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Kirschbaum-Konzept wird weiter aufpoliert

  • Hildegard Suntinger
  • Montag | 07. Februar 2011  |  11:04 Uhr
St. Anton. An der Talstation der neu errichteten Rendlbahn kombiniert {c|Intersport|32} Arlberg das junge Format Kirschbaum erstmals mit den Bereichen Verleih und Depot.

Seit Mitte November werden dort auf rund 600 qm neben Snowboards besonders die ­Themen Freeski und Lifestyle in Szene gesetzt (SFH Ausgabe 27/ 2010, S. 10). Im Interview mit sportFACHHANDEL spricht ­Geschäftsführer Michael Ess über seine Ideen und wie die ­Kundschaft die Geschäftsphilosophie annimmt.

sportFACHHANDEL: Wie ist das Freeride-/Lifestyle-Format Kirschbaum im Unternehmen eingebettet?

Michael Ess: Intersport Arlberg ist stark im Mainstream verankert. In unseren sechs Intersport Rent-Filialen bedienen wir die Mitte und stehen eher für eine konservative Zielgruppe. Einheimische waren immer schon eine wichtige Zielgruppe. Aber hier waren wir besonders für die

Jugend nicht cool genug. Aus diesem Phänomen entstand die Idee, ein zweites junges Format zu realisieren. 2004 starteten wir mit Kirschbaum im Zentrum von St. Anton auf einer Fläche von 110 qm. Von Beginn an wollten wir im Vergleich zu den Mitbewerbern Alber (Sno Control) und Jennewein (Surfers Paradise) kein reiner Snowboardshop sein und setzten zusätzlich auf Freeride und Lifestyle. Zwischen Kirschbaum und Intersport gab es ursprünglich keine wahrnehmbare Verbindung für den Kunden. Eine Verbindung gibt es nun insofern, als der neue Kirschbaum an der Rendlbahn durch die Integration des Intersport Rent-Konzeptes (Verleih, Depot, Service) zweifach profiliert ist. Wir haben acht Standorte. Sechs davon sind reine Intersport-Standorte. Der neue Kirschbaum Shop an der Rendlbahn ist auch voll ins Intersport Rent-Netzwerk eingebunden.

Was war das Knifflige dabei? Es ist schwierig zwei Seelen in einem Körper zu vereinen. Daher haben wir uns zurückgezogen und mit dem Team Kirschbaum junge trendige Leute im Alter von 18 bis 40 Jahren in den Vordergrund gestellt. Dabei beschäftigen wir vorwiegend einheimische Mitarbeiter, die wir auch ausbilden. Sie sollen sich innerhalb des Konzeptes entwickeln, um die Philosophie schließlich mittragen zu können.

Wie ist das Konzept vom Mitbewerb abgegrenzt? Ziel war es, bewusst anders zu sein und Freeride in Verbindung mit Lifestyle noch deutlicher darzustellen. Die Abgrenzung zum Wettbewerb sehen wir darin, dass wir definitiv nicht der dritte Snowboard-Shop in St. Anton sind. Unser Fokus liegt bei den Bereichen ­Free­ski, Freeride, Lifestyle und ­Snow­board.

Ist der Online-Wettbewerb für Sie relevant? Nein, wir sehen darin keinen Wettbewerb. Für unsere Kunden zählen Beratung, Kompetenz, Auswahl, Shop-Ambiente und Stimmung. Die Hauptumsatz-Gruppe der Touris-ten ist in Urlaubslaune, da spielt online zum Glück keine Rolle.

Wie funktioniert die Zielgruppe? Die Hauptziel-Gruppe, die wir im Marketing ansprechen, liegt bei 15 bis 25 Jahren. Logischerweise finden auch Jüngere das cool, was die älteren Vorbilder machen und anziehen. Den größten Umsatzanteil stellt allerdings nicht die Kernziel-Gruppe dar, sondern die Gruppe der Junggebliebenen. Zudem kommt 90% unseres Umsatzes aus dem Tourismus. ­Da­rum sind Shop und Sortiment so

gestaltet, dass sich Junge und Junggebliebene gleichermaßen wohl fühlen. Das heißt, die Ausrichtung ist jung aber die Umsätze kommen nicht in dem Maß von der Jugend. Die Relation von Burschen und Mädchen liegt bei etwa 50:50.

