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Anwendungsprogramme kennen keine Grenzen

  • Ulrich Wittmann
  • Montag | 07. Februar 2011  |  11:07 Uhr
Smartphones und Tablet-Computer finden immer mehr Käufer. Dadurch steigt die Nachfrage für interessante Anwendungsprogramme, den so genannten Apps.

Viele Firmen aus der Sport- und Outdoor-Branche haben erkannt, welche Möglichkeiten diese neue Technik bietet. Mit eigenen Apps bieten sie den Benutzern originelle Anwendungsmöglichkeiten: Die elektronischen Helferlein ermöglichen das Training effektiver zu gestalten, zeigen Börsenkurse von Sportartikel-Herstellern und geben Auskünfte über die Lawinengefahr bei Skitouren.

Mit dem iPhone löste der amerikanische Konzern Apple eine Flut an Applikationen für Smartphones aus. Im Juli 2008 gab es lediglich 500 solcher Programme. Heute sind über 225.000 verfügbar und täglich kommen 500 neue Apps hinzu. Weltweit wurden laut Apple, schätzungsweise 100 Millionen iPhones und iPads verkauft. „Seit Start des App Store wurden mehr als fünf Milliarden Programme von iPhone, iPod touch und iPad Nutzern heruntergeladen“, erklärt Georg Albrecht, Pressesprecher von Apple Deutschland.

Ein Pionier in diesem Bereich ist Nike. Bereits 2008, als diese Technik noch in den Kinderschuhen steckte, hatte das Unternehmen ein solches Programm bereits gelauncht. Dazu Kai Landwehr, Sprecher von Nike Deutschland: „Der Zweck ist, dass wir unseren Konsumenten Werkzeuge an die Hand geben wollen, um ihr Training effektiver zu gestalten und somit leichter ihre persönliche Bestleistung zu erreichen. Dasselbe Motiv verfolgen wir mit jedem Produkt, das wir auf den Markt bringen. Wir sehen die Apps als zusätzlichen Kommunikationskanal, um mit unseren Konsumenten in Kontakt zu treten. Daher bieten wir sie auch kostenlos an.“ Seitdem hat sich der US-Konzern einiges einfallen lassen. So bietet Nike z. B. ein App in sechs Sprachen für Fußball-Freunde an, bei dem sie mit den Stars vom FC Barcelona virtuell

diverse Balltricks trainieren können.

Viele Marken setzen auf den Mehrwert

Ebenfalls mit eigenen Apps ist The North Face aktiv. Die neueste Errungenschaft ist das kostenlose Programm Trailhead. „Wir betrachten dies als einen Mehrwert, den wir liefern können, um die Verbraucher mit unserer Marke zu sensilibieren“, erklärt Michele Scarano, Senior Digital Manager bei The North Face. Ebenfalls gut genutzt wird das App Snow Report: Wintersportler können dank diesem Gratisprogramm ihre Aktivitäten effizienter planen.

Tiefschnee-Fanatiker freuen sich über den PowFinder von Salomon. Die neue iPhone App aktualisiert von über 100 Skiressorts in Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien die Schneevorhersagen. Freeski-Fans und Snow­boarder erfahren durch Berührung des Touchscreens sofort, wo sie die besten Spots finden. Eine interessante Zusatzfunktion ist der „Powderalert“: Das iPhone schlägt ab einer gewissen Menge Neuschnee Alarm. Für Pulverschnee-Anhänger ist das der Startschuss, schnell das Snowboard oder die Ski einzupacken und sich in Richtung Alpen aufzumachen. Salomon entwickelte die App in Zusammenarbeit mit dem holländischen Startup-Unternehmen wePowder. Seine Webseite dient als Plattform, auf der Freerider ihre Powder-Erfahrungen miteinander austauschen können.

Noch einen Schritt weiter ist man bei Puma. Das Sport- und Lifestyle-Unternehmen bietet nicht nur diverse Anwendungsprogramme an, sondern auch das passende Smartphone dazu. Aktuell arbeitet man in Herzogenaurach an einer App, die sich weltweit an junge Sneaker-Fans richtet. Auch die Entwicklung der Puma-Aktie kann in Echtzeit am Handy verfolgt werden.

