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Auf Wachstum folgt Verdrängung

  • Hildegard Suntinger
  • Mittwoch | 23. Februar 2011  |  13:07 Uhr
Wien. Zur Wintersaison expandierten Rent-Händler der Intersport und Sport 2000 noch mal um 4200 qm Fläche (SFH Ausgabe 27/2010, S.10). Jetzt folgt die Ernüchterung. Das Rent-Business ist vorläufig ausgereizt: Leihski gibt es an jeder Ecke.

Das Rent-Business scheint an seine Grenzen zu kommen. Daran ändert auch dieser Superwinter nichts. „Aus einem Wachstumsmarkt ist ein Verdrängungsmarkt geworden“, stellt ­Christoph Bründl, Geschäftsführer von Intersport Bründl (Kaprun), knallhart fest. Sein Unternehmen betreibt 21 Standorte in sechs verschiedenen Wintersportorten. Den Grund für die Probleme im Verleihmarkt sieht Bründl im Ausbleiben vieler britischer Kunden und in der mangelnden Rent-Affinität der Osteuropäer, die Ski lieber kaufen statt leihen. Im Zillertal sorgen über Reiseveranstalter laufende Online-Rent-Buchungen zusätzlich für schrumpfende Margen.

Aber auch der Skiverkauf hat seine Tücken: Flexibilität, Fläche und Multikompetenz sind gefragt. Denn das aktuelle Wachstum verteilt sich auf Nischen wie Twin Tip, Langlauf und Tourenski. Der Markt wird zwar weiterhin von konventionellen Skitypen dominiert, schwächelt aber. Sport 2000 meldet ein Plus im Skisegment, Gigasport ein Minus. Allgemein rückläufig ist der Skiverkauf in Regionen fernab der Skigebiete. Aber auch in den Skigebieten ist von Stagnation und Rückgang die Rede. Problematisch seien Online-Preise, welche Kunden immer häufiger als Argument zum Feilschen nutzen. Mitunter seien Preisunterschiede von 200 EUR gegeben, erklärt Sepp Unterlercher (Sport 2000, Fügen). Leider starten die Großflächen auch oft den Abverkauf bevor die Shops in den Wintersport-Gebieten öffnen.

Freeski holen weiter auf

Bei Atomic Austria in Altenmarkt rechnet man trotzdem mit einem Plus von bis zu 10% bis Saisonende. Wie Wolfgang Mayrhofer erklärt, habe sich auch das Segment Freeski (Freeride und Freestyle) positiv entwickelt: „Obwohl das Marktvolumen noch immer beschränkt ist, zeigt sich doch eindeutig, dass innovative Modelle in modernem Design und mit etwas breiteren Schnitten, also Twin Tips bzw. Rocker, stärker zulegen als der Gesamtmarkt.“ Im Vorjahr wurden in Österreich insgesamt rund 320.000 Paar Ski verkauft.

Race-Modelle bleiben vorn

Im Handel ist der Rocker in Freeride-Variante heiß. Der Verkauf bleibt teilweise jedoch hinter den zu hohen Erwartungen zurück. Oft scheitern die Verkäufe am Preis bzw. dem Mangel an Einsatzgebieten – sprich freie Hänge. Nach wie vor dominieren im Verkauf die Race-Modelle. Anhaltend erfreulich ist der Trend zum guten Skischuh. Bei Sport 2000 zeigt der Skischuh nach Bekleidung die höchste Wachstumsrate.

Langlauf- und Tourenski ­spuren super

Euphorie auch in den Langlauf-Abteilungen: Alois Loidl, Geschäftsführer von Gigasport (Graz), spricht von Wochen in denen die Vorjahres-Umsätze Tag für Tag verdoppelt werden konnten. Auch die Intersport Österreich meldet im vierten Quartal 2010 eine Plus von 92% (nicht flächenbereinigt) bei LL-Ski. Schneeschuh-Wandern ist neben Touren- und Langlauf-Sport eine weitere trendige Verkaufskategorie geworden: Vorarlberger Händler berichten von sehr guten Abverkäufen. Franz Alton (Feldkirch) beobachtet jedoch, dass der Trend zum Schneeschuh oft zu Lasten der LL-Ski geht.

Der Tourenski-Verkauf lief – wie schon im Vorjahr – bereits zum Saisonstart an. Pro Set geben Kunden rund 500 bis 600 EUR aus. Das aktuelle Marktvolumen wird auf 35.000 Paar geschätzt. Das Wachstum liegt bei 25 bis 30% jährlich. Tourenski-Hersteller Franz Siegesleuthner (Hagan, Antiesen­hofen), der bislang primär Bergsport-Händler und große Multisport-Häuser zu seinen Abnehmern zählte, beobachtet, dass jetzt der kleine und mittelständische Sportfachhändler wieder zunehmend Gefallen am Tourenski-Sport findet.

