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Mit Innovation lässt sich dieser Winter besser aushalten

  • Markus Huber
  • Freitag | 24. Februar 2012  |  12:08 Uhr
Kirchanschöring. Meindl ist nach eigenen Angaben bislang vergleichsweise gut durch den Winter gekommen und hat dafür eine Erklärung: Für hochwertige Produkte gibt es immer eine Klientel – unabhängig von der Wetterentwicklung, auch bei Winterstiefeln.

Im Gespräch mit sportFACHHANDEL erläutert Geschäftsführer Lukas Meindl aber auch, warum gute Produkte alleine nicht mehr ausreichen. Der Handel will sich bestens beliefert wissen. Und darin will der Traditionsbetrieb nun kräftig investieren.

sportFACHHANDEL: Herr Meindl, wie ist Ihr Unternehmen bislang durch diesen Winter gekommen? Lukas Meindl: Alles in allem gar nicht so schlecht. Machen wir uns nichts vor: Der späte Start der Wintersaison hat uns alle direkt oder indirekt berührt, selbst wenn wir nun kein Wintersport-Anbieter im eigentlichen Sinne sind.

Sie spielen ja keine unerhebliche Rolle bei Winterstiefeln ... ... und hier sind die Umsätze überhaupt nicht schlecht gelaufen. Im Gegenteil.

Unser Angebot reicht von Kinder-Winterstiefeln, über warme Winter-Wanderschuhe bis hin zu echt zwiegenähten, mollig-warmen Lammfell-Stiefeln.

Speziell hier haben wir noch immer eine sehr große Nachfrage, da das Thema ja auch in der Mode in diesem Jahr eine Rolle spielt.

Wie kommt das denn? Wir hatten doch einen historisch milden Herbst. Das ist richtig, und hat auch dieses Segment getroffen. Aber ein

gewisser Teil von Winterstiefel wird wetterunabhängig gekauft. Das gilt insbesondere für den hochwertigen bzw. hochpreisigen Bereich und natürlich Kinderstiefel. Die Kleinen brauchen auch im Herbst gute und warme Schuhe, da sie schneller frieren als Erwachsene.

Das müssen Sie uns erklären. Wer braucht denn in einem so warmen November Winterstiefel, bitte schön? Sie dürfen nicht vom deutschen Flachland alleine ausgehen. In den Bergen gab es durchaus auch im November/Dezember schon kalte Tage und, gerade der modische Bereich, wird sehr früh im Herbst gekauft. Dazu kommt, dass im letzten Jahr viele Kunden, die einen unserer klassischen Lammfell-Stiefel wollten keinen mehr bekommen haben und daher früh gekauft haben.

Und warum profitiert davon ausgerechnet Meindl? Andere Anbieter haben doch auch hochwertige, warme Schuhe. Das bestreiten wir auch gar nicht. Aber Fakt ist, dass wir uns besonders in diesem Segment in den vergangen Jahren angestrengt haben, und das zahlt sich jetzt aus. Außerdem sind wir einer der wenigen Anbieter, die die „zwiegenähte Technik" noch beherrschen.

Was haben Sie konkret unternommen, um in diesem Segment zu punkten? Wir haben mit unserem Modell Garmisch einen großen Sprung nach vorne gemacht. Das Projekt haben wir zusammen mit unserem Partner Gore-Tex angestoßen und konnten die erste Generation des Garmisch im Winter 2007/08 vorstellen. Mit diesem Galoschenschuh konnten wir dem Handel eine wirkliche Weltneuheit präsentieren, die er auch dankbar angenommen hat. Das Kernstück der Innovation ist ein neuartiges Fertigungs-Verfahren, das es erlaubt, einen Gore-Tex-Schuh auch in Verbindung mit Lammfell atmungsaktiv zu konstruieren. Hinzu kommt die neue Vibram-Sohle, die den Garmisch zu einem vollwertigen Trekkingstiefel macht. Das Programm haben wir dann mit dem Gastein abgerundet, einer straßentauglichen Variante für den Alltags-Gebrauch.

Sie investieren nicht nur in Produkte, sondern nun auch in ein komplett neues Logistikzentrum. Was ist der Ansatz? Das neue Logistikzentrum ist dringend notwendig geworden, denn wir sind über die vergangenen Jahre gewachsen und brauchen einfach mehr Platz.

Was wird sich ändern? Einfach nur gute Schuhe zu machen reicht nicht mehr. Der Handel verlangt Lieferfähigkeit. Dem Handel ist nicht geholfen, wenn wir gute Schuhe im Programm haben, aber sie nicht liefern können. Außerdem haben wir stark in neue Märkte investiert, und da muss die Logistik auch global funktionieren. Dass dieses neue Zentrum in Kirchanschöring entsteht ist natürlich auch ein Bekenntnis zu unserer Heimat und dem Standort Deutschland.

Wäre das woanders nicht billiger gewesen? Mag sein, aber das ist nicht unser Ansatz, denn „billig" war bei uns nie das erste Kriterium. Das sieht man auch an unserer Herangehensweise bei der Produktion. Wir haben eine klare Trennung: Unsere Berg-, Wander und Haferlschuhe werden weiterhin in unseren europäischen Fertigungen in Kirchanschöring, Ungarn und Slowenien hergestellt. Kinder und Multifunktions-Schuhe lassen wir dagegen in Fernost produzieren. Das hat sich bewährt und wird auch so bleiben.

Das Interview führte Markus Huber.

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Autor: Markus Huber

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 05 / 2012