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Schwarze Sohle. Gelbes Logo. Grüne Ansätze.

  • Markus Huber
  • Donnerstag | 11. Juli 2013  |  00:28 Uhr
Giftiger als Gummi geht doch eigentlich nicht. Oder? Wir haben aus diesem Grund Vibram besucht, denn der italienische Sohlen-Spezialist steht mit seinem Anspruch als das Maß aller Dinge da, was die Qualität und die Marken-Wahrnehmung in diesem Produkt-Bereich anbelangt.
Jérôme Bernard, Vibram
Jérôme Bernard, Vibram

Doch wie stellt sich ein Produzent von rein chemischen Produkten zum Thema Umwelt-Verträglichkeit? Im Interview stellt sich Jérôme Bernard, Marketing-Direktor und seit 1996 im Unternehmen, kritischen Fragen. Sein Ansatz ist einfach: Grün ist gut, realistisch ist besser – und die Händler können profitieren.

sportFACHHANDEL: Herr Bernard, wie positioniert sich ein Verarbeiter von chemischen und nicht immer umweltfreundlichen Produkten wie Vibram in der generellen Debatte zum Thema Nachhaltigkeit?

Jérôme Bernard: Vielleicht wird Sie es überraschen, aber wir haben schon vor fast 20 Jahren – 1994, um genauer zu sein – begonnen, Produkte zu vermarkten, die umweltfreundlicher sind als herkömmliche Gummi-Mischungen. Wir nennen dieses Konzept EcoStep, bei dem zumindest ein Teil unserer Produkte aus nachhaltiger Herstellung stammen.

Und wie ließ sich dieser Vorstoß an? Um ganz ehrlich zu sein: Am Anfang hat sich dafür keiner interessiert. Ein solches Konzept war wohl zu früh für jene Zeit. Erst vor etwa zehn Jahren begannen wenige unserer Kunden, sich mit dem Angebot umweltfreundlicherer Sohlen zu befassen. Die Nachfrage kam zunächst aus den Vereinigten Staaten und nicht aus Europa. Zu den ersten EcoStep-Kunden zählten Timberland, Burton und Patagonia. In der Zwischenzeit haben wir deutlich mehr Begeisterung für diese Idee hervorrufen können – auch in Europa. Zu den neuesten Abnehmern von EcoStep gehören zum Beispiel Merrell, aber auch

Saucony. Es ist gut zu wissen, dass sich nicht nur Outdoor-Marken von der Thematik inspirieren lassen,

sondern auch beispielsweise

Anbieter von Running-Schuhen wie eben Saucony.

Worauf beruht denn im technischen Sinne das EcoStep-Konzept? Die Verfahrensweise geht dahin, dass in etwa 10% der Gummi-Mischungen aus recycelten Materialien bestehen.

Finden Sie das viel? Für uns klingt das nach Green Washing … Vibram ist kein „grünes“ Unternehmen, und wir können das auch nicht wirklich sein. Das liegt in der Natur unseres Angebots. Wir wollten hier auch nie stark in die Kommunikation gehen. Uns ist wichtiger, dass wir glaubwürdig sind. Und unsere Glaubwürdigkeit kommt aus der Qualität der Produkte. Das hat aber in der Tat auch etwas mit Nachhaltigkeit zu tun.

Wie meinen Sie das? Glaubwürdig heißt doch nicht automatisch nachhaltig, oder?! Wir glauben an die Langlebigkeit unserer Produkte. Und das ist uns wichtig. Wir sind eine Welt des Konsums, und wir bieten eben Konsumgüter an. Unser Beitrag zu einer besseren Umwelt ist das Produkt, das länger hält als das der anderen. Je seltener ein Produkt ausgetauscht werden muss, desto weniger Umwelt-Belastung gibt es. Diesen Ansatz halten wir für wertvoller als die neueste Idee, eine Naturfaser einzubauen, um damit Werbung zu machen.

Nun muss das ja auch irgendwie an den Endverbraucher kommuniziert werden. Wie sieht hier die Arbeitsteilung zwischen Vibram als Lieferant, den verarbeitenden Marken und dem Handel aus? Natürlich sind wir hier auf die Zusammenarbeit mit den Schuhmarken angewiesen. Das ist eine Frage des Vertrauens, das sich gegenseitig bewährt hat. Die Marken vertrauen uns, und wir vertrauen den Marken. Es ist doch kein Wunder, dass wir mit den besten Outdoor-Marken der Welt zusammenarbeiten.

Was den Handel betrifft, liegt die Kommunikation selbstverständlich bei den Marken, die wir auch im Bezug auf die Nachhaltigkeit entsprechend unterstützen. Unser Angebot umfasst hier insbesondere die Unterstützung bei Werbe-Materialien, Hang-Tags und Schulungen, damit der Handel und über ihn der Verbraucher weiß, worum es uns geht.

Wie sieht hier eigentlich der Service-Aspekt im Zusammenhang mit Reparaturen aus. Sie bieten ja selbst Reparaturen an … Ja, darin besteht für uns ein wachsendes Geschäftsfeld, das inzwischen etwa 10% unseres Umsatzes ausmacht. Grundsätzlich sieht es so aus, dass der Handel die Reparaturen an den Anbieter der Marke weiterreicht. Das sind dann entweder Gewährleistungs-Ansprüche oder – wie in den meisten Fällen – reguläre Austausch-Arbeiten, die vorzunehmen sind, wenn ein Schuh stark strapaziert worden ist.

Es ist aber auch richtig, dass wir einen Reparatur-Service selbst anbieten. Das tun wir nicht in Konkurrenz zu den Händlern, die uns und unsere Markenkunden stark machen. Wir wollen aber gewährleisten, dass die Konsumenten eine solchen Service erhalten, die vielleicht nicht den Laden ihres Vertrauens um die Ecke haben. Sind wir ehrlich: Das wird mit dem schnell wachsenden Internet-Handel immer wichtiger. Natürlich freut es uns, wenn die Verbraucher in ein gut sortiertes Geschäft kommen. Und das tun wir auch aus eigenem Interesse, denn dort gibt es in aller Regel ein breites Sortiment an Schuhen mit unseren Sohlen.

Das Interview führte Markus Huber.

Gummi
Nicht nur Outdoor-Spezialisten, sondern auch Running-Marken geben mit Vibram Gummi.
gute Sohle
Irgendwie wird aus einem bisschen Material am Ende eine gute Sohle. Die kann zu einem gewissen Prozentsatz auch aus recycelten Materialien hergestellt werden. Vibram hat dafür das Konzept EcoStep entwickelt, bei dem die Gummi-Mischung zu etwa 10% aus Wiederverwertetem besteht.

Autor: Markus Huber

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 13 / 2013