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„Wir können auf dem Weltmarkt bestehen“

  • Reinhard Schymura
  • Montag | 07. Februar 2011  |  10:41 Uhr
Xiamen. Im Headquarter von Erke im Südosten Chinas schmiedet Managing Director Jeffrey Li internationale Expansionspläne.

Der 37-Jährige sieht zwar weiter im heimischen Markt „das größte Wachstumspotenzial in der Welt“, weiß aber auch, dass

er künftig „mit anderen Marken auf dem internationalen Parkett konkurrieren“ muss. Die Marke mit dem fliegenden Schwan hat sich dazu im Bereich technologische Forschung und Entwicklung auf den neusten Stand gebracht, auch in puncto ökologischer Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung. Li erklärte sportFACHHANDEL außerdem die Wirkungen der globalen Krise auf Lieferungen und Lohnentwicklung im eigenen Land.

sportFACHHANDEL: Vor zehn Jahren entschied der Hongxing Erke Konzern eine eigene Marke auf den Markt zu bringen, anstatt weiterhin als Produzent für OEM zu fungieren. Wie hat sich das Geschäft in China entwickelt?

Jeffrey Li: Einen Irrtum muss ich hier gleich korrigieren: Das Unternehmen Hongxing Erke wurde erst vor zehn Jahren gegründet und seitdem gibt es unser eigenes Label Erke. Allerdings hat der Gründer von Hongxing Erke einige Erfahrung mit der Produktion im OEM Bereich, das war aber noch bei einem anderen Unternehmen.

Der Aufbau des Labels Erke war uns von Anfang an sehr wichtig. Wir verpflichteten Popstars und Schauspieler als Botschafter unserer Marke und waren damit sehr erfolgreich. Desweiteren haben wir umfangreiche Investitionen im Bereich „Technologische Forschung und Entwicklung“ getätigt; und kreierten eine Sportbekleidungs-und Sportschuh-Kollektion auf höchstem technischem Stand. In den letzten Jahren haben wir verstärkt den Tennissport unterstützt. Wir sind inzwischen der offizielle Sponsor der Shanghai ATP Masters, des Madrid Tennis Open, Salzburg ATP Open, German Tennis Open, {g|Stuttgart|107} ATP Open, etc. Außerdem sponsern wir 13 Tennis-profis unter anderem Tommy Robredo, Yanina Wickmayer, Philip Petzscher und Mischa Zverev. Im Bereich Vertrieb, haben wir uns darauf konzentriert das „Erke Mono Brand“-Vertriebssystem in China einzuführen. Die Anzahl der „Erke Mono-Brand“-Shops ist dank unseres erfolgreichen Marketingkonzepts schnell gestiegen. In den nächsten Jahren stehen der Erke-Gruppe größere Entwicklungen bevor, auf die wir uns gerade vorbereiten. Ziel ist es, eine der bedeutendsten Bekleidungsmarken der Welt zu werden.

Wie hoch ist der Gesamtumsatz des Labels und wie viele Läden haben Sie augenblicklich auf dem heimischen Markt? Wie viele Shops betreibt Erke selbst? Wie groß ist ihre Verkaufsfläche in den Shopping-Zentren? Im Jahr 2009 betrug unser Umsatz ca. 220 Millionen Euro. Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2010 werden bald erscheinen. Ende September 2010 verzeichneten wir 4761 Verkaufsstandorte, deren Verkaufsfläche insgesamt 406.251 qm beträgt. Im letzten Quartal des Jahres 2010 haben wir weitere Geschäfte eröffnet. Bis Jahresende werden wir wohl bei über 5000 „Mono-Brand“-Shops liegen. Die meisten dieser Shops werden von unseren Vertriebspartnern und Franchise-Nehmern betrieben. Es gibt eigeständige „Mono-Brand“-Shops in den Straßen und Shops, die in Einkaufszentren integriert sind usw. Für Erke Verkaufspunkte nach dem „Shop-in-Shop“-Konzept haben wir keine genauen Zahlen.

Seit fünf Jahren notiert das Unternehmen an der Börse in Singapur und es folgten die ersten Schritte in Richtung Internationalisierung. Was waren die Gründe? Stößt man im Reich der Mitte an Wachstumsgrenzen? Denn im Tennis gilt Erke schon als Nummer Eins in China. Nein, wir sind in China noch nicht an der Obergrenze angekommen. Es ist immer noch der Markt mit dem größten Wachstumspotenzial in der Welt. Wir unternehmen die ersten Schritte in Richtung Globalisierung nur aufgrund der Perspektiven für die Zukunft. Wir sind zwar im Augenblick Marktführer, aber der chinesische Markt ist langsam gesättigt; eines Tages werden wir mit anderen Marken auf dem internationalen Parkett konkurrieren müssen. Wir sind der Ansicht, dass wir auf dem Weltmarkt bestehen können, dank der einzigartigen Wettbewerbs-Vorteile, die die Organisation unserer Produktion und Vertriebskanäle mit sich bringt.

