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Reden ist Silber, die Verwendung von Silber ist Gold

  • Ulrike Luckmann
  • Montag | 09. Juli 2012  |  08:12 Uhr
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Prof. Dr. Dirk Höfer
Hohenstein. Antibakterielle Ausrüstungen haben heute in vielen namhaften Sportkollektionen einen festen Platz und bieten Kunden echten Zusatznutzen.

Dabei spielt Silber eine zentrale Rolle, um Bakterien und Gerüchen Einhalt zu gebieten. Die Verwendung von Silber ist allerdings immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, schädlich für Mensch und Umwelt zu sein. sportFACHHANDEL sprach darüber mit Prof. Dr. Dirk Höfer, dem Direktor der Abteilung Hygiene, Umwelt und Medizin an den Hohenstein Instituten, der deutschen Autorität für Forschung, Entwicklung und Prüfung von Textilien.

sportFACHHANDEL: Herr Prof. Dr. Höfer, was sagen Sie zu der Kritik, dass geruchsneutralisierende Textilien schädlich für Mensch und Umwelt sind?

Dirk Höfer: Man kennt Silber schon seit mehreren tausend Jahren in der Medizin. Bei dieser Diskussion darf man nicht einfach alle antibakteriellen Behandlungen in einen Topf werfen. Schauen wir uns an, mit welchen Wirkstoffen man gegen Geruchsbildung ausrüstet: Begonnen hat es Anfang der 80er Jahre mit Triclosan, einer chemischen Phenolverbindung. Im Gegensatz dazu ist Silber ein Metall, das mehrfache Angriffspunkte auf Bakterienzellen hat und diese abtötet. Weil Silber diese antibakterielle Wirkung hat, wird das Silber-Ion, das jeder bedenkenlos als Schmuck auf der Haut trägt, von Rechts wegen als Biozid eingestuft. Es ist aber keine chemische Substanz, sondern ein Metall. Als dann vor etwa zehn Jahren kritische Studien den gesundheitsschädlichen Effekt von Triclosan auf Wasserorganismen aufdeckten, verzichtete man immer mehr darauf. Heute wird es in der Textilwelt so gut wie gar nicht mehr verwendet. Heute nimmt man dafür z. B. Silber-Chloride oder Mineralstoffe wie Silber-Zeolithe.

Kritiker sagen, dass aus behandelten Textilien ständig Silber freigesetzt wird und die Hautflora geschädigt wird. Stimmt das? Hohenstein befasst sich schon seit Jahren damit, darum kann ich die Frage, ob viele Silberpartikel beim Tragen und Waschen freigesetzt werden, klar mit „Nein“ beantworten. Die Faserstoffe, die für Sportbekleidung eingesetzt werden, haben mittlerweile eine so hohe Qualität, dass sie gut 50 bis 100 Wäschen aushalten. Weil eben so wenig Silber freigesetzt wird, wirkt es auch nur auf der Faser-oberfläche. Silberpartikel (Silber-Ionen) „springen“ nicht etwa von der Faser auf die Haut, wie es sich mancher Laie vielleicht vorstellt. Das können wir nachweisen, denn unsere Forscher haben eine Feldstudie zum Einfluss antibakterieller Kleidung auf Hautflora und Mikroklima durchgeführt. Die Versuche zeigen, dass die natürliche Hautflora selbst bei dauerhaftem Tragen vom Silber nicht beeinflusst wird. Das Forschungsvorhaben mit 60 Probanden wurde mit eng anliegenden T-Shirts durchgeführt, die in der Mitte gesplittet waren. Eine Seite war antibakteriell ausgerüstet, die andere nicht. Sie wurden über fünf Wochen acht Stunden am Tag getragen. Wir konnten danach keinerlei Unterschied in der Hautflora beider Seiten feststellen. Das bedeutet: Die eigene menschliche Hautflora ist so stabil, dass solche Textilien keinen Einfluss nehmen.

Wie funktioniert Geruchsminimierung in Textilien genau? Grundsätzlich sollte man wissen, dass nicht der Schweiß riecht, sondern die Geruchs-Moleküle, die sich in den Ausscheidungen der Bakterien befinden. Darum gilt es, Bakterien den Nährboden zu entziehen und sie zu zerstören. Voraussetzung für die Wirksamkeit eines antibakteriellen Textils ist nicht nur eine antibakterielle Ausrüstung, sondern auch die Tatsache, wie gut Fasern im Textil den Schweiß aufnehmen können. Wir haben herausgefunden, dass die antibakterielle Wirkung nur dann zustande kommt, wenn Bakterien in einer Flüssigkeit, also im Schweiß, auf Fasern treffen. Nur dann wird das Silber aktiviert, greift in den Stoffwechsel des Bakteriums ein, zerstört dessen Zellmembran und DNA. Mit anderen Worten, es tötet es ab. Wir müssen hier in einem mikroskopisch kleinen Raum denken, dem Mikroklima zwischen Textil und Hautoberfläche. Die Bakterien, die auf das Textil verlagert sind, tragen zur Geruchsbildung nicht mehr bei. Die Bakterien, die auf der Haut verbleiben, produzieren aber sehr wohl Geruchs-Moleküle über ihren Stoffwechsel. Berücksichtigen muss man beim Thema menschlicher Geruch auch, dass jeder Mensch individuell anders riecht, entsprechend seines eigenen Stoffwechsels und seiner Ernährung. Darum riechen manche Menschen mehr oder weniger als andere. Man kann auch grob Männer und Frauen im Geruch unterscheiden. Männer haben eine andere Bakterien-Ausstattung als Frauen.

