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„Plumpe Werbebotschaften sind fehl am Platz“

  • Markus Huber
  • Samstag | 09. Juli 2011  |  10:09 Uhr
Feldkirchen-Westerham. Die Experience Tour von Gore-Tex versteht sich als integrierte Kommunikations-Plattform für die Outdoor-Branche. Darin eingebunden sind nicht nur der Membran-Hersteller selbst, sondern vor allem Verbraucher, Händler, Konfektionäre und Athleten, die von Gore bzw. dessen Kunden gesponsert werden.

Dabei bekommen Endkunden und Händler die Möglichkeit, mit Outdoor-Idolen auf Tour zu gehen oder bei Herstellern ihre ­eigenen Produkte zu bauen. Im Gespräch mit sportFACHHANDEL erläutert Jürgen Kurapkat von W.L. ­Gore & Associates am Beispiel der Experience Tour, wie integrierte Kommunikation vom Vorlieferanten bis zum Endkunden funktioniert, welche Rolle soziale Netzwerke dabei spielen – und warum der Handel noch stärker in dieses Projekt einbezogen werden soll.

sportFACHHANDEL: Woher kam die ursprüngliche Idee, die Experience Tour ins Leben zu rufen? Jürgen Kurapkat: Wir suchten eine Kommunikations-Plattform in unserem Kernsegment, dem Outdoor-Markt. Dort kommt die Marke Gore-Tex schließlich her, dort ist sie verwurzelt und dort ist sie so vernetzt wie kaum eine andere Firma. Wir arbeiten mit einem Großteil der führenden Bekleidungs- und Schuhhersteller zusammen. In ganz Europa finden sich bei den besten Fachhändlern Gore-Tex-Produkte. Außerdem unterstützen wir seit vielen Jahre bekannte Outdoor-Sportler. Mit solch einer Plattform wie der Gore-Tex Experience Tour bringen wir nun Partner, Händler, Athleten und Endkunden zusammen.

Was ist die wesentliche Zielgruppe der Initiative: eher Händler oder Endverbraucher? Wir richten uns mit den einzelnen Projekten direkt an die Endverbraucher – was ja für eine ingrediant brand wie die Marke Gore-Tex per se nicht selbstverständlich ist. Manche Händler haben die Gore-Tex Experience Tour schon als Kommunikations-Mittel genutzt. Diese Art der Zusammenarbeit wollen wir aber in Zukunft noch ausbauen. Denkbar sind auch Teilnehmer direkt aus dem Handel, etwa Verkäufer, die z.B. durch die Erfahrung, einmal einen eigenen Trekkingschuh gebaut zu haben, sicher an Glaubwürdigkeit gewinnen.

Ist der Aufwand nicht verhältnismäßig hoch, um eine relativ kleine Gruppe von Kunden zu erreichen, wenn man das beispielsweise mit Gores aufwändigen Plakataktionen vergleicht? Das hängt immer davon ab, was man erreichen möchte: Um eine Marke bekannt zu machen, mag eine große Plakataktion vielversprechend sein. Will ich aber direkt mit Endkunden kommunizieren, will ich all die Emotionen und die Erlebnisse transportieren, dann brauche ich andere Kommunikations-Wege. Zumal wir im Rahmen der Experience Tour verstärkt Social Media Kanäle nutzen, über Facebook ebenso kommunizieren wie direkt mit Bloggern. Umgekehrt bekommen wir so auch direktes Feedback von den Konsumenten – ein wertvoller Input, den man über einseitige Kommunikations-Mittel wie Plakate nicht bekommt.

Inwieweit kommt die Experience Tour auch den Kunden im Fachhandel zugute? Bei einer direkten Beteiligung eines Händlers kann dieser natürlich selbst mitwirken, Kunden an seinen Laden zu binden. Ansonsten stärken wir die Begehrlichkeit bei den Endkunden, wenn diese etwa in Workshops

eigene Gore-Tex-Jacken und -Schuhe herstellen und damit qualitativ hochwertige Ausrüstung erst richtig schätzen lernen. Da wir bevorzugt kommunikative Leute ansprechen, machen deren Erfahrungen und Erlebnisse entsprechend schnell die Runde – und das Qualitätsbewusstsein steigt.

Inwiefern gelingt es mit der Maßnahme überhaupt, die Markenbotschaft von Gore-Tex zu transportieren? Sind am Ende nicht die Konfektionäre und die von Ihnen gesponserten Athleten die Helden der Aktion? Das sollen sie ja auch! Wir nehmen uns bei den Projekten vornehm zurück und bieten einfach die Plattform aufgrund unseres Netzwerkes im Outdoor-Markt. Unsere Partner aus der Industrie sind genau wie die Händler oder die Athleten unsere Botschafter am Markt. Und der Endkunde erkennt an, dass die Marke Gore-Tex solch einzigartige Projekte ermöglicht. Plumpe Werbebotschaften wären hier fehl am Platze.

Wird die Experience Tour im nächsten Jahr fortgeführt? Wie wird sie optimiert? Oder sind ganz andere Aktivitäten in absehbarer Zukunft geplant? Die Experience Tour ist mittelfristig angelegt und wird selbstverständlich fortgeführt. Bei der Optimierung planen wir eine noch aktivere Beteiligung unser Partner, Händler und Medien. Außerdem sind wir dabei, den Bewerbungsprozess etwas zu vereinfachen. So viel vorab: Es wird eine Menge spannende, europäische Projekte geben. Schon eine Woche nach der OutDoor-Messe geht es weiter: mit dem „European Trailrun Camp“ in den Dolomiten, bei dem wir 20 Trailrunner aus ganz Europa zusammenbringen. Und im Herbst gibt es eine spannende Kletterexpedition auf den Lofoten zusammen mit Dave McLoud und ein spezieller Frauen-Trip in den Pyrenäen mit Edurne Pasaban, der erfolgreichsten Höhen-Bergsteigerin der Welt.

Das Interview führte Markus Huber.

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Autor: Markus Huber

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 14 / 2011