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Mit vereinten Kräften nachhaltig

  • Nils-Peter Hey
  • Mittwoch | 25. Januar 2012  |  06:36 Uhr
Das Wort ist in aller Munde: Nachhaltigkeit. Hersteller beschäftigen sich schon seit Langem mit der Thematik, und der Handel greift soziale und ökologische Verantwortung als Selbstzweck, aber auch als Verkaufsargument zunehmend auf.

Damit ist mit der Wertschöpfungskette allerdings noch nicht Schluss. Im nächsten Schritt sollte auch die organisierte Verbraucherschaft in den Sportvereinen sensibilisiert werden.

Fabian Putzing Arne Menn

Der Weg zum nachhaltig und verantwortungsbewussten Sportclub führt über ein durchdachtes Nachhaltigkeits-Management, für das es seit geraumer Zeit Beratungs-Profis gibt. Zwei junge Wilde, Arne Menn (29) und Fabian Putzing (28) von „sustainable///sports", haben sich

als Branchen-Spezialisten ganz der Nachhaltigkeit im Sport verschrieben. Im Interview erklären sie, worauf es den Vereinen, die für die Händler nicht die unbedeutendsten Kunden sind, ankommen sollte.

sportFACHHANDEL: Das Thema Nachhaltigkeit ist in den meisten Manager-Etagen angekommen. Warum braucht es einen Spezialisten für den Sportbereich? Fabian Putzing: Sportclubs besitzen ein völlig anderes Anforderungsprofil als Wirtschaftsunternehmen. Sie erfüllen in der Gesellschaft eine wichtige zusätzliche Aufgabe: Sie stehen für Integrationsförderung, beleben das soziale Miteinander und haben auch in der täglichen Berichterstattung eine Leuchtturm-Funktion. Dabei ergeben sich für Sportvereine wesentlich mehr Möglichkeiten von einer nachhaltigen Ausrichtung zu profitieren als für traditionelle Unternehmungen. Spezialisten für Nachhaltigkeit in der Wirtschaft sind deshalb noch lange keine Spezialisten für Nachhaltigkeit im Sport. Genau das macht uns und unseren Ansatz so einzigartig. Arne Menn: Das Potenzial einer nachhaltigen Ausrichtung wurde im Sportbereich bislang nicht ausgeschöpft, obwohl die wirtschaftlichen Chancen hier besonders hoch sind. Wer als Sportclub seinen ökologischen Fußabdruck verkleinert und das soziale Engagement vergrößert, profitiert davon auch wirtschaftlich.

Wie sind Sie genau auf dieses Thema gekommen?

Fabian Putzing: Wir kommen beide aus sportbegeisterten Familien – und treiben selbst gerne und viel Sport. Die Themen Nachhaltigkeit sowie Umwelt- und Klimaschutzpolitik haben mich unabhängig voneinander einfach interessiert und durch das gesamte Studium begleitet. Da lag die Kombination dieser beiden Bereiche recht nahe und wenn ich mich recht erinnere, entwickelte sich die konkrete Idee für ein spezialisiertes Beratungsangebot spät am Abend nach einem Fußball-Länderspiel. Arne Menn: Wir haben uns an der Uni Basel kennengelernt, und schon während unseres Studiums kristallisierte sich heraus, dass die Potenziale des Nachhaltigkeits-Managements im Sportbereich riesig sind. Als

begeisterte Sportler haben wir natürlich besonders großen Spaß daran, unsere fachliche Expertise in der nachhaltigen Organisationsentwicklung auf den Sport zu übertragen.

Was machen Sie anders als etablierte Unternehmensberatungen?

Fabian Putzing: Zunächst einmal verfügen wir durch unsere Ausbildung über eine ganz andere Einschätzung in Fragen der Nachhaltigkeit als andere Consultants. Außerdem sind wir nicht in der klassischen Unternehmensberatung angesiedelt. Wir wollen nicht vom weichen Sessel aus bei einem Sportclub vorbeischauen, den Taschenrechner schwingen, verklausulierte Empfehlungen geben und den Mandanten dann bei der Umsetzung alleine lassen. Wir bieten einen einzigartigen Beratungsprozess, in dessen Verlauf wir anschaulich und nachvollziehbar darlegen, wie man durch ökologische und soziale Anstrengungen ökonomisch profitiert. Enorm wichtig für die Vereine ist es, dass wir dank

unseres Fachwissens und unserem Netzwerk vor allem bei der Umsetzung zur Seite stehen. Klar, dass wir ergänzende Ideen und Interessen ­sowie Ideen unserer Mandanten berücksichtigen. Arne Menn: Wir adaptieren eben nicht das klassische Nachhaltigkeits-Management auf den Sportbereich. Das würde nicht zu den speziellen Anforderungen einer Sportorganisation passen. Deshalb haben wir unsere

Beratungsprinzipien ganz speziell für den Sport entwickelt. So erfahren ambitionierte Sportvereine, Sportveranstalter und Wintersport-Regionen, wie man Ressourcen spart, Geld effizienter einsetzt und dabei jede Menge für Natur und Gesellschaft leistet. So lassen sich mit verbesserter Energieeffizienz und einem intelligenten Wassermanagement zehntausende Euro jährlich sparen. Plakativ könnte man sagen: Die Vereine können Gutes tun – und damit Geld verdienen.