Gibt es Funktions-Unterschiede zwischen silberhaltigen Fasern und Silberausrüstungen, d. h. bei denen das Silber nicht in, sondern auf der Faser angebracht ist? Es gibt keine wesentlichen Unterschiede in der Wirkungsweise, aber das hängt immer von der Qualität des Produktes ab. Tendenziell würde ich sagen, dass die Depots in den Fasern etwas langlebiger sind, das heißt, sie überstehen mehr Waschvorgänge als Fasern mit Silberausrüstung. Das können bei qualitativ sehr hochwertigen Produkten bis über 100 Wäschen sein.

Wie verhalten sich silberhaltige Deos im Vergleich zu silberhaltigen Textilien? Kann man damit auch wirksam unangenehmen Schweißgeruch bekämpfen? Silberhaltige Fasermaterialien sind im Vergleich zu silberhaltigen Deos wesentlich gesundheitsfreundlicher. Textilien zerstören lediglich die Bakterien, die im Textil auf der Faseroberfläche sind. Die Hautflora bleibt davon unberührt. Ein Deo, das man direkt auf die Haut aufsprüht, das zudem noch Konservierungsstoffe und andere antibakterielle Zusätze enthält, wirkt um ein Vielfaches stärker und schneller als ein Textil, und zwar direkt auf der Haut. Damit greift man in die Hautflora ein und zerstört dort diese Bakterien.

Woran können Sport-Fachhändler erkennen, ob ein mit Silber ausgerüstetes Textil wirksam und sicher in der Verwendung ist? Wir testen und zertifizieren silberhaltige Textilien. Der Händler, der unsere Zertifizierung „Geprüfte Qualität – Antibakteriell“ auf den Label am Textil sieht, kann seinen Kunden das sichere Gefühl geben, dass sein Produkt wirkt. Prüft der Hersteller zusätzlich gegen Geruchsbakterien, weisen wir das auf dem Label aus und der Händler und Verbraucher sehen, dass dieses Produkt auch den Geruch minimiert. Meist fügt der Hersteller auf dem Hangtag die Information hinzu, auf welchem Prinzip die Geruchsbehandlung basiert.

Wenn Sie ein Ranking der Qualität und Wirksamkeit der bei Hohenstein getesteten Produkte in einer Skala von 1 (sehr gut) bis 10 (schlecht) geben müssten, wo würde Sport-bekleidung stehen? Die Qualität der Sportstoffe der bekannten Markenhersteller ist meiner Meinung nach bereits recht hoch. Darum würde ich ein Ranking je nach Produkt bezogen auf seine antibakterielle Wirkung und Sicherheit in der Anwendung zwischen 2 und 4 einstufen.

Welche Tests bezogen auf antibakterielle Wirkung führt Hohenstein durch und wie nehmen die Hersteller das Angebot an? Hohenstein prüft per Basistest die „antibakterielle Wirkung“. Diesen Test der Wirksamkeit gibt es schon seit vielen Jahren. Darauf ist Verlass. Um auch die Qualität in einer sportlichen Anwendung zu belegen, kann zusätzlich die Funktion der „Geruchsreduktion“ geprüft werden. Daneben gibt es eine Reihe von Sicherheits-Tests, die bestätigen, dass ein Produkt unschädlich für die Hautflora ist, auch wenn es komplett feucht auf der Haut aufliegt. In einer weiteren Prüfung wollen wir wissen, wie menschliche Hautzellen reagieren, und schauen uns an, ob diese Textilien mögliche toxische Effekte haben. Dieser Test kommt aus der Medizin und hat sehr strenge Richtlinien. Aber damit können wir sehr gut herausfinden, ob ein Textil auch wirklich hautfreundlich ist.

Der Wirksamkeits-Test wird am häufigsten gemacht, doch seit zwei Jahren haben auch die Sicherheits-Tests extrem zugenommen. Etwa 70% aller Sporthersteller, die wissen wollen, ob ihre antibakteriellen Produkte auch wirklich funktionieren, sind zunehmend um die Sicherheit ihrer Kunden bedacht. Das beweist meiner Meinung nach eine sehr hohe und wachsende Verantwortlichkeit, gesunde Produkte für den Sport in den Markt zu bringen.

Das Interview führte Ulrike Luckmann.

Autor: Ulrike Luckmann

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 13 / 2012