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Im Crosslauf grassiert die

  • Andreas Mayer
  • Freitag | 22. Januar 2010  |  16:55 Uhr
Laufen ist für den Sporthandel ein Ganzjahresthema geworden.

Zu einem spürbaren Wachstumsmotor haben sich Trail-Running-Schuhe gemausert: Mit einem beeindruckenden Schluss-Sprint bescherten die Geländelaufschuhe im Herbst 2009 aufgrund des milden Wetters Händlern und Herstellern ungewohnt hohe Verkaufszahlen. Zur Popularität des geländetauglichen Schuhwerks trägt auch die junge Disziplin Urban Trail Running bei, die in den Städten immer mehr Anhänger findet. Neben den bekannten Laufschuh-Herstellern bringen zunehmend Outdoorfirmen und klassische Bergstiefel-Produzenten Trail-Running-Schuhe auf den Markt.

Jetzt ist es amtlich: Gemäß Deutschem Wetterdienst war der vergangene Herbst in Deutschland einer der wärmsten seit 130 Jahren. Der November war mit 7,3 Grad im Schnitt um vier Grad wärmer, als es die Statistik vorsieht. Handel und Hersteller profitierten davon gleichermaßen: Vor allem Trail-Running-Schuhe fanden einen besseren Absatz als in den Jahren zuvor. Heike Münsterer von Lauf und Berg König aus Regensburg bringt es auf den Punkt: „Der milde Herbst war für uns sehr erfolgreich im Laufschuh-Verkauf.“ Zufriedene Gesichter gab es auch bei Schuster in München: „Der milde November machte sich allgemein sehr positiv im Running-Abverkauf bemerkbar, die Umsätze stiegen deutlich. Im Bereich Trail-Running-Schuhe sind wir bei einer Steigerung von knapp 20% zum Vorjahr“, so Michael Bonetsmüller, Warenweltleiter Urban & Aktiv.

Nicht nur der Handel konnte dem warmen Herbst positive Seiten abgewinnen. Auch bei den Marken beflügelten die Temperaturen die Verkaufszahlen. In der Herzogenauracher Zentrale von Puma Deutschland freut sich Vivienne Rassaerts: „Für den Laufschuh-Markt war das sehr milde Wetter positiv, da die Laufsaison damit verlängert wurde.“ Das Label engagiert sich seit 2001 im Trail-Running-Segment und stellte 2005 mit Sabrina Mockenhaupt die Vizeeuropameisterin im Crosslauf. Der späte Winterbeginn gefiel auch auch Asics: „Als Marktführer im Bereich Trail-Running verlief das 3. Quartal für uns sehr positiv. Das Winter-Trail-Package, das wir in enger Kooperation mit Gore zum Start der Herbstsaison geschnürt hatten, verkaufte sich sehr erfolgreich“, sagt Ralf Schön, Senior Marketing Manager Athletic.

Millionen laufen abseits geteerter Wege

Laut einer GfK-Studie, die der japanische Hersteller in Auftrag gab, laufen in Deutschland etwa 5,5 Millionen Menschen regelmäßig abseits befes-tigter Wege. Die Erhebung mit dem Titel „Reasons to Run“ kommt zu dem Ergebnis, dass nur 18% der deutschen Läufer gern auf der Straße laufen, während 53% der Jogger den Wald bevorzugen. „Im Bereich Trail Running steckt also ein ungemeines Potenzial und hier gilt es, die Läufer noch stärker zu sensibilisieren, dass es für diese Sportart auch spezielles Equipment mit besonderen Funktionen gibt“, so Schön.

In einer besonderen Position befindet sich die finnische Nordic-Sport-Marke One Way (Helsinki), die seit Sommer 2009 Schuhe herstellt. Zum milden Wetter im November und seine Auswirkungen auf den Absatz von Trail-Running-Schuhen meint Matthias Faller: „Da wir im Aufbau sind, haben wir natürlich einen Zuwachs von 100%, aber sicherlich half das sehr milde Wetter.“

Doch es gibt auch Hersteller, denen der späte Winteranfang alles andere als behagte: „Als typische Winter-Laufschuhmarke wäre uns ein früher

Wintereinbruch lieber gewesen“, sagt Harald Bierbaumer aus Salzburg, der die Marke Icebug in Österreich und Deutschland vertreibt.