Twin Tips auch bei Oldies ­gefragt

Twin Tips haben sich besonders in der jungen Szene durchgesetzt. Aber Franz und Thomas (jun.) Alton erhalten immer mehr positives Feedback von Erwachsenen, die auf die aufgebogenen Bretter umsteigen. Klaus Denkmayr, Importeur Armada, schätzt die Verkäufe in Österreich derzeit auf 20.000 Paar. Bisweilen fließen die Twin Tips noch primär in spezialisierten Handelskanälen ab, weiß Denkmayr, „die dem Kunden ein Einkaufserlebnis bieten wollen“. Das seien derzeit etwa ein Dutzend Geschäfte, darunter Sajas in Feldkirch, Blue Tomato in Schladming und Bründl in Kaprun. Twin Tip-Modelle dürfen im Jugendsegment rund 300 EUR (ohne Bindung) kosten. Bei Erwachsenen geht die Preisakzeptanz bis zu 500 EUR.

Snowboarder rocken auf Piste & Powder

Im Snowboard-Markt schafft die Rocker-Technologie weiter neue Kaufanreize: Hat sich bei Greenroom in Kitzbühel der leichter zu fahrende V-Rocker durchgesetzt, so war es im zweiten Greenroom-Shop in Mayrhofen der normale Rocker. Das Snowboard-Geschäft wird auf etwa 35.000 Bretter geschätzt. Die Snowboard-Industrie behält die reifere Zielgruppe gleichermaßen im Auge wie die Teens. Denn, während die Teens im Park freestylen, fahren die über 30-Jährigen auf Powder & Piste ab.

Wie Bernhard Pichler, Shopleiter ­Green­room Kitzbühel, erklärt, zeigt sich der Individualismus auch in der femininen Bekleidung: In Mayrhofen ist ­frea­kig weite Snowboard-Wear gefragt, in Kitzbühel eher schmale.

Minusgrade forcieren Ski- und Outdoor-Textilien

Bekleidung verkauft sich im österreichischen Sportfachhandel besser als Hartware und ist einem vergleichsweise geringeren Preisdruck ausgesetzt. In den Weihnachtsferien war der Absatz von Textilien und wärmenden Accessoires zusätzlich durch die Kälte begünstigt. Im Trend liegen Softshell und komfortable Modelle in Stretch allover oder mit ­Stretchein­sätzen. Die Markenfront hält sich ehern. An der Popularität von Kjus ist nicht zu rütteln. Anhaltend auch der Trend zu Modellen aus der Snow­board-Abteilung, wie etwa jene von Zimtstern.

Outdoor-Textil bleibt auch im Winter Erfolgsgarant: Gigasport-GF Alois Loidl spricht von einem „schönen Plus“. Shells (Jacken) werden sowohl für den Tourensport gekauft, als auch für ­Alltag und Freizeit. Beliebt sind Wolf­skin und Mammut. An der Farbfront ­haben sich frische und intensive ­Pastells in Türkis, Grün und Lila durch­gesetzt. Akzentuiert wird mit Weiß und Gelb.

Weiteres Wachstum ­vorprogrammiert

Österreichische Sportfachhändler sprechen unisono von einem sensationellen Dezember. Bis in wintersportferne Regionen ist von „tollen Umsätzen“ und „vernünftigen Deckungsbeiträgen“ zu hören. Wärmende Accessoires wie Handschuhe, Funktionswäsche, Mützen oder auch Rodel sowie Kinder- und Jugendartikel waren die Umsatzbringer. Bei Helmen ist vorerst eine Marktsättigung erreicht. Allerdings jedoch ist in

diesem Segment die Preisakzeptanz auf 200 bis 250 EUR gestiegen.

Bei den Mitgliedern der Sport 2000 betrug das Wachstum im Schnitt 8%. Intersport Österreich meldet im Zeitraum September bis Dezember 2010 ein flächenbereinigtes Plus von 7%. Kleiner Stimmungsdämpfer war der Wärmeeinbruch im Januar, dem zweitwichtigsten Monat im Jahr.

Weiteres Wachstum im österreichischen Sportartikel-Markt ist programmiert: Dafür sprechen auch die Marktdaten. Bis zum 3. Quartal letzten Jahres betrug das Wachstum nominal 3,9% und real 1,7%. 2009 setzte der österreichische Sportartikel-Handel (ohne branchenfremde Absatzkanäle) 1,35 Mrd. EUR um (Quelle: KMU-Forschung Austria). su

Autor: Hildegard Suntinger

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 05 / 2011