Eine Premiere erlebten die Besucher der diesjährigen OutDoor. „Die Premiere des OutDoor Apps ist durchaus gelungen. Bereits 5 Prozent unserer OutDoor-Kunden, sprich Aussteller, Fachbesucher und Journalisten, haben das neue Tool in Anspruch genommen“, resümiert Pressesprecher Frank Gauß von der Messe {c|Friedrichshafen|728}. Über die Vorteile von solchen Programmen meint Gauß: “Die App-User haben alle Informationen, die sie für den Messebesuch benötigen auf ihrem Smartphone und brauchen keine weiteren Messekataloge oder Guides mit sich herumtragen. Der Nutzen erweitert sich dadurch, dass durch Merklisten-Funktionen mit Notizen und Bildern eine individuelle Messeplanung möglich ist.“ Für die Entwicklungsphase von diesem App benötigte die Messe Friedrichshafen lediglich drei Monate. Was die Zukunft der Messebranche und Apps angeht, gibt es am Bodensee klare Vorstellungen: „Wir gehen von einem rasanten Wachstum der Smartphone-Anwendungsprogramme aus und werden sicherlich auch in Zukunft messespezifische Apps anbieten“, betont Gauß.

Mammut-App mit 140.000 Downloads

Zufrieden mit der neuen Technik zeigt man sich ebenfalls bei Mammut: „Die Mammut Safety App kam dem Trend zur eigenen iPhone Applikation zuvor und ist sehr positiv von Kunden und Presse angenommen worden“, unterstreicht Michael Wehrmeyer, Web Content Manager bei Mammut. Mit dem Programm lässt sich die Lawinengefahr bei Skitouren besser einschätzen. Speziell bei den Tourengehern findet diese App Anklang: „Bis dato wurde die Safety App 140.000 mal heruntergeladen. Eine Zahl die uns stolz macht. Wir freuen uns auch auf das Feedback zur kürzlich lancierten Packing List App, in die erneut eine Menge Know-how und Entwicklungsarbeit eingeflossen ist. Die ersten Stimmen zur Packing List App sind sehr viel versprechend.“

Ein neuartiges und kostenloses App von {c|Ortovox|308} soll ebenfalls die ­Sicherheit bei Skitouren verbessern. Mit topografischen Karten, einer ­Touren-Datenbank und einem innovativen Tool zur Gefahrenbeurteilung wird das iPhone zu einem unverzichtbaren Ausrüstungsgegenstand. Die ­Basis der App bilden sämtliche Karten für die Regionen Deutschland, Österreich und Südtirol. Diese sind online im Maßstab 1:25.000 verfügbar. Dort gibt es weitere Informationen zu ­Almen, Hütten, Pisten, Liften und ­vieles mehr. Lawinengefahr wird rot schraffiert dargestellt. Die Karten ­sollen eine exakte Positionsbestimmung ermöglichen. Ein weiterer Mehrwert für alle die sich gerne abseits der Pisten bewegen: Die Ortovox App umfasst mehrere hundert Skitouren, Schneeschuh-Wanderungen und Freeride Abfahrten. Mit Hilfe des Tourenplaners auf www.ortovox.com können künftig eigene Touren geplant werden. An alle die kein iPhone besitzen hat Ortovox auch gedacht: Die Touren lassen sich samt Karte ausdrucken. Als Zusatz-Tools stehen Höhenmesser, Kompass und Hangneigungs-Messer zur Verfügung.

Den Umstand, dass jedes Smartphone eine integrierte Kamera besitzt, machte sich K-Swiss zunutze und realisierte ein Fish-Eye-App. Wer mit diesem Programm Fotos von seinem Mobiltelefon aus knipst, bekommt originelle Ergebnisse geliefert, da die abgelichteten Motive verzerrt erscheinen. „Das iPhone ist momentan das beliebteste Trend-Accessoire. Da K-Swiss immer am Puls der Zeit ist, war es für uns eine Selbstverständlichkeit eine App anzubieten. Durch diese können wir unsere „Fortschrittlichkeit“ unter Beweis stellen und die Marke und unseren kalifornischen Spirit weiter etablieren“, so Melanie Bruss, Marketing Managerin für Deutschland und Österreich. Das Feedback der Nutzer zeigt, dass sich die Entwicklung für K-Swiss gelohnt hat: „Die Rückmeldungen der Leute waren durchweg positiv. Die App bietet eine gelungene Unterhaltung mit hohem Spaßfaktor. Darüber hinaus können die Fotos interaktiv an Freunde, Bekannte etc. versendet werden. Wir wollen Kommunikation fördern“, sagt Bruss. Zielgruppe von K-Swiss sind kreative iPhone-Besitzer im Alter zwischen 14 und 30 Jahren.

