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Zwei Brüder machen das Geschäft ihres Lebens

  • Ulrich Wittmann
  • Samstag | 09. Juli 2011  |  10:17 Uhr
Wittenberg. Staunend stehen die Kunden vor der Eingangstüre von Intersport ­Klöpping in ­Wittenberg. Sie sind nicht die einzigen, denen es so geht. Ihnen eröffnet sich ein Sport- und Fahrrad-Geschäft, wie sie es bisher noch nicht sahen.

Modernes und funktionales ­Design laden die Kunden ein, hereinzukommen. Attraktive Präsentationsflächen und fünf frei tragende Brücken, geben dem Gebäude ein besonderes Ambiente. Auf einer Empore befindet sich die Elb-­Lodge. Hier können die Kunden ihren Kaffee trinken, während der Fluss zum Greifen nah vor der großen Glasfront des Sporthauses vorbeizieht. Nur die wenigsten wissen, wie marode dieses ­Gebäude ausgesehen hat, bevor Heiko Klöpping und sein Zwillingsbruder Karsten es zu ­einem Sporthaus der besonderen Klasse umgestalteten. Was die beiden Unternehmer hier leisteten, ist ein Sinnbild für ihre eigene Arbeit: Nach der Wiedervereinigung starteten beide mit einfachsten Mitteln und konnten sich nun 22 Jahre später mit einem Sporthaus einen Traum erfüllen, das ­Kunden aus bis zu 70 Kilometern Entfernung anzieht. Deshalb ist das neue Sporthaus in der Lutherstadt mehr als nur ein außergewöhnliches Laden- und Geschäftskonzept. Es ist auch eine deutsche ­Erfolgsgeschichte von zwei Brüdern, die ihren eigenen Weg gegangen sind.

sportFACHHANDEL: Ende Mai eröffneten Sie in Wittenberg ein 3000 qm großes Sport- und Radgeschäft mit einem außergewöhnlichen ­Innen­design. Wie kam es dazu? Heiko Klöpping: In der DDR spielten mein Zwillingsbruder und ich leidenschaftlich gerne Fußball. Nach der Wiedervereinigung begannen wir 1990 mit einem Fahrrad-Handel. Bei unseren Eltern in Annaburg befand sich im Wohnhaus ein ­Fri­seursalon. Der wurde nicht mehr vermietet und so zogen wir beide als Jungunternehmer ein. Wie es damals üblich war, präsentierten wir unsere Ware auch im Garten vor dem Haus. Wir beide hatten eine große Freude daran, unser eigenes Geschäft zu gründen und dieser Spaß an der Arbeit ist uns bis heute erhalten geblieben. Bald fragte unser heimatlicher Fußballverein an, ob wir nicht von Puma Trikots organisieren könnten. Wir fuhren zur ­Ispo und erweiterten unser ­Sortiment an Marken.

Wie entwickelte sich ihr Sportgeschäft weiter? 1992 zogen wir nach Jessen und errichteten einen 300 qm großen Neubau. Bald war auch hier der Platz zu klein und 1994 erweiterten wir auf 500 qm.

Warum entschieden Sie sich jetzt für den Standort Wittenberg? Wittenberg ist in unserer Region die größte Stadt und nur 25 Kilometer von unserem Hauptquartier in Jessen entfernt. Für uns bestand schon immer Interesse an diesem Standort und regelmäßig holten wir Immobilienangebote ein. Leider war nichts dabei, was uns zusagte oder es gab andere Hinderungsgründe. 2009 erarbeiteten wir eine strategische Bilanz für eine Filiale in Wittenberg. Das Modehaus Garhammer aus Waldkirchen bei Passau war für uns ein gutes Beispiel, wie sich im ländlichen Raum ein modernes Geschäft etablieren kann.

Wieso erweiterten Sie nicht ihr Stammhaus in Jessen? Diese Möglichkeit hatten mein Bruder und ich auch in Betracht gezogen. Aber leider standen ­baurecht­liche Belange dagegen. So intensivierten wir unsere Suche nach einem geeigneten Standort in Wittenberg.

Welche Ziele hatten Sie sich gesetzt? Wir haben uns hingesetzt und aufgeschrieben, welche Voraussetzungen die neue Filiale unbedingt

haben muss. Ganz oben auf unserer Agenda stand die unmittelbare Nähe zu einer Bundesstraße und ausreichenden Parkraum für die Kunden. Ein weiteres Kriterium war die Nähe zum Elb-Radweg, um die vorbeikommenden Fahrrad-Fahrer als potenzielle Kunden zu gewinnen.

Wie ging es weiter? Mit der Stadtentwicklungs-Abteilung von Wittenberg nahmen wir Kontakt auf und erhielten von der Behörde kompetente Unterstützung. Aus einer Sonderverkaufs-Aktion, die wir 2006 durchführten, kannten wir das Gebäude, welches direkt an der Elbe und dem Radweg liegt. Zu DDR-Zeiten fand darin eine Möbelproduktion statt. Später nutzte man die Räume als Lager- und Markthalle. Ein Hausmeister zeigte uns kurz das leere Gebäude von innen. Mein Bruder und ich hatten anschließend sehr viel Respekt davor: 3000 qm sind schon ein Klasse für sich. Bald musste der Eigentümer dieser Immobilie Konkurs anmelden. Nun war für uns der Zeitpunkt gekommen, das Gebäude zu erwerben.