Urban Trail Running hält die Branche fit

Laut Media Control (Baden-Baden) ist Running mit über 20% Anteil eines der größten Einzelsegmente im deutschen Sportschuh-Markt. Im ersten Quartal 2009 war jeder sechste Laufschuh, der über die Ladentheke ging, ein Trail-Runner. Neben dem Wetter gibt es einen weiteren Grund für die sehr gu-ten Verkaufszahlen im vergangenen Jahr: Urban Trail Running ist ein Trend, der immer mehr Hobbyläufer in den Städten elektrisiert. Auch dort, wo Berge und Waldwege fehlen, suchen sich die Läufer Pfade abseits des Kopfsteinpflasters. Grünstreifen, künstliche Hindernisse wie Treppen oder Pflanzenkübel sind willkommene Abwechslung im City-Cross. Neben Einfallsreichtum bei der Laufstreckenwahl benötigen die städtischen Läufer dazu robuste Trail-Running-Schuhe. Der Handel und die Hersteller profitieren von dieser Bewegung: „Urban Trail Running ist eine junge Entwicklung, die wir mit viel Interesse verfolgen. Es spiegelt die Entwicklung der Laufszene wider: Der große Traum vom Marathon lockt weiterhin die Massen zu den City-Marathons. Gleichzeitig gibt es aber auch immer mehr erfahrene Langstreckenläufer, die eine gewisse Marathonmüdigkeit verspüren. Wir betrachten es einfach als den Wunsch, nicht nur stupide auf dem Asphaltband durch den Großstadtdschungel traben zu müssen, sondern sich bewusst läuferische Abwechslung zu suchen“, so Tom Mühlmann, Manager für Marketing und Kommunikation bei Garmin Deutschland.

Eine interessante Definition von Urban Trail Running hat Emily Friis, EMEA Produkt Managerin von New Balance: „Nicht jeder hat das Glück, in der Nähe von Wäldern und Bergen zu leben. Stadtmenschen, die beruflich stark eingebunden sind, finden selten die Zeit, raus aufs Land zu fahren. Viele Läufer lieben jedoch die Stille beim Laufen und suchen diese im nahe gelegenen Park oder Wäldchen. Um dorthin zu gelangen, sind sie meist gezwungen, einen Teil der Strecke auf Asphalt zurückzulegen. Dies bedeutet für uns Urban Trail Running – Laufen auf den verschiedenen Untergründen on-road und off-road.“

Mega-Events sind Publikumsmagneten

Mit spektakulären Veranstaltungen bringen die Brands Trail Running in die Städte. Dabei orientieren sie sich an erfolgreichen Events wie die Biathlon-Team-Challenge auf Schalke. Im Gelsenkirchener Fußballstadion sehen regelmäßig knapp 50.000 Zuschauer den Skijägern zu, die ihren Sport normalerweise in der freien Natur aus-üben. Eine weitere Sportart, die ihren Weg in die Innenstädte fand, ist der Skilanglauf: Im Dezember 2009 fand in Düsseldorf wie schon oft zuvor ein Skilanglauf-Weltcuprennen mit großem Publikumsanklang statt.

Auf diese Schiene springen nun europaweit Veranstalter von Trail-Running-Wettkämpfen auf: Seit 2008 ist Mizuno ein Sponsor vom Trail de Paris. Die Läufer können zwischen Strecken von 18, 50 und 80 km, die hauptsächlich auf unbefestigten Wegen zurückgelegt werden, auswählen.

„Wir sitzen im gleichen Boot wie die Running-Veranstalter und wollen das Angebot interessanter gestalten, um eine breitere Zielgruppe anzusprechen“, erklärt Harald Steindor, Sport Division Manager von Mizuno. In Deutschland sorgten im November 2009 die Windstopper Trailrun Worldmasters in Dortmund für Aufsehen: An drei Tagen mussten die Athleten anspruchsvolle Geländeetappen zurücklegen. „In Kooperation mit Gore war Asics im November Sponsor der ers-ten Windstopper Trailrun Worldmas-ters mitten im Ruhrgebiet, in Dortmund. Das Sportevent hat gezeigt, dass Trail Running auch in der Stadt angekommen ist. Städtisches Gebiet in Verbindung mit reizvollen Trails durch angrenzende Parks, Wälder und Hügellandschaften bietet optimale Voraussetzungen für neue läuferische Herausforderungen“, so Asics-Macher Schön. Etwa 15% am Umsatz der japanischen Marke machen bereits Geländelaufschuhe aus.

