier gibt es eine Kombination der bereits vorhandenen technischen Geräte und dem Camcorder. Mit der Rollei Action-Cam 5S WiFi können Action-Begeisterte über Smartphone oder Tablet direkt auf die Kamera zugreifen und Videos und Fotos sofort ansehen oder teilen. Das integrierte W-LAN (Reichweite von 40 Meter) und die entsprechende App (für iOS und Android) machen es möglich. So lassen sich die gefilmten, spannenden Erlebnisse einfach über Social Networks teilen.

Doch es gibt noch einen weiteren Punkt, der viele Unentschlossene dazu bringt, Geld in eine Action-Cam zu investieren: das Image. Wer mit einer Action-Cam-Halterung am Fahrrad-Helm unterwegs ist, zeigt nach außen, dass er technisch interessiert und sehr sportlich ist. Im Gegensatz zu manchen anderen elektronischen Geräten aus dem Outdoor-Bereich, vollzieht sich der technische Fortschritt bei den Action-Cams rasant. So erhöhte sich in den letzten Jahren deutlich die Bildanzahl pro Sekunde. Während die Camcorder an Funktionen gewannen, nahm das Gewicht und die Größe ab. Mittlerweile liefern die oft nur 100 Gramm leichten Kameras gestochen scharfe Filme in HD-Qualität und sind völlig unkompliziert zu bedienen. Ein Ende der technischen Neuerungen bei diesen optischen Geräten ist bisher nicht in Sicht und das garantiert auch in Zukunft den Erfolg der Action-Cams. Händler können davon mit Sicherheit profitieren. uw

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Hohe Geschwindigkeiten sind für eine Action-Camera kein Problem. Dank dem umfangreichen Zubehör lässt sie sich am Helm befestigen.
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Hohe Geschwindigkeiten sind für eine Action-Camera kein Problem. Dank dem umfangreichen Zubehör lässt sie sich am Helm befestigen.
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Extrem wichtig ist es, möglichst schnell die selbst gedrehten Filme online zu stellen. Entsprechende Tools bieten die Hersteller an.
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Action-Cams müssen mehr aushalten als konventionelle Camcorder. Sie müssen Wasser aushalten und stoßfest sein, um jedes Abenteuer zu bestehen.
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Durchschnittlich 221 Euro investiert ein Kunde in eine Action-Cam, hinzu kommen Zubehörteile. Hier winkt ein interessanter Markt für die Händler.

Autor: Ulrich Wittmann

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 14 / 2013