Was unterscheidet die Anforderung­en eines Sportclubs von einem normalen Unternehmen?

Fabian Putzing: Sportclubs sind nicht rein auf Gewinnmaximierung ausgelegt und sie haben ein Image zu pflegen – oftmals repräsentieren sie eine ganze Region. Insofern geht es nicht um Shareholder-Value, sondern häufig um höhere Werte, die für einen Konzern einfach keine allzu grosse Rolle spielen. Arne Menn: Außerdem sind Sportclubs fast jedes Wochenende Veranstalter eines sportlichen Großereignisses. Hier müssen im Nachhaltigkeits-Management viele Dinge wie Mobilität, Abfallmanagement, Catering usw. beachtet werden, die für wirtschaftlich orientierte KMUs nur wenig Relevanz haben.

Mal ehrlich: Einen grünen Imagegewinn kann man nur schwer messen. Wie wird ein grüneres Image denn sichtbar?

Fabian Putzing: Denken wir wieder an die Profi-Clubs: Ein wichtiger Bestandteil unseres Angebots ist die Nachhaltigkeits-Kommunikation. Das hat natürlich viel mit klassischer PR zu tun, erfordert aber doch eine thematische Spezialisierung. Nur wer seine Anstrengungen professionell kommuniziert fährt als Ernte eine verbesserte Reputation ein. Alleine dadurch kann sich ein Sportverein im Werben um Sponsorengelder von der – nun nicht mehr nur sportlichen – Konkurrenz absetzen. Kurz gesagt: Eine ganz neue Sponsorenschicht wird erschlossen.

Arne Menn: Auf dem Weg zum grüneren Image beschreitet man ja allerlei Pfade. Und allerorten verbessern sich die Bindungen: zur regionalen Politik, zu Kommunen und Behörden – denn nachhaltiges Denken steht gottseidank fast überall auf der Agenda. Wer sich als Aushängeschild einer Stadt oder ganzen Region versteht, der sollte auch mit einem verstärkten Engagement für die Umwelt und Gesellschaft aufwarten.

Wie läuft ein Beratungsprojekt bei Ihnen üblicherweise ab? Fabian Putzing: Wir bieten eine Beratung, die speziell auf die Bedürfnisse der Sportbranche angepasst ist. Am Anfang steht immer die Untersuchung der Potenziale im ökologischen und sozialen Umfeld. Daraus entwickeln wir einen Maßnahmen-katalog. Ziel ist immer, dass die Sportclubs durch eine ökologischere und sozialere Ausrichtung auch

ökonomisch profitieren. Teil zwei eines jeden Projektes ist dann die Begleitung bei der Umsetzung. Arne Menn: Wir überprüfen die ökologische Leistungsfähigkeit, ­Ein­sparmöglichkeiten im Wasser- und Energieverbrauch sowie die ökologisch relevanten Betriebskosten. Im sozialen Bereich analysieren wir die Anspruchsgruppen, das soziale Engagement und zeigen Möglichkeiten auf, wie man sich auch hier weiterentwickeln kann.

Wie viel Zeit muss man sich nehmen? Wie lange braucht es bis Nachhaltigkeits-Maßnahmen wirksam werden?

Fabian Putzing: Viele Maßnahmen kann man sehr kurzfristig umsetzen, andere benötigen natürlich einiges an Vorbereitungszeit und sind nicht ganz ohne finanziellen Aufwand. Was Zeit braucht, ist die Arbeit am grünen Image. Das kann man nicht vom Zaun brechen, zahlt sich dafür aber langfristig am meisten aus. Arne Menn: Insgesamt ist eine nachhaltige Ausrichtung nicht als Schnellschuss zu machen. Wer sich nachhaltig nennt, ohne etwas dafür zu tun, betreibt „Green washing" und verliert schnell seine Glaubwürdigkeit. Aber nichtsdestotrotz gibt einiges, was man sofort machen kann wie beispielsweise eine effiziente Steuerung der Gebäudeleittechnik, bedarfsgerechte Nutzungsprofile für die Spielfeldbeleuchtungen oder Mitarbeiterschulungen im Bereich Umweltmanagement.

Glauben Sie, dass nachhaltiges unternehmerisches Denken irgendwann einmal so selbstverständlich wird wie das Vorhandensein von Bio-Lebensmitteln beim Discounter? Fabian Putzing: Davon sind wir zutiefst überzeugt.

Das Interview führte Nils-Peter Hey.

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Autor: Nils-Peter Hey

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 03 / 2012