Was waren die Gründe, die neue ­Filiale mit einem derart modernen Design zu versehen? Ein paar Wände einziehen, Regale aufstellen und ­diese mit Waren auffüllen, hätte es doch auch getan. Da haben Sie sicher Recht und es wäre sicher eine billige Lösung gewesen. Doch einfach nur eine Halle mit frischer Farbe und neuer Ladenausstattung zu einem Sportgeschäft umzufunktionieren, hätte gegen unseren Leitfaden verstoßen ...

...der da lautet? Wir entwickeln alles aus eigenen Innovationen. Außerdem versuchen wir, intuitiv alles so zu gestalten, dass sich die Kunden sofort wohl fühlen, wenn sie durch die Türe in unser Geschäft kommen. So haben wir auch unseren Standort in Jessen mit 1300 qm Ladenfläche entwickelt. Immer wieder bekommen wir Lob von unseren Kunden, wie sehr ihnen die Einrichtung und Gliederung des dreistöckigen Ladens gefällt. Aus diesem Grund war für die neue Filiale in Wittenberg der Ladenbau von Anfang an ein wichtiges Thema. Den Spardruck hielten wir aus diesem Thema konsequent heraus. Täglich zeigen und sagen uns die Kunden, was sie neben Topware und einer kompetenten Beratung von uns als Fachhändler erwarten: Einen modernen und funktionalen Ladenbau.

Welche Akzente setzten Sie in ihrem Hauptgeschäft in Jessen bei der ­Inneneinrichtung? Dort haben wir zum Beispiel einen richtigen Felsen einbauen lassen. Aus ökonomischer Sicht gehen dadurch 15 laufende Meter an der Wand verloren. Diese könnten mit Werbematerial oder Ware ausgestattet werden. Doch unser Ansatz ist es, potenziellen Kunden ein passendes Feeling zu geben. Wir wollen für sie die Berge in das Tal holen. Outdoor muss im Laden sichtbar und fühlbar sein.

Wie fanden Sie den richtigen Ladenbauer, der Ihre Vorstellungen realisieren konnte? Durch großen Zufall! Ein ehemaliger Mitarbeiter von uns zog nach Konstanz. Wir besuchten ihn und sahen zufällig im dortigen Sporthaus Gruner vorbei. Sofort waren wir von der modernen Inneneinrichtung

begeistert und beeindruckt. Für uns war dies der Tag der Entscheidung.

Was halten die Kunden von Ihrem Geschäft? Bei der Eröffnung stellte ich mich für zehn Minuten ein wenig abseits von der Kasse und beobachtete die Leute, die zur Tür hereinkamen. Überall die gleichen Reaktionen: Kaum hatten sie den Laden betreten fiel ihnen vor Staunen das Kinn nach unten und sie machten große Augen. Für mich war es unglaublich zu beobachten, welche emotionalen Reaktionen das Innere unserer ­Filiale auslöste.

Sie haben also Ihr Ziel bei den ­Konsumenten erreicht? Ja. In unserer Region müssen wir alles geben, damit die Kunden zu uns kommen. Es hat sich herumgesprochen, was für ein besonderes Sporthaus wir in Wittenberg betreiben und deshalb kommen auch etliche Kunden aus 50 bis 70 Kilometer Entfernung zum Einkaufen zu uns. Wir können mit unserem modernen Sportgeschäft die Menschen dazu motivieren, längere Fahrtwege auf sich zu nehmen.

Welcher Teil des Ladens kommt ­besonders gut an? Auf einer Empore mit 400 qm haben wir den Outdoor-Bereich untergebracht. Er schwebt sozusagen über den Dingen. Dazu verläuft die Elbe nur 20 Meter entfernt und ist von dort aus durch die Glasfront wie zum Greifen nah beim Kunden. In der Elb-Lounge können die Kunden einen Kaffee trinken und die Aussicht auf die Elbe genießen. Dazu betreut eine Mitarbeiterin professionell das Café in unserer Filiale.

Welche Auswirkung zeigt die ­mo­derne Ladeneinrichtung auf den ­Outdoor-Verkauf? Eine sehr große, denn wir haben uns in diesem Segment auf Urlauber spezialisiert, die sich für die Reise mit hochwertiger Ausrüstung eindecken. Wir wollen sie schon im Laden auf den Urlaub einstimmen und das weckt positive Erwartungen. Im Outdoor-Bereich kommt noch ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu: Outdoor und Lifestyle

überlagern sich immer mehr. Ein Funktionshemd ist ursprünglich für Trekking ausgelegt. Doch zu einer Jeans lässt es sich auch im Alltag tragen, ohne dass es jemanden negativ auffällt. Im Gegenteil: Dadurch zeigen die Kunden, was ihr Lifestyle ist: ­Out­door.

Sie gehören dem Intersport Einkaufsverband an. Ließen sich Ihre Vorstellungen mit denen der ­Genossenschaft in Einklang bringen?

Wir haben die CI-Norm der Intersport eingehalten. Schließlich sind wir stolz und glücklich zu dieser ­Genossenschaft zu gehören. Es

gelang uns optimal den modernen Ladenbau mit den Vorgaben der Intersport zur Zufriedenheit von allen Beteiligten in Einklang zu bringen.

Das Interview führte Ulrich Wittmann.

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Autor: Ulrich Wittmann

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 14 / 2011