Outdoormarken halten das Tempo locker mit

Auch Outdoormarken wie Berghaus oder Lafuma haben den Trend zu Trail Running und Crossläufen in den Städten erkannt. Sie setzen konsequent auf Gelände-Laufschuhe, für deren Herstellung sie ihre Kompetenz aus dem Bergsport beziehen. „Zurzeit sind es etwa 5% des eigenen Umsatzes mit Schuhen. Wir sehen aber ein großes Wachstumspotenzial“, meint Steven Parry, Footwear Product Manager von Berghaus. Bei Lafuma machen die Trail-Runner bereits 20% des Schuhumsatzes aus: „Tendenz steigend,“ erklärt Edwin Haid, Geschäftsführer Deutschland.

Obwohl sich beim Trail Running klassische Sportartikelhersteller und Outdoor-Anbieter in die Quere kommen, kann von einem Spannungsfeld in der Branche keine Rede sein: „Ich sehe Firmen, die verstärkt über Marketing versuchen, den Markt für sich zu gewinnen, und wir sehen die Global Player, die seit Jahren versuchen, Fuß im Out-door zu fassen. Das ist gut für die gesamte Outdoor-Branche und bringt Bewegung“, meint Christian Baumgärtner von Meindl. Die Marke bietet seit 2004 Trail-Running-Schuhe an.

Geländeläufern sitzt das Geld lockerer in der Tasche

Ein interessantes Detail beobachtet André Green, Key Account Manager für das Gebiet Süd bei Saucony: „Bisher macht das Trail-Segment nur einen kleinen Teil des Runningschuh-Umsatzes aus, wobei gerade im südlichen Deutschland sowie in Österreich und in der Schweiz dieser Anteil wiederum deutlich höher ist als im Norden. Allerdings lässt sich dort seit zwei Jahren ein deutlicher Trend in Richtung Trailschuhe erkennen.“

„Der Markt und Laufveranstalter profitierten von den Geländeläufern in den Großstädten. Landschaftsläufe gewinnen immer mehr an Bedeutung. Die Läufer gehen ihren Sport das ganze Jahr nach, und das bietet dem Handel interessante Perspektiven“, erklärt Ralf Jahnke, Inhaber von Jena Laufladen und für die Schuhkommission der Händlergruppe Lex aktiv. Zu einem ähnlichen Resümee kommt An-dré Green: „Natürlich gibt es reine Trailläufer, aber die Zielgruppen Trail/Stadt/Urban Trail vermischen sich mehr und mehr.“

Media Control protokolliert eine weitere Besonderheit, die Händler noch mehr für die Crosslaufschuhe begeistern dürfte: Während klassische Laufschuhe durchschnittlich 90 EUR kosten, inves-tieren Kunden in die Trailmodelle im Durchschnitt 96 EUR. Über 60% aller Geländelaufschuhe, so die Marktforscher, kosten zwischen 80 und 120 EUR.

Auch lassen sich für den Handel höhere Durchschnittspreise bei den unterschiedlichen Marken erzielen: Salomon, nach Marktanteilen Nummer drei auf dem deutschen Trail-Running-Markt, erzielt im Schnitt 107 EUR mit seinen Geländeschuhen in den Läden. Bei Marktführer Asics sind es 102 EUR und bei Adidas liegen die Schuhe im Mittel unter der 100-EUR-Grenze, so Media Control.

Ein Grund, warum die Geländeschuhe mehr kosten als konventionelle Straßenlaufschuhe, ist ihre hochwertige Ausstattung: Die Branchenführer Asics, Adidas, Salomon und Nike setzen auf Gore-Tex, um den Läufern auch bei schlechtem Wetter puren Sportgenuss zu bieten. Lafuma arbeitet bei seinem Topmodell Sky Race mit der OutDry-Membrane, um trockene Läuferfüße zu gewährleisten. Hi-Tec hingegen setzt auf seine Plasmatechnologie Ion Mask, um den City Cross auch bei Schmuddelwetter wasserdicht zu gestalten. Mit innovativen Sohlen und Dämpfungselementen erfreuen sich Trail-Running-Schuhe weiterhin bei den Konsumenten großer Beliebtheit.

