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Rollski und Nordic Skater nehmen Fahrt auf

  • Ulrich Wittmann
  • Dienstag | 16. Februar 2010  |  10:52 Uhr
Inlineskates sind nach wie vor bei den Kunden gefragt, doch ein eigentlich altes, aber für viele Fitnessbewussten immer noch unentdecktes Sportgerät wird immer populärer: Rollski für das ­Train­ing auf dem Asphalt oder die geländegängigeren Nordic Skater.

Während Inlineskater einen möglichst optimalen Straßenbelag benötigen, fängt auf Feld- und Waldwegen der Spaß für die Nordic Skater erst an. So finden immer mehr Freizeitathleten den Einstieg zum Rollski und Nordic Skate. Ein Trend, von dem auch der Handel profitieren kann.

1924, als der Skilanglauf bei den Olympischen Spielen von Chamonix seine Premiere feierte, soll in den Straßen von Berlin zum ersten Mal ein Sportler auf selbst gebauten Rollski unterwegs gewesen sein. Der unbekannte Sportpionier hatte sich zwei Kindertretroller unter die Füße geschnallt und lediglich den Steuerholm entfernt. Nur drei Jahre später hatte ein Sportgeschäft aus Innsbruck Skiroller in seinem Sortiment. Die ersten, mit heutigen Nordic Skates vergleichbaren Sportgeräte, entwickelte der nordische Kombinierer Hermann Raiser in den 50er Jahren. Bereits damals waren diese Vorläufer mit Ballonreifen ausgerüstet. Gebremst wurden die Urahnen der aktuellen Trendsportgeräte mit Kabelzügen. Die Sportgeräteentwickler der DDR bauten 20 Jahre später die ersten tauglichen Rollski um ihren Skilangläufern ein optimales Sommertraining zu ermöglichen.

Die Renaissance der Rollski

1997 feierten die Nordic Skates ihre endgültige Wiedergeburt. Damals entwickelte der österreichische Erfinder Otto Eder aus Arnreit mit dem Megarun ein erstes Rollsportgerät, das auch im Gelände einsetzbar war. 2000 hatte Eder den Skike kreiert. Der Name ist eine Kombination aus den Wörtern „skate“ und „bike“. Mit dem Modell „V3“ kamen die ersten Kleinse­rien auf den Markt. In Hessen experimentierte Siegfried Rieckhoff in den siebziger Jahren mit Rollschuh-rädern um daraus Skiroller zu bauen. Seit 15 Jahren stellt er in Kleinserien Roll-ski unter der Marke Siriro im hessischen Neuhof-Kauppen her. Rieckhoff teilt seine Kunden in zwei Gruppen ein: “Das sind Vereinsläufer und ambitionierte Hobbysportler.“ Über 70% seiner Kunden sind Ärzte: “Roll-ski laufen ist eine extrem gesunde Sportart, die sanft viele Muskelgruppen fordert.“ Sein Sortiment umfasst mittlerweile eine Bandbreite von Modellen für Kinder bis hin zu Wettkampfrollski. Über das Internet verkauft Rieckhoff direkt seine Skiroller.

Wenig Hersteller bei steigenden Verkaufszahlen

Im Gegensatz zu den Inlineskates gibt es eine überschaubare Anzahl an Herstellern für Nordic Skates und Rollski. Neben Skike, stellt Powerslide aus Bindlach in Franken Nordic Skates seit 2005 her. Nach Angaben des Unternehmens verkaufen sich pro Jahr 15.000 derartiger Sportgeräte, mit einer steigenden Nachfrage. Matthias Faller, vom finnischen Nordic Sportartikel-Hersteller One Way, zu dessen Sortiment auch Rollski gehören, sieht die Tendenz der Nachfrage Rollski auf einem guten Weg: “Sie ist absolut steigend. Immer mehr Allgemeinsportler benutzen die Roller.“ Seit knapp zwei Jahren produziert das Unternehmen Rollski. Vorsichtig sind die Hersteller bei der Frage, ob die Nordic Skates und Skiroller das Potenzial zu einem Massensportgerät wie Inlineskates haben. Dazu Faller von One Way: “Wenn der Skiroller in der Zukunft noch einfacher für jedermann zu nutzen ist, dann könnte ich es mir schon vorstellen, dass wir eine größere Anzahl an Personen auf die Roller bekommen.“ Axel Bayer, Verkaufsleiter von Powerslide, sieht ein bedingtes Potenzial für die Cross Nordic Trainer eine Massenbewegung wie Inlineskaten auszulösen. Überzeugt davon, dass die ­Roll­ski den Status einer exotischen Sportart verlieren, ist Peter Otto. Von 1993 bis 1998 gehörte er dem Seniorenkader des Deutschen Rollskiverbandes an und war bis zur Auflösung des Verbandes im Jahr 2000 in dessen Arbeit aktiv involviert: “Als Randsportart gewinnt dieser Sport trotzdem immer mehr an Beliebtheit. Grund sind hier heute die technischen Möglichkeiten, als auch die gesundheitlichen Aspekte die diesen Sport ausmachen.“ Otto selbst versucht mit einem Internetforum diesen Sport an Popularität zu verhelfen. Die Hersteller setzen bei ihren Marketingaktivitäten für diese speziellen Sportartikel auf diverse Events, wie international besetzte Wettkämpfe und auf ausgebildete Trainer.

Profitieren könnten die Händler von dem Interesse der Sportler an Rollski und Nordic Saktes. Zu dem Verkauf der hochwertigen Rollsportgeräte bietet sich die Möglichkeit von lukrativen Zusatzverkäufen. So könnten Stöcke, Helme, Ersatzreifen, Rollen und Schutzbekleidung engagierten Händlern zusätzliche Umsätze bescheren. Mit entsprechender Präsentation der Skiroller und Nordic Skates sowie Fachwissen, könnten am POS die Händler Punkten. „Hier muss das Thema einfach ernst genommen werden“, meint Faller.

Ulrich Wittmann

Autor: Ulrich Wittmann

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 03 / 2010