Wird mehr gekauft oder geliehen? Sowohl als auch: Touristen leihen nicht nur, sie kaufen auch Hartware. Verleih und Depot sind im Kirschbaum-Konzept neu. Mit dem Verleih-Schwerpunkt auf Twin Tips und Freeride-Ski realisieren wir ein Konzept, das sich aber erst noch

bewähren muss. Im Verkauf sind wir ebenso stark auf Twin Tips und Freeride ausgerichtet. Die Lage an der Talstation ist sehr gut und wir setzen auf breite Auswahl, kompetente Beratung und Testmöglichkeiten. Unser Testsortiment ist wirklich groß.

Was ist es, das die Szene anzieht? Die Snowboard- und Freeski-Szene ist in den letzten Jahren zunehmend zusammengewachsen. Ebenso ist die Markenwelt beider Zielgruppen in vielen Bereichen gleich. Marken-Fixiertheit ist sicher auch ein Thema, aber nicht das Wichtigste. Es ist selten, dass ein Kunde kommt und nur nach einer bestimmten Marke fragt.

Arbeiten Sie mit Marken-Corners? Nein. Das ist zum einen eine Philosophie und zum anderen eine Frage der Raumsituation. Auf dieser Fläche wäre die Realisierung von Marken-Corners problematisch gewesen. Deshalb haben wir entschieden, die Marken in Clustern zu präsentieren. Der Shop ist lediglich in die Sektoren Damen und Herren gegliedert.

Welche Modelle und Marken sind bei der Hartware besonders gefragt?

Es gibt den großen Trend zu Ski ab 85 mm in der Mitte. Am Arlberg ist zudem Freeride sehr populär. Heuer rechnen wir im Freeride mit Trends wie der Rocker-Technologie. Außerdem geht es wieder zum längeren, teilweise die Körpergröße überragenden Ski. Die Wahl ist natürlich auch abhängig vom jeweiligen Gewicht und Können. In der Kirschbaum-Zielgruppe ist die Trendära von Hermann Maier und den entsprechenden „Rennmaschinen“ definitiv kein Thema. Unsere Kundschaft zieht das individuelle Design vor. Auch Designs und Farben sind größere Auswahlkriterien. Die führenden Ski-Brands sind Armada, K2, Nordica, Line, Rossignol und Dynastar. Im Segment Snowboard ist es ebenso das individuelle Design, das zählt. Die beliebten Brands sind Burton, DC, Jones, Yes, K2 und Bataleon.

Welche Preiskategorien werden akzeptiert? Sets in der Preisklasse von 450 bis 500 EUR sind am besten verkäuflich. Bei Jugendlichen, die ihr eigenes Geld verdienen, gibt es sogar die Tendenz etwas mehr Geld für diesen Sport auszugeben.

Was sind die angesagten Styles, Farben und Designs bei der Bekleidung? Auch in der Bekleidung geht es primär um den individuellen Style. Das bedingt ein breites und nicht unbedingt tiefes Sortiment. Wir ­beo­bachten einen Trend zu längeren Jacken. Hosen sollen Bewegungsfreiheit bieten und sind in mäßigen Weiten gefragt. Baggy steht für Hardcore und dafür stehen wir nicht primär. Die Farben sind bunt und schrill, das geht bis zu Fluor-Farben. Dominant in den Designs ist Colorblocking. Print ist jedoch kaum Thema, weder in Motiv- noch in Allover-Designs. Logo-Graphics sind zumindest bei den bekannten Marken wichtig. Sie können, müssen aber nicht groß sein.

Wie weit reicht das Sortiment in den Lifestyle? Wir gehen voll in den Lifestyle. Der ursprüngliche Shop in der Fußgänger-Zone, der jetzt in Kirschbaum-Fashion umgetauft wurde, ist total auf Lifestyle ausgerichtet. Im neuen Kirschbaum-Shop an der Rendlbahn liegt der Fokus dagegen auf Ski, Board und wenig Freizeit. Aber auch hier sind Lifestyle-Accessoires wie Kopfhörer und DVD ein entsprechendes Thema. Für den Umsatz sehr wichtig sind natürlich „Klassiker“ wie Brillen und Helme.

Das Interview führte Hildegard Suntinger.

Autor: Hildegard Suntinger

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 04 / 2011