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Ohne Atomstrom: Viel Musik, eine glatte Rasur und ein voller Magen

  • Uli Wittmann
  • Samstag | 09. Juli 2011  |  10:14 Uhr
Lächeln müssen Outdoorer über Begriffe wie Rest-Laufzeiten, Brückentechnologien, Endlager und Strom-Ausfallzeiten. In der Wildnis oder auf dem Campingplatz können alle, die gerne draußen unterwegs sind, ohne Kernenergie bestehen.

Dabei muss niemand auf den einen oder anderen Luxus verzichten. Unterhaltung mit einem tragbaren Radio: Kein Problem und dafür ist auch kein Strom von einem Kernkraftwerk nötig. Eine Top-Rasur in freier Natur? Ein elektrischer Rasierapparat mit Handkurbel hinterlässt keine Bartstoppeln im Gesicht. Auch der Dauerbetrieb des Smartphones ist selbst in den abgelegensten Winkeln der Welt durch Solarpanels gesichert. Zum Transport der mobilen Photovoltaik-Zellen sind keine Hundertschaften an Sherpas nötig. Diese umweltfreundlichen Mini-Stromwerke werden immer handlicher und effizienter. Etliche Hersteller haben den Trend zur atomfreien Energieversorgung in der Freizeit erkannt und bieten entsprechendes Equipment an. Sonne statt Atom, so wollen Outdoorer ihren Strom.

Wo ein Stromnetz fehlt, füllt Vaude mit dem ­Solar-Ladegerät VD-3400 LI die Energielücke auf. Verbindungsprobleme verhindern die vier mitgelieferten Adapter. So holt sich überlebenswichtige Ausrüstung wie Mobiltelefone, MP3-Player, E-­Reader, Digitalkameras und GPS-Geräte ihre Energie von der Sonne. Dazu lässt sich der 250 g leichte Stromerzeuger mit Klemmen am Rucksack, Zelt, Kanu oder Rad fixieren. Der besondere Clou an diesem Vaude-Ladegerät ist der integrierte Akku. Im Kleinen ist somit zumindest das Speicherproblem von Sonnenenergie gelöst. Die Out­door-Marke vom Bodensee zeigt, was mit regenerativer Energie möglich ist: Ein Drittel des gesamten Strombedarfs der Firma stammt vom eigenen Dach.

Tech 4 O bietet mit dem Power Pack ebenfalls energetische Autonomie an. Politisch korrekten Strom gewinnt der Outdoorer durch das Sonnen-Panel. Während des Ladevorgangs kann der Akku bereits Strom an angeschlossene Geräte abgeben. Ein Platz an der Sonne ist jedoch von Vorteil, denn das ­Pow­er Pack benötigt etwa acht Stunden, bis es vollständig aufgeladen ist. Selbstverständlich besteht die Möglichkeit, den Stromspeicher zuhause am Computer vor der Outdoor-Tour anzuschließen, um dort elektrische Energie zu tanken. Batterien lassen sich im Ladegerät von Tech 4 O in den dazu vorgesehenen Halterungen ebenfalls mit neuer Energie auffrischen. Wer nachts verzweifelt „fiat lux!“ (es werde Licht!) ausruft, weil er im Zelt oder in der Berghütte etwas nicht findet, greift zum Power Pack: Es besitzt zwei 2 Leds und lässt sich 30 Stunden als Taschenlampe verwenden.

Rollen oder zusammen­klappen: Mobile Kraftwerke als Packwunder

Nicht nur Schlafsäcke und Zelte lassen sich zusammenrollen: Brunton stellt mit der Cigs-Technologie leistungsstarke Dünnschicht-Zellen zur Stromgewinnung her, die sich rollen lassen. So verringern sich Packmaß und Gewicht bei Outdoor-Aktivitäten. Zusammengelegt ist das Modell Solaris 2 gerade mal 13 x 23 x 3,8 cm groß. Probieren Sie das mal mit einem Kernkraft-Werk aus! Das Packwunder des US-Herstellers bringt es auf 2 Watt ­Leis­tung. Wenig Sonne ist kein Problem für das rollbare Kraftwerk von Brunton: Selbst bei schwachem Licht erzeugt das Panel, im Gegensatz zu polykristallinen Zellen, noch genügend Strom. Selbst der geliebte Laptop ­lässt sich, wenn er passend für Outdoor-Aktivitäten verpackt ist, umweltfreundlich aufladen. Auch zuhause auf dem Balkon kann so der Anti-Kernkraft-Liga beigetreten und Sonnenstrom erzeugt werden. Doch wohin mit der ganzen Energie? Damit kein Umweltbewusster Outdoorer an die Strombörse muss, bietet Brunton unterschiedliche mobile Energiespeicher für den Einsatz im Freien an.

Eine Stromquelle für unterwegs führt Silva mit dem Solar II im Sortiment. Garantiert ohne Brennelemente-Steuer produzieren Wanderer, Radfahrer und Kanuten mit der aufklappbaren Photovoltaik-Zelle ihre eigene grüne Energie. Im Gegensatz zu einem Meiler ist dieses Gerät sehr einfach zu bedienen. Mit dem 12 V-Ladekabel ist die Versorgung aller wichtigen elektrischen Geräte unterwegs ­gewährleis­tet. So wird Dauer-Mobiltelefonierern die Redelaune nicht durch den Akku begrenzt, wenn Solar II mit dabei ist. Geschützt ist die wertvolle polykris­talline Solarfläche durch robusten Kunststoff. Dank der wasserdichten Konstruktion lässt sich das Gerät auch im Wassersport-Bereich oder in Regionen mit vielen Niederschlägen einsetzen.

