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Effizienz ist das halbe Leben

  • Markus Huber
  • Freitag | 14. Januar 2011  |  10:40 Uhr
Heilbronn. Die deutsche Intersport rüstet sich für einen zunehmend verschärften Wettbewerb am Markt.

Im Zeitalter der ­Expansion von Filialisten und der intensiveren Bemühung der Marken um eigene Einzelhandels-Aktivitäten will die Verbundgruppe die Wagenburg des mittelständischen Fachhandels zu-sammenhalten. Neben Optimierung im Einkauf und verstärkten ­Marketing-Aktivitäten liegt das Herzblut der Heilbronner im ­Ausbau der Logistik zur Effizienzsteigerung in der Zentrale und bei den angeschlossenen Häusern.

Zum Jahreswechsel konnte Intersport-Vorstand Kim Roether beeindruckende Zahlen verkünden: „2010 haben wir rund 1 Million Pakete an die Händler verschickt. Die versandte Ware hat einen Wert von 330 Mio. EUR zu Verkaufspreisen.“ Dabei hat sich die Form, in welcher die Ware die angeschlossenen Häuser erreicht, in den letzten Jahren dramatisch verändert, um die Genossen für die wachsenden Anforderungen des Wettbewerbs zu stählen.

Mehr Einzelartikel, weniger Lots

Die Graphik veranschaulicht deutlich, wie sich die Gewichte bei der Belieferung der Händler in den vergangenen Jahren verschoben haben: Der Versand von Lots, d.h. von standardisierten Paketen mit einheitlichem Inhalt wurde konsequent heruntergefahren. Im Gegenzug stieg die Zahl der einzeln versandten Artikel in der Nachorder-Phase signifikant und für die Stammorder sogar dramatisch an. Diese Umstellung auf punktgenaue Befriedigung des Bedarfs sieht die Zentrale als eine nachhaltige Steigerung ihres Services gegenüber den Mitgliedern.

Diese hatten in der Vergangenheit teilweise Schwierigkeiten mit den Lots, da zum Beispiel in verschiedenen Regionen Deutschlands unterschiedliche Nachfrage an Konfektionsgrößen zu verzeichnen war. Der Legende nach hatte einst der frühere Vorstand Hans-Carl von Schönberg-Pötting die Lots forciert, da seinerzeit die „alte“ Logistik der Intersport aus allen Nähten zu platzen drohte. Diese Zeiten sind nun

offenbar vorbei und die Verbandszentrale intensiviert die individuelle Belieferung der Kunden in der Vor- und Nachorderphase.

Entsprechend stieg der Aufwand für die Kommissionierung der Ware im letzten Jahr um 156%. Dies wird durch zwei weitere Zahlen tendenziell bestätigt: Während die Summe der ausgesandten Pakete um 16% zunahm, hinkte der Zuwachs beim damit verbundenen Umsatz mit einem Plus von „nur“ 10% hinterher. Das heißt im Klartext: Weniger Umsatz pro ausgeliefertem Paket bedeutet mehr Individualität im Dienst am Kunden.

Keine effiziente Auslieferung ohne optimierte Bestellung

Natürlich bringt das bestmögliche Packen von Paketen in der Zentrale nicht viel, wenn die angeschlossenen Häuser im Voraus nicht effizient bestellen – und das geht am besten mit einem Orderportal, das modernsten Anforderungen genügt. Daher sah Intersport bereits im vergangenen Frühjahr ausreichend Veranlassung, eine neue Generation ihres Portals an den Start zu bringen, deren endgültige Tests erst in Kürze abgeschlossen sein sollen.

Ein zentrales Kriterium für das „Orderportal 2.0“, wie Intersport das nennt, war der Wunsch, dass insbesondere die Lieferanten das elektronische Medium noch besser nutzen und ihre Ware entsprechend implementieren. Zweitens ging es darum, den Nutzen des „Verbrauchers“ dieser Technologien, das heißt der Händler und Einkäufer in den Geschäften, weiter in den Mittelpunkt des Angebots zu rücken. Dazu gehören beispielsweise eine erhöhte Geschwindigkeit bei der Erfassung der zu bestellenden Ware und die Bedienerfreundlichkeit der Oberfläche. Schließlich war es drittens wichtig, den Funktionsumfang der Software auszubauen und das Portal offlinefähig zu gestalten, um den User vor technischen Ausfällen abzusichern.

Das Portal 2.0 wurde in eine lange Testphase von mehr als einem Jahr geschickt. Zunächst wurden im Frühling 2010 gerade mal zehn Händler als „Versuchskaninchen“ für den technologischen Fortschritt hergenommen, bis Jahresende waren es schon 170 Genossen, die parallel das alte System weiter nutzten. Das gleiche gilt inzwischen für alle 500 Kernteilnehmer der Initiative, die sich über die Ordermessen in diesem Frühjahr an der neuen Version versuchen, ohne das alte Bestellsystem beiseite zu legen. Bei der Intersport-Führung gibt es derzeit keinen Zweifel, dass die Testphase bis nach der März-Messe im Orderzentrum Redblue erfolgreich abgeschlossen wird. mh

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Autor: Markus Huber

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 01 / 2011