Hat Ihre Expansion auch etwas damit zu tun, dass immer mehr europäische und amerikanische Markenshops in China eröffnen? Sollen vielleicht im Ausland Marktanteile zurückerobert werden, die durch Adidas, Nike, Reebok, Fila & Co verloren gehen? Unsere Strategie für den internationalen Markt basiert nur auf unserer eigenen Unternehmensstrategie und unseren Prognosen für die Zukunft. Das hat mit den anderen Brands, die in den chinesischen Markt eintreten, nichts zu tun. Jedoch hat deren Verhalten unsere geschäftliche Vorgehensweise positiv bestätigt. Wir betrachten das als eine Möglichkeit, uns auf internationaler Ebene zu entwickeln.

Erke verkauft vor allem Schuhe, Bekleidung und Accessoires im Bereich Tennis, Training und Running. Neben der Spezialisierung auf Sommersportarten, welche Rolle spielt bei Ihnen das Winter- bzw. Outdoor-Segment? Werden diese Bereiche künftig an Bedeutung gewinnen? Es ist richtig, dass Erke sich im Augenblick mehr auf die Segmente Tennis, Training und Laufen konzentriert, denn auch das ist Teil unserer Strategie, eine internationale Marke zu sein. Wir haben zwar die Möglichkeit weitere Warengruppen zu entwickeln, aber das ist ein schwieriges Unterfangen, besonders am Anfang. Für die Marke Erke ist es anfangs besser, auf wenige Sektoren spezialisiert zu sein. Wenn das Geschäft läuft wie geplant, ziehen wir auch in Betracht, uns zu diversifizieren.

Welche Zielgruppen und Preislagen hat Erke im Visier? Letztes Jahr wurde die Lifestyle-Marke Play gegründet. Soll auch dieses Label internationalisiert werden? Mehr Performance oder mehr Mode, was ist künftig wichtiger? Sind im Ausland auch eigene Shops geplant? Wo Erke auf dem Markt positioniert ist, ist klar. Wir möchten eine Größe auf dem Gebiet der „Money“-Sportarten sein und bekannt sein für ein gutes Preis-/Leistungs-Verhältnis. Unsere Produkte spiegeln dieses Konzept wieder. Unsere Zielgruppe sind normale Verbraucher, die sich an Sport erfreuen und zwischen 18 und 35 Jahre alt sind.

Unsere Marke „Play“ ist brandneu und ganz anders: Ein Mode-Label, das für eine jüngere Zielgruppe gemacht ist. Bisher haben wir in China 200 Erke „Play“ Mono-Brand-Shops eröffnet. Das Feedback auf dem einheimischen Markt war zufriedenstellend und wir werden „Play“ auch auf dem internationalen Markt testen.

Im Frühjahr 2008 sind Ihre Produkte in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg auf den Markt gekommen; im Jahr darauf in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Welche Strategien verfolgen Sie in Europa? Wie Sie anfangs sagten, sind Sie ein Sponsor vieler Tennisturniere und auch des Deutschen Tennis Bundes. Ist Tennis Ihr Türöffner für Europa? Wir haben uns für Tennis entschieden, weil dieser Sport uns das Markenimage bietet, das wir aufbauen möchten: Jung, sommerlich und trendy. Neben den Veranstaltungen, die ich bereits erwähnt habe, suchen wir auch noch nach weiteren jungen Tennisspielern mit großem Potenzial, die wir sponsern können. Obwohl in Europa nur wenige Leute selbst aktiv Tennis spielen, ist das Interesse am Tennissport relativ hoch. Zurzeit sind die vorderen Plätze der Rangliste bei den ATP- und WTA-Turnieren von europäischen Spielern und Spielerinnen belegt. Wir glauben, Tennis ist eine gute Art, um die europäischen Verbraucher zu erreichen.

Welche Ziele verfolgen Sie speziell in Deutschland, Österreich und der Schweiz? Auf welche Produktgruppen werden Sie sich hauptsächlich konzentrieren? Welche Marketing-instrumente werden Sie einsetzen, um Ihre Kunden zu unterstützen? In Deutschland, Österreich und der Schweiz beinhaltet unsere Produktpallette die Bereiche Tennis, Fitness und Running. Es ist noch zu früh, um etwas über unsere Ziele für diese Märkte sagen zu können, aber wir erwarten, dass unser erster Schritt erfolgreich sein wird und dann werden weitere folgen. Wir haben eine Marketingstrategie, wie wir die Kunden auf den lokalen Märkten erreichen können. Wir nutzen beispielsweise Sponsoring, Werbung und Public Relations. Unsere Strategie für Vertrieb und Vermarktung werden wir in enger Zusammenarbeit mit unseren Vertriebs-partnern in diesen Ländern planen und diskutieren. Wir hoffen, dass diese Marketingaktivitäten uns erfreuliche Resultate liefern werden.