Das Geld steckt im Drumherum

Urbane Geländeläufer benötigen nicht nur die passenden Trail-Running-Schuhe, sondern investieren auch in Ausrüstung, was dem Handel lukrative Zusatzverkäufe eröffnet. Der finnische Trainingscomputer-Hesteller Suunto bietet in seinen Geräten entsprechende Programme an, um die Läufer vor Überbelastungen zu schützen. Ebenso Mitbewerber Garmin: „Die Kombination aus Sport und Natur direkt vor der Haustür hat eben eine ganz eigene Faszination. Garmin sieht die Entwicklung mit Freude: Die Leute wollen natürlich wissen, was sie leis-ten. Wir bringen mit der GPS-Technologie aber zusätzlich die Orientierung plus die akkurate Aufzeichnung der gelaufenen Strecke ins Spiel“, berichtet Marketing Manager Tom Mühlmann.

Bei der Funktionsbekleidung setzt X-Bionic auf Trail Running. So stattete das Schweizer Unternehmen bei den Trailrun Worldmasters ein 37-köpfiges Team aus. Laufsocken und Kompressionsbekleidung gehören bei X-Bionic ebenso zum Portfolio, um die Crossläufer auszurüsten. Um die Markenbotschaft entsprechend zu kommunizieren, unterstützt die Marke zahlreiche Veranstaltungen und Athleten.

Was für Profis gut ist, sollte den Normalverbrauchern recht sein. Fachberater, die ihren Beruf lieben und die Kunden kennen, nehmen die Chance der Zusatzverkäufe wahr.

Ein Segment mit Zukunft sind die Gelände-Joggingschuhe dank Urban Trail Running auf jeden Fall: „Wir sehen Urban Trail Running als ein ganz aktuelles Thema und merken auch an den Verkaufszahlen, dass Läufer stärker darauf achten, Schuhe zu nutzen, die speziell für ihren Offroad-Lauf konzipiert sind“, sagt Ralf Schön von Asics. Edwin Haid von Lafuma ergänzt: „Trail Running tut sich mangels Gelegenheit schwer, eine Massenbewegung zu werden. Bei Urban Trail Running wäre die Gelegenheit, sprich die Location, per se vorhanden, somit stehen die Chancen nicht schlecht. Wer hätte den ganzen Laufboom damals so vorgesehen.“

Überzeugt vom Urban Trail Running und den damit positiven Verkaufszahlen für Geländelaufschuhe ist die New-Balance-Managerin Emiliy Friis: „Urban Trail Running ist definitiv ein Trend mit Zukunft. Immer mehr Menschen wohnen in Städten und der Alltag wird immer hektischer – Urban Trail Running verschafft ihnen Ausgleich in ihrer Freizeit.“ Auch bei Mitbewerber Brooks ist man optimistisch: „Brooks sieht einen Trend unter Läufern und Laufveranstaltungen, die mehr und mehr den Spaß und das Erlebnis in den Vordergrund stellen, und somit sehen wir auch eine positive Zukunft im Urban Trail Running,“ erklärt Sales Manager Lars Lürmann.

Bei Puma kommentiert Vivienne Rassaerts die Perspektiven vom Geländelauf in den Städten folgendermaßen: „Es gibt immer mehr Läufer, die ein abwechslungsreiches Training suchen und auch das ganze Jahr über aktiv sein wollen. Der Trend, abseits der Straße zu laufen, wird immer beliebter, denn Trail Running bietet ein ganzheitliches und komplettes Allroundtraining über das Jahr an.“

Um den Trend weiterhin zu forcieren, lassen sich die Hersteller einiges einfallen. So bietet Salomon auf seiner Internetseite Salomonrunning.com spezielle Runningmaps zum Herunterladen in Kooperation mit Nokia an. Bei einem Dream Trail Contest können begeisterte Geländeläufer ihre Laufstrecken online stellen und wertvolle Sachpreise gewinnen. Mit Trail-Running-Wettkämpfen in Großstädten und einem steigenden Interesse der Läufer am Geländelauf in der Stadt werden die Verkaufszahlen für Trail-Running-Schuhe auch in den nächsten Jahren auf einem hohen Niveau bleiben.

Ulrich Wittmann

Mayer

Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur sportFACHHANDEL / Wanderlust / SkiMAGAZIN

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 02 / 2010