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Outdoor-Vielfalt hält Händler unter Hochspannung

  • Hildegard Suntinger
  • Samstag | 09. Juli 2011  |  10:21 Uhr
Wien. Der österreichische Outdoor-Markt wächst weiter. Das Wachstum hat sich zwar verlangsamt, aber ein Ende der insgesamt positiven Entwicklung ist nicht absehbar.

Für etwas Aufregung sorgt ­allerdings das Schlagwort Urban Outdoor. Aber auch die Eigenmarken-Strategien der Filialisten und Einkaufsorganisationen lassen keine Langeweile aufkommen. Im Gegenteil: Viele Trends stimulieren die Geschäfte, vor allem das heiße Thema Klettern.

Schon die Kampagnen zu Saisonstart machten klar, dass Outdoor das Wachstum im Sportartikel-Handel ­anheizen soll. „Talk of market“ war ­allerdings Sport Eybl, der in seinen zehn Megastores sogenannte Urban Outdoor-Abteilungen startete. Dieses selbstbewusste Statement und widersprüchliche Themenauffassungen ­seitens der Industrie, lassen Marktmitglieder laut über den Status Quo nachdenken. Alois Loidl, GF des Grazer Filialisten Gigasport, merkt an, dass sich der Trend im Stadtbild nur bedingt widerspiegle. Christian Mann, Sprecher der Intersport Österreich, meint, Urban ­Out­door war vor drei Jahren. Gegenwärtig sei die ­Begeisterung für die Bewegung in der freien Natur der Umsatztreiber. ­Konkret spricht er von Themen wie Indoor-Klettern und Slacklinen. Intersport verzeichnet im laufenden ­Geschäftsjahr zwar das größte Plus in der Kategorie „Wanderbekleidung” (+48%), aber auf Platz zwei und drei folgen „textiles Zubehör für den Bergsport“ (+30%) und „Zubehör ­Bergsteigen” (+ 21%). Beide Katego­rien ordnet man der aktiven Ausübung und nicht dem Alltags­gebrauch zu. Einig sind sich indessen alle, dass „Cross-Hiker“ mehr auf Asphalt als auf natürlichem Terrain getragen wird. Die Industrie hat das Angebot forciert und knallige Farben sind nicht nur ­Modefaktor, sondern sorgen zusätzlich für Sichtbarkeit am P.O.S. ­Hjalmar ­Comploy, GF Sportler Alpin (Innsbruck), spricht vom „Modeschuh für die Stadt” und meint damit zum ­Beispiel die bunten Sneakers von ­Scarpa. Das Thema wird natürlich auch von den Eigenmarken abgedeckt. ­Intersport lancierte seine bunten ­Outdoor-Sneakers von Mc Kinley im Frühjahr mit einer Plakatkampagne.

Sports Experts, die Konzernschwester von Sport Eybl, launchte ebenfalls zum Saisonstart die Eigenmarke ­„Wilder Kaiser”: trendy und mit ­reduzierter Funktion. Eybl und Intersport sind in der Entwicklung ihrer ­Eigenmarken schon viel weiter: Sowohl Seven ­Summits als auch Mc Kinley sollen laut Unternehmensangaben bereits Bestseller in ihrer Kategorie sein. Das Vorbild für die forcierte ­Eigenmarken-Strategie von Intersport, Eybl & Co, ­ortet ein Marktteilnehmer beim ­französischen Sportartikel-­Discounter Décathlon.

Holger Schwarting, GF der Sport 2000 Österreich (Ohlsdorf), hat mit High Colorado zwar auch eine ­Eigenmarke, will diesen Markttrend aber nicht mitmachen. Er sieht in einer gesteigerten Eigenmarken-Politik die „Substituierung von Markenumsätzen”. Relativ positiv an dieser Entwicklung sei, dass Sport 2000 bei diesem ­„exklusiven“ Treiben zunehmend zum Markenanbieter werde. Schwarting denkt derzeit über ein eigenes ­Out­door-Konzept für Mitglieder in ­gebirgsnahen Regionen nach, um der ­Popularität des Themas und der ­Standort-Situation Rechnung zu ­tragen. Ein großer Teil der Sport 2000 Mitglieder ist davon involviert.

Der Wettbewerb im Handel nimmt zu

Das Thema Klettern ist heiß. Parameter dafür ist der Bergsport-Lehrer ­Peter Pichlkostner aus dem oberösterreichischen Mattighofen, der aus seinem „Wohnzimmer-Shop“ nebenberuflich rund 200 Stammkunden mit Klettermaterial bedient. Wie Andreas Fink, GF des Spezialshops Bergfink im vorarlbergischen Schwarzenberg dazu anmerkt, ist ein wachsender Markt sehr stark mit zunehmendem Wettbewerb verbunden. Schwarzenberg ist 12 km von Dornbirn entfernt, wo alle großen Sportartikel-Händler versammelt sind. Direkt in der Wanderregion setzt Fink stoisch auf Produkt- und Beratungsqualität und fährt gut damit. Fink führt ein Gesamtsortiment. Sortimente in anderen Tourismusregionen sind oft auf Bedarfsartikel reduziert, da viele Wanderer aus der Stadt oft ausgerüstet anreisen. Dementsprechend gut ist die Stimmung bei den Spezialisten in der Stadt. Die Etablierten verzeichnen anhaltendes Wachstum. In Innsbruck, Linz und Wien wird von einem super Saisonstart gesprochen – nicht zuletzt aufgrund der Popularität des Klettersports. Die Abgrenzung zum Wettbewerb erfolgt meist über Marken mit selektiver Vertriebspolitik. Profilierungschancen bietet aber auch der Sektor Hartware. Dietmar Klammer, GF Mountain Sport (Linz), verweist auf seine Kompetenz in Sachen Leichtausrüstung: „Es macht Sinn, die Artikel sehr gezielt auszusuchen.“ Mittlerweile haben auch viele Kletterer seinen Spezialshop entdeckt und er freut sich über die neue Kundengruppe, die früher oder später mehr als nur Kletterprodukte kaufen wird. Die Preispolitik kann in den Spezial­shops nicht außer Acht gelassen werden: Gregor Schwenk, GF von Bergfuchs in Wien, weist auf die Preis­transparenz im Internet hin. Dies gelte vor allem für alpine Hartware, Kletterschuhe und Klettersteig-Sets. Die Flächenerweiterung von 100 qm, die Schwenk vor einem Jahr vorgenommen hat, gilt allerdings keinem Mainstream-Trend, sondern den Outdoor-Reisen.