Im Moment sind natürliche Fasern wie z.B. Baumwolle und Merinowolle gefragt und ihre Bedeutung wächst. Wie viel Wert legen Sie auf diese Materialien? Wie wichtig sind funktionelle Produkte für Erke? Baumwolle und andere Naturmaterialien sind sehr wichtig für uns und wir verwenden sie oft bei unseren Produkten. Bei allen drei Segmenten – Running, Fitness, Tennis – findet man viele

Artikel, die mit Naturfasern hergestellt wurden. Bei technischen Produkten, wie zum Beispiel bei Turnierbekleidung, sind synthetische Materialien gebräuchlicher. Das liegt an der überragenden Leistungsfähigkeit dieser speziellen Materialien. Funktionelle Produkte sind auch von Bedeutung für uns, solange sie dem Bedürfnis der Kunden dienen, ihre sportliche Leistung zu verbessern. Die Umsätze der natürlichen Materialien sind gestiegen, d.h. ihr Anteil am Gesamtabsatz wächst.

Viele chinesische Hersteller reagierten auf die globale Krise mit dem Herunterschrauben ihrer Produktion. Als dann die Nachfrage wieder stieg, hatten viele Produzenten Lieferschwierigkeiten. Wie erging es Erke? Gab es Lieferengpässe? In welchen Märkten? Natürlich hat die weltweite Krise China auch betroffen, jedoch war die Nachfrage auf dem chinesischen Markt, verglichen mit Europa, erfreulicherweise stabil. In den Jahren 2008 und 2009 sind unsere Lieferungen innerhalb Chinas und in andere internationale Märkte ziemlich gut gelaufen, dank der Tatsache, dass wir über eigene Produktionsstätten verfügen. Auf dem europäischen Markt kam es jedoch zu einigen Lieferverzögerungen, die vor allem daran lagen, dass in Europa nach ganz anderen Lieferabläufen gearbeitet wird als in China.

Zum Stichwort Nachhaltigkeit: Wie umweltbewusst ist das Unternehmen Erke? Welche Standards erfüllen Sie? Als erstes Unternehmen der Sportbranche haben wir das Ökosiegel (ECO LABELLING) der chinesischen Regierung erhalten und wir verwenden einen Kleber auf Wasserbasis in der Schuhproduktion. Außerdem haben wir das „Quality Management System“ eingeführt und unsere Fabriken erfüllen die ISO 9001/ISO 14001 Standards. Wie viele Mitarbeiter beschäftigt Erke und welche Maßnahmen haben Sie bezüglich der sozialen Verantwortung ergriffen. Wie viel verdient ein Fabrikarbeiter durchschnittlich und wie haben sich in jüngster Zeit die Löhne bei Erke entwickelt? Sie müssen sich dessen bewusst sein, dass in China seit Beginn 2010 ein Mangel an Arbeitskräften herrscht. Da die globale Krise dazu geführt hat, dass viele kleine Produzenten aus dem Geschäft gedrängt wurden, haben viele Arbeiter entschieden, lieber in der Landwirtschaft zu arbeiten, als in einer Fabrik. So ist der Arbeitskräfte-Mangel entstanden. Daher ist es für uns von essentieller Bedeutung, unsere Arbeiter nicht zu verlieren; nur so können wir die Produktion in unseren 29 Fertigungsstraßen für Schuhe am Laufen halten. Das ist nicht möglich, wenn wir unseren Angestellten keine guten Arbeitsbedingungen bieten können. Bei uns ist es tatsächlich so, dass unsere Produktionskapazität ständig steigt, ebenso wie die Anzahl der Mitarbeiter. Bisher sind in unseren drei Produktionsstätten über 10.000 Mitarbeiter beschäftigt. Unser Geheimnis um sie zu halten ist, dass wir ihnen bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen bieten, als die Konkurrenz. Wir stellen z.B. all unseren Arbeitern Appartements zur Verfügung, die voll ausgestattet sind mit fließend Wasser, Strom, Dusche und sogar Klimaanlage. Außerdem bieten wir freie Mahlzeiten und firmeneigene Sport- und Freizeitanlagen. Wir besitzen eine eigene Klink und Bücherei; und es gibt sogar einen psychologischen Berater, der bei der Stressbewältigung hilft. Jeden Monat arrangieren wir eine Geburtstagsparty für diejenigen, die im Laufe des Monats ihren Geburtstag hatten. Desweitern organisieren wir umfassende Outdoor-Aktivitäten und Trainingsprogramme, die bei der Karriereplanung helfen. Außerdem halten wir uns strikt an die Vorgaben der Regierung, in Bezug auf Kinderarbeit und Arbeitszeiten.

Was die Bedingungen am Arbeitsplatz angeht, haben wir die höchsten Standards, die dazu dienen die Effektivität der Produktion zu erhöhen und die Sicherheit unserer Arbeiter zu gewährleisten. Auch sind all unsere Fabriken klimatisiert. Im Sommer geben wir einen speziellen Bonus und servieren ständig gratis Kräutertee, der hilft, mit der Hitze fertig zu werden. Wir sorgen dafür, dass unsere Fabrikarbeiter unter guten Bedingungen arbeiten; ihre Löhne liegen über dem Durchschnitt. Seit Anfang 2010 sind die Löhne bei uns um 15 – 20% gestiegen und auch 2011 werden die Löhne voraussichtlich weiter erhöht werden.

Das Interview führte Reinhard Schymura.

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Autor: Reinhard Schymura

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 04 / 2011