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Dickes Eis, fette Umsätze!

  • Ulrich Wittmann
  • Dienstag | 16. Februar 2010  |  10:19 Uhr
Von dem langen und kalten Winter profitiert nicht nur der Ski- und Snowboardbereich, auch die Schlittschuhhersteller bewegen sich in diesem Winter auf keinem dünnen Eis, was die Absatzzahlen betrifft. Dabei lassen sich die Produzenten der Ice-Skates Neues einfallen, um den Kunden zu gefallen.

Kaum sind Seen, Teiche und Fluss-läufe zugefroren, wagen sich die ers-ten Schlittschuhläufer auf das Eis. Je länger es kalt ist und die Bedingungen für die Eisflitzer optimal sind, um so mehr steigt die Nachfrage nach den Skates. Das kann Axel Bayer, Verkaufsleiter von Powerslide, bestätigen: „Wir konnten die schon sehr guten Zahlen aus dem letzten Winter sogar noch steigern“, freut sich der Vertriebschef aus Bindlach. Für diese Saison kalkuliert Bayer mit 70.000 Paar verkauften Schlittschuhen seiner Marke. Verhaltener Optimismus herrscht bei dem italienischen Produzenten Roces. Über den bisherigen Verlauf der Wintersaison resümiert dessen Marketingleiter Alberto Cellotto: „Die vorherige Saison war sicherlich besser, aber in diesem Jahr war der Rückgang nicht alarmierend, so dass wir im Großen und Ganzen zufrieden sind.“ Wie witterungsabhängig das Geschäft mit den Kufenschuhen ist, verdeutlicht Cellotto und kalkuliert mit mehreren Zehntausend Paar in diesem Winter „Die Wetterbedingungen einiger Länder sind noch relativ stark für steigende Verkaufszahlen verantwortlich. Das merkt man zum Beispiel in Holland, wo die wunderschönen Kanäle wieder zufrieren.“

Leer gefegte Lager

Weniger um die Wetterlage in den Niederlanden müssen sich Peter Drössler jr. und sein Team von Everest Sports aus Isny sorgen. Sie vertreiben Schlittschuhe von Axces und Botas. Seine Bilanz über den bisherigen Verkauf von Schlittschuhen fällt positiv aus: „Für die Wintersaison haben viele Sporthändler, verständlicherweise, eine geringe Vororder gemacht. Teilweise waren die Läger noch voll und teilweise war eine gewisse Vorsicht wegen der Wirtschaftskrise gegeben. Da der Winter dieses Jahr in ganz Deutschland Einzug gehalten hat, ist die Nachfrage umso größer. „Ja, wir sind mit der bisherigen Wintersaison sehr zufrieden.“ Über den Anblick von einem leer gekauften Lager kann sich Marc Meier freuen. Der Verkaufsleiter von Schanner Eishockeyartikel aus Füssen hat Schlittschuhe der Marke Bauer im Sortiment. Meier über die Skate-Verkäufe in diesem Winter: „Wir haben ein leeres Lager, sind selbstverständlich sehr zufrieden und freuen uns schon heute auf die kommende Wintersaison!“ Von Schlittschuhen der Marke Bauer, einem Hersteller aus Greenland (New Hampshire), setzt Schanner ungefähr 33.000 Paar in diesem Jahr ab.

Ebenfalls sehr zufrieden ist Evelyn Dornseif, Geschäftsführerin von Sport- und Spielartikelhersteller Hudora. Seit 1919 fertigt das Unternehmen aus Remscheid Schlittschuhe. Internationale Spitzenathleten wie Katharina Witt oder Norbert Schramm vertrauten auf Hudora-Skates. Für diese Saison plant die Marke mit etwa 140.000 verkauften Paar Schlittschuhen. Das entspricht in etwa über einem Fünftel der nach Deutschland importierten Schlittschuhe.

2008 wurden aus dem Ausland laut Statistischem Bundesamt 624.853 Paar der Kufenschuhe eingeführt. Die Volksrepublik China ist dabei der wichtigste Handelspartner. Vor zwei Jahren kamen über 487.000 Paar Schlittschuhe aus dem Reich der Mitte nach Deutschland, was ein Anteil an den Importen von über 77% entspricht. Die Skates aus China brachten es auf einen Warenwert bei der Einfuhr, nach einer Erhebung des statistischen Bundesamtes, von 6,54 Mio. EUR. Dabei spielt der Preis für die Kaufentscheidung bei vielen Kunden offensichtlich eine große Rolle.

Preisklasse wichtiger als High-Tech

„Die Konsumenten achten mehr auf den Preis. Gute Materialien werden vorausgesetzt“, so Dornseif. Weniger ein Thema für die Masse der Schlittschuhläufer sind High-Tech-Ma-terialien. Warum dies so ist, erklärt Bayer von Powerslide: „Da es bei Schlittschuhen für Freizeit-Läufer bestimmte Preisgrenzen gibt, ist hier der Einsatz von ganz hochwertigen Materialien nur bedingt anwendbar. Im Bereich der Profi-Skates ist der Einsatz von Carbonfasern heute schon Standard.“ Nach Drösslers Erfahrung geht der Trend bei den Schlittschuhen eindeutig zu den Semi-Soft-Modellen. Mit einer sportlichen Ausstattung und ansprechendem Design fragen die Kunden solche Schlittschuhe nach. Doch der Geschäftsführer von Everest Sports kennt noch weitere Kriterien der Kunden: „Ein bequemer Tragekomfort und ein guter Halt müssen gewährleistet sein. Verstellbare Kinderschlittschuhe (mitwachsend) sind seit Jahren, gerade zu Weihnachten, eine sichere Bank. Hier spielen die Optik und der Preis

eine entscheidende Rolle.“

Mehr Glamour auf dem Eis

Auf den modischen Aspekt setzt Cellotto von Roces: „Daher integrieren wir in unsere Skate-Kollektionen neue Trends und ungewöhnliche Materialien. Unsere Glamour-Kollektion war in Italien, aber auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz sehr erfolgreich.“ Die Oberflächen in Kroko-Optik, Zebra-gestreift, aus Damast und Tweed hätten „eingeschlagen“ und den richtigen Style für jeden Geschmack geboten. Gleichzeitig seien die Roces-Skates in technischer Hinsicht „State of the Art“. Angst vor billigen Schlittschuhen der Discounter habe unter den Markenherstellern niemand. Meier, Verkaufsleiter bei Schanner, bringt es stellvertretend für die Branche auf den Punkt: Am klassischen Eishockey-Skater komme heute keiner mehr vorbei. Grund hierfür seien sportliches Design, Stabilität und eine sehr gute Passform. All das, was die „Plastikbomber“ der Discountmärkte nicht bieten könnten.

Ulrich Wittmann

Autor: Ulrich Wittmann

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 03 / 2010