Outdoorer kurbeln für atomfreie Musik

Wer behauptet, dass ohne Kernkraft-Werke in Deutschland die Lichter ausgehen, der irrt sich. Mit der Dynamo-Taschenlampe von Baladeo lässt sich effizient und im Handumdrehen die Dunkelheit mit drei Leuchtmodi bekämpfen: Wer 30 Sekunden an der Taschenlampe kurbelt, bekommt ungefähr 15 Minuten Licht. Wem das zu anstrengend ist, kann das Gerät in die Sonne legen und es dort aufladen; denn an der Oberseite der Lampe befinden sich Solarzellen. Die Kurbel ist abklappbar. Außerdem lässt sich die ökologische Lichtmaschine universell als Stirnleuchte, Hand- oder Fahrrad-Lampe einsetzen. Ohne Atomstrom spielt auch die Musik: Zumindest, wenn man über ein Radio vom walisischen Outdoor-Spezialisten Gelert verfügt. Ohne Batterien und Strom aus der (vielleicht indirekt strahlenden) Steckdose kommt das Dynamo-Solar-Radio 2 Way aus. Einfach die Kurbel ausfahren und daran drehen. Im Gegensatz zu einem Leierkas­ten, kommt nicht immer die gleiche Melodie aus dem Gerät. Nur eine Minute Arbeit am Dynamo entschädigt mit 20 Minuten Musikgenuss. Alternativ tönt der Transistor nach einer Stunde in der Sonne, ebenso lange. Schließlich erzeugen die Solarzellen auf dem Radio-Gehäuse den Strom. Wenn das keine Rendite ist und alles ganz ohne staatliche Subventionen. Das Gerät mit AM und FM-Empfänger verfügt über eine eingebaute Uhr mit Weckfunktion. Nachts geben drei eingebaute Leds sogar noch genügend Licht für das Zelt ab.

Ohne Atomstrom geht es dem Bart an die Stoppeln

Es soll ja auch Outdoorer geben, die sich nicht nass rasieren. Manch Wandervogel kam schon in einen Gewissenskonflikt, als er auf der Berghütte oder am Zeltplatz seinen elektrischen Trockenrasierer einsteckte. Schließlich könnte es sich ja um Atomstrom handeln. Dank dem Power Plus Dynamo Rasierer muss wegen der Nukleardebatte niemand bei Outdoor-Unternehmungen lange Barthaare bekommen. Andreas Weingarten, Manager von Relags, vertreibt die nachhaltige Gesichts-Heckenschere und hat folgende Meinung dazu: „Dieser Rasierer funktioniert, ist aber etwas zeitaufwändig, da man schon kurbeln muss, um Strom genug für eine komplett Rasur zu haben. Wer aber nicht nass rasieren mag, hat hier eine gute Variante für das Leben ohne ­Strom­anschluss.“ Bevor es an die Rasur geht, kommt eine ausgereifte Kurbeltechnologie zum Einsatz. Eine Ladekontroll-Leuchte sorgt für die optimale Geschwindigkeit. Wer eine ­Minute dreht, kann zwei Minuten rasieren. Wie zuhause im Badezimmer arbeiten sich zwei schwenkbare Scherköpfe durch die Gesichtsbehaarung. Ein ausklappbarer Langhaar-Schneider komplettiert den Rasierer. Für alle die vom Kurbeln genug haben, liegt ein Ladegerät bereit. Keine Küche muss kalt bleiben, weil der Strom fehlt. Für Outdoorer ist es Normalität, sich an einer offenen Feuerstelle oder mit einem Gaskocher leckere Mahlzeiten zu kochen. Jetboil erhitzt mit dem Sol-TI durch einen Wärme-Austauscher am Boden den Topfinhalt. Mit dem Druckminder-Ventil bleibt die Leistung selbst bei niedrigem Gasdruck – wenn die Kartusche halb leer ist – erhalten. Auch bei fros­tigen Temperaturen versorgt der ­Kocher von Jetboil hungrige Mägen mit warmen Mahlzeiten.

Strahlungssicherheit bietet Pacsafe mit dem Rfidsafe. Nicht nur die ausgebrannten Hinterlassenschaften der Atomkraft-Werke strahlen munter vor sich hin. Raffinierte, hoch-technologisierte Kriminelle spionieren ihre Opfer mittels Radiofrequenzen aus. Dazu müssen sie keine Geldbörsen mehr aus den Taschen stehlen, um das Bankkonto zu plündern. Ausweisdaten und Informationen der Kreditkarten sind vor High-Tech Langfingern nicht mehr sicher. Das lässt sich ändern: Ein Nickel-Kupfer-Gewebe schützt die wichtigen Daten vor unberechtigten Zugriffen und blockiert mögliche Radiofrequenz-Attacken. Die Outdoor-Branche beweist mit diesen Produkten, dass sie für einen Ausstieg aus der Kernenergie bestens vorbereitet ist. uw

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Autor: Uli Wittmann

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 14 / 2011