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Der Skiverleih professionalisiert sich weiter

  • Hildegard Suntinger
  • Freitag | 24. Februar 2012  |  12:11 Uhr
Wien. Im österreichischen Verleihmarkt verschärft sich die Wettbewerbssituation: Die Zahl biber hapı der Standorte steigt weiter, die Abläufe werden noch professioneller und schneller.

Das Verleihgeschäft ist eines der wenigen Privilegien der kleinen und mittelständischen Händler in Westösterreich. Intersport, Sport 2000 und zahlreiche unabhängige Händler – teilweise nur im Winter aktiv – teilen sich den Markt. Hier zählt die Gunst des Standorts: Glücklich, wer den Platz an einer Talstation hat. Hier, so Marktteilnehmer, bringt der Verleih mindestens den doppelten Umsatz. Und auch der Verkauf von Verlust- und Verschleißartikeln wie Handschuhen, Mützen und Skibrillen ist begünstigt. Michael Schineis, President of Wintersports Equipment Amer Sports, meint, dass 35% der Ski weltweit in den Verleih gehen. Markus Zaversnik, Country Manager der Groupe Rossignol Austria, schätzt den Verleihanteil in Österreich auf 50 bis 60%. Die Intensität des Trends zeigt das Wachstum von Sport 2000 Rent: Von 2000 bis 2009 kletterte die Zahl der Standorte von 70 auf 180. Aufgrund des strukturell bedingten Mitgliederschwunds hat sich die Zahl im Jahr 2011 bei 139 konsolidiert. Zum Vergleich: Mitbewerber Intersport zählt österreichweit 178 Rent-Standorte. Wie Sport 2000-Chef Holger Schwarting erklärt, sei das Rent-Segment in den vergangenen Jahren kontinuierlich zweistellig gewachsen. In der vergangenen Saison habe es erstmals einen leichten Rückgang gegeben, den man allerdings mit dem späten Ostertermin 2011 erkläre. In der laufenden Saison rechnet er wieder mit einem Plus.

Die besten Plätze sind besetzt

Als abschreckendes Beispiel gilt Sölden, wo acht Unternehmen 32 Verleih-Standorte führen. Dazu kommt eine Vielzahl an kleinen Shops, die ausschließlich vom Verleih im Winter leben. Die Situation ist aber nicht überall so angespannt wie in Sölden. Je geringer das Angebot im Vergleich zur Marktgröße, desto weniger ist Preispolitik ein Thema. Das Preis-/Leis-tungsverhältnis hat hingegen immer Relevanz. In diese Kerbe schlägt Hervis mit dem Slogan „Das richtige Equipment zum sensationellen Verleihpreis”. Hervis ist der einzige Filialist, der den Vorstoß in die renommierten Wintersport-Gebiete gewagt hat. Heute ist die Spar-Tochter an acht dieser Plätze präsent. Ende 2011 gingen neue Standorte in St. Anton am Arlberg (SFH Ausgabe 01/02/2012, S. 26) und in Hinterglemm (Salzburg) an den Start. Grundsätzlich sind die Händler nicht erfreut, wenn Hervis auftaucht, weil damit das städtische Saisongebahren einkehrt, das heißt Rotstifte werden gezückt, noch bevor der Winter richtig angefangen hat.

Permanente ­Prozessoptimierung

„Der Gast ist zunehmend informiert und achtet sowohl auf den Preis als auch auf die Leistung”, sagt ­Christoph Bründl, GF der Bründl Gruppe (Kaprun). Zu Bründl zählen 20 Shops in verschiedenen Regionen. Allein im Gebiet Zell/See betreibt die Gruppe ein Rent- und Service-Netzwerk von elf Stationen. Um „den Wintersport noch einfacher zu machen”, erklärt Bründl, arbeitet man permanent an der Prozessoptimierung. Bei ­System­anbieter Wintersteiger gilt Bründl als Pionier. Das vorläufige Ergebnis gemeinsamer Entwicklungen ist der beratende und ­vertragsab­schließende „Orderman“. Für Kunden bedeutet dies, nicht mindestens drei Stationen zu durchlaufen, sondern Auftrag, Schuhanprobe, Bindungseinstellung und Ski aus einer Hand zu bekommen. Noch schneller funktioniert nur noch der ebenso exklusiv entwickelte Self-Check-In für die Arrivierten unter den Skileihern.