Unabhängig vom Alter soll die erste iPhone App von Anon Optics für den nötigen Durchblick auf der Piste sorgen. Die kostenlose Anwendung, Live-View Lens Visualizer, ist eine Marktneuheit, mit der Snowboarder in Sekundenschnelle die optimale Scheibenfarbe für einen bestimmten Ort ­tes­ten können. Sobald der Nutzer diese App wählt, setzt das iPhone die Kameralinse als Sucher ein, um die jeweilige Umgebung zu erfassen. Richtet der User sein Mobiltelefon auf ein

gewünschtes Objekt, beispielsweise

eine Skihütte, kann er digital von der dunkelsten bis zur hellsten Brillenscheibe wechseln und dann entscheiden, welche die Idealste für die Piste ist. Wie viele Snowboarder diese App herunter laden und nutzen ist noch nicht ganz ausgewertet, da das sehr spezielle Tool erst im November an den Start ging.

Skifahren wird noch komfortabler und interaktiver – dafür sorgen Marker, Völkl und Navionics mit einer iPhone App. Damit können sich Wintersportler in Nordamerika und Europa vorab umfassend über ihr Ziel informieren und vor Ort problemlos orientieren: Seilbahnen, Lifte, Ticket-Verkaufsstellen, Hütten, Skischulen, Leihstationen – insgesamt sind über 22.000 skibezogene POIs (points-of-interest) permanent abruf- und lokalisierbar. Detaillierte Karten bilden mehr als 35.000 Pistenkilometer ab, wobei die Wunschansicht aus verschiedenen Overlays konfiguriert werden kann. Volle Funktionalität erhält die Ski-App in Verbindung mit der GPS-Option des iPhones: vom eigenen Standort in der Karte bis hin zur Aufzeichnung des Skitages. Wie bei der Blackbox eines Flugzeuges sind auf Wunsch Statistiken zu zurückgelegten Wegstrecken, dem Gefälle oder der Höchst- und Durchschnittsgeschwindigkeit abrufbar. Diese Daten lassen sich inklusive Fotos mit Geotag-Markierung im iPhone

ablegen oder mit wenigen Klicks per

E-Mail, Facebook oder Twitter mit Freunden teilen.

Einen unerwarteten Erfolg landete ­Globetrotter mit seiner App für Tablet-Computer. Ohne zuvor den digitalen Katalog beworben zu haben, landete die iPad-Application des {g|Hamburg|87}er Unternehmens unter den Top 20. Mit dem digitalen Handbuch 2010 läutete Globetrotter ein neues Zeitalter ein.

Mitbewerber Sport Scheck ermöglicht mit seiner neuen iPad App, dass durch den Katalog geblättert und an-schließend bestellt werden kann. Doch damit gibt sich der Filialist nicht zufrieden und bietet den SportScheck Outfitter – eine iPhone App – an: Dem Nutzer fällt unterwegs ein Outfit auf, er macht ein Foto davon und mit Hilfe intelligenter Bilderkennung findet er sein persönliches Wunsch-Outfit bei Sport Scheck. „Wir wollen die Nummer 1 im mobilen Sportmarkt sein. Dazu gehört unser breites Sortiment genauso wie der innovative Service“,

betont Stefan Herzog, Sport Scheck Geschäftsführer und Sprecher der Geschäftsführung. Eine weitere {c|Innovation|1683} des Unternehmens ist die Anbindung der neuen Applikationen an Social Media. So können gekaufte Artikel bei Facebook Freunden vorgestellt werden. Welche digitalen Neuerungen in diesem Jahr auf den Markt kommen ist offen. Sicher ist aber bereits jetzt, dass sich weitere Firmen aus der Sport- und Outdoor-Branche in diesem Bereich noch intensiver engagieren werden.

Ulrich Wittmann

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Autor: Ulrich Wittmann

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 04 / 2011