Slalom durch die Hartware

Zentrales Thema im Kernsegment ist weiter auch der Klettersteig-Bereich. Schwenk datiert die Entstehung zehn Jahre zurück und beobachtet seither ein kontinuierliches Wachstum. Auch in der laufenden Saison verkauft er Klettersteig-Sets wieder sehr gut.

Schuhe bleiben der Verkaufsschlager, nicht zuletzt wegen der höheren Ausgabebereitschaft der Kunden. Eine stabile Nachfrage zeigt sich bei Schuhen mit Klimamembran. Die größten Stückzahlen werden allerdings bei leichten Halbschuhen erreicht.

Bei Stöcken hält sich Nordic Walking auf hohem Niveau. Stöcke für die Bergwanderung zeigen dagegen ein klares Wachstum. Das erklärt Heinz Redler (Leki Austria, Lauterach bei Bregenz). Stark frequentierte Preislagen würden entweder bei 49,99 EUR oder bei 99,90 EUR liegen.

Bei Rucksäcken zeichnet sich ein Trend zu leichteren, kleineren Modellen ab (20 bis 30 Liter). Generell dominiert die alpine Optik, mit schlankem Schnitt und nah am Körper getragen. Die Absatzsituation ist hierbei stabil.

Was tut sich bei der ­Bekleidung?

Der Trend zu Modefarben ging auf ­Kos­ten der Klassiker Rot/Schwarz. Auf breite Akzeptanz stießen Royalblau und Grün. Aber auch Gelb, Pink und Lila fanden Zustimmung. Als problematisch erwies sich mitunter Violett.

Die Durchschnitts-Preise von ­Hard­shells sind allgemein etwas gesunken. Das könnte mit deren Wandel zum Modeprodukt zusammenhängen, aber auch mit dem Trend zur Dritt- und Viertjacke. Gregor Schwenk berichtet von gängigen Preislagen m Bereich von 250 bis 300 EUR.

Die Nachfrage nach Softshell ist rückläufig. „Da halfen auch modische Farben nicht”, wie Alois Loidl erklärt, ­Gigasport-GF. Der Langzeit-Trend zu Zipp-off läuft aus: Für Hosen gilt: kurz oder lang. Von Fleece spricht aufgrund der warmen Witterung momentan keiner (im Gegensatz zur verregneten Saison im Vorjahr). Klar den Spezialshops zuzuordnen, ist die Forcierung von Merino statt Synthetik für Wäsche und Oberteile. Die Vorteile werden beim Temperaturausgleich und der ­Geruchs­neutralität gesehen. Merino nimmt mitunter angeblich bereits 60 bis 70% im Verkauf ein.

Weniger Schuhe laufen mit mehr Umsatz Schuhmarkt 2010: Steigende Durchschnitts-Preise

Kategorie +/- % Volumen*

Outdoor

Multifunktion +6% 19,0

Mountain/Trekking/

Hiking +6% 16,4

Kids +29% 2,0

Winterschuhe +10% 1,4

Wasserschuhe -29% 1,1

Sandalen -3% 0,9

Quelle: Sports Tracking Europe Handelspanel

Basis: Verkaufszahlen der Sportfachhändler (entspricht etwa 60% des Marktes) *Verkaufswert in Mio. EUR

2010 wurden 489.000 Paar Schuhe verkauft. Das entspricht einem Minus von 2% in der Menge. Der Verkaufswert stieg dagegen um 6% von 38,2 auf insgesamt 40,7 Mio. EUR. Der Durchschnitts-Preis in EUR stieg von 76,95 EUR in 2009 auf 83,16 EUR in 2010. Wie der Verantwortliche bei Sports Tracking Europe, Dietmar Brandl, ausführt, sind die Durchschnitts-Preise in allen Segmenten (Ausnahme: Winterboots) gestiegen.

Das große Plus von 29% bei Kinderschuhen interpretiert Brandl mit der steigenden Popularität von Outdoor als Familien-Freizeitaktivität. Darüber hinaus liege das Wachstum aber auch am forcierten Angebot der Industrie.

Das seit Jahren anhaltend wachsende Segment Trail Running ist in den genannten Zahlen nicht enthalten. Trail Running-Schuhe für Erwachsene wuchsen 2010 um 14% auf ein Marktvolumen von rund 14 Mio. EUR. Seit 2007 hat sich das Volumen damit fast verdoppelt. su

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Autor: Hildegard Suntinger

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 14 / 2011