Erwartungshaltung der ­Kunden schafft Kostendruck

Aber auch bei weniger ausgefeilten Konzepten sind digitalisierte Abläufe, angemessene Raumgröße, Topmaterial, qualifiziertes Personal und groß-

zügige Öffnungszeiten unverzichtbar. An den Talstationen bietet sich darüberhinaus noch das Top-Depotsystem an: Schränke zur Verwahrung von Ski, Skischuhen, Handschuhen und Helm, die via Zentralsteuerung auch noch die Trocknung und Desinfektion übernehmen. Die Erwartungshaltung der

Kunden schaffe allerdings auch einen gewissen Kostendruck im regionalen Verdrängungswettbewerb, gibt Martin Jennewein (Jennewein Pure Sports, St. Anton am Arlberg) zu bedenken. Sein Unternehmen führt vier Verleih-Shops in der Region und bewegt sich damit in einem Wettbewerbsfeld von 24 Flächen. Zudem verringert sich die durchschnittliche Mietdauer. Betrug diese in der Vergangenheit noch sechs bis sieben Tage, so sind es aktuell nur mehr vier Tage. Ein Trend, der zwar mehr Bewegung, aber nicht unbedingt höhere Umsätze verursacht.

Im Datensystem von Sport 2000 Rent sieht sich Jennewein gut aufgehoben. Das Online-Buchungssystem sei gut vernetzt, biete eine breite Basis und sei nicht nur im deutschsprachigen Raum präsent. „Die Daten gehen automatisch ins System ein, wodurch Fehlerquellen ausgeschlossen sind. Zusätzliche Beratung vor Ort ist lediglich bei besseren Skifahrern und Kindern notwendig. Problematisch ist allerdings die Schuhgröße. Nur etwa 70 bis 80% der Schuhe stimmen mit der Reservierung überein.“ Für Jennewein Anlass, einen Index anzuregen, in dem zur Länge auch die Breite des Fußes erfasst wird.

Software-Lösungen werden maßgeschneidert

Individuellere Schnittstellen werden in der Kombination von Systemen verschiedener Hersteller möglich. Horst Margreiter (Pure Mountain Shop in Kirchberg) ist an einer Vielzahl von Fragen interessiert und möchte z.B. wissen, aus welchem Hotel ein Gast kommt. Für eine individuelle Konfiguration kombiniert er die Software von Wintersteiger mit speziellen Lösungen von Digicom IT-Solutions und lässt das maßgeschneiderte System permanent optimieren.

Im Falle von Skischulen mit angeschlossenem Verleih hat sich Waldhart Software durchgesetzt. „Super Datenmaske für Einstellungswerte”, sagt Markus Überbacher, der seit sieben Jahren seine Skischule gekoppelt mit Verleih und Handel an den Imster Bergbahnen betreibt. Zudem schätzt er an dem System, dass vieles automatisch geht und die Segmente Schule/Lehrer/Verleih sowohl kombiniert als auch separat zu behandeln sind. Überbacher befindet sich in prominenter Gesellschaft, auch die Hall of the Emirates, die Skihalle in Dubai, setzt auf Software von Hannes Waldhart.

Luxus im Hotel

Mit dem Anspruch des Publikums klettert auch der Stellenwert von Qualität und Service. Ischgl zählt zu den teuers-ten Skigebieten Europas. Jens Liebhauser mietete sich dort vor acht Jahren mit seinem Skiverleih auf 120 qm im Parterre des Fünf-Sterne Hotels Elisabeth an der Pardatschgratbahn ein. Es folgten Verleih-Shops in den Vier-Sterne Hotels Madlein und Solaria. Geschäftsleiter Matthias Ant spricht von einer Win-win-Situation für beide Seiten: Das Hotel kann seinen Gästen den Service bieten und der Verleiher ist dem Kunden ganz nah. Im gehobenen Wohlfühl-Ambiente geht es den Hotelgästen weniger um schnelle Abläufe, als um persönliche Beratung mit Small Talk und familiäre Atmosphäre. Ein gutes Beratungsgespräch dauert 15 bis 20 Minuten. Wenn es schnell gehen soll, sei es allerdings auch in drei Minuten abgewickelt, so Ant.

Wer früh bucht, zahlt weniger

Im diametralen Gegensatz dazu steht das Konzept von www.mietski.com, ein Online-Verleih mit Ausgabestellen in Schlitters, Ötz und Galtür – Orte, die an den Anreisewegen zu stark frequentierten Tiroler Skigebieten liegen. Bei mietski.com sind Leihski schon ab 19 EUR pro Woche zu haben. Allgemein zahlt man dafür in der Region – je nach Kategorie – etwa 120 EUR. David Wolfart (Sprössling des Familienunternehmens Intersport-Wolfart in Galtür im Paznauntal), entwickelte mit seinem Geschäftspartner, dem IT-Spezialisten Marcus Scalek, eine eigene Skifinder-Software, die ein Top-Suchergebnis liefert. Für die Preisgestaltung hat sich Wolfart das Frühbucher-Prinzip der Billig-Fluglinien angeeignet: je früher die Buchung, desto niedriger der Preis.

Hildegard Suntinger

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Autor: Hildegard Suntinger

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 05 / 2012