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„Im Sport-Segment sehen wir großes Potenzial!“

  • Reinhard Schymura
  • Dienstag | 16. Februar 2010  |  10:07 Uhr
Unterföhring. Zuviel Sport oder zuwenig? Doch wieder mehr Textil? Wo soll es in Zukunft langgehen bei Sympatex? sportFACHHANDEL stellt die entscheidenden Fragen an den frischgebackenen Sprecher der Geschäftsführung.

Michael Kamm reizt „die Kombination aus beiden Welten“. Er will mit einem „konsequenten Up-Trading“ hochwertige Premium-Marken sowie echte Brands als Partner gewinnen und dabei „Ökologie nicht als bloßes Lippenbekenntnis“ verstanden wissen. Bei seiner Marketingstrategie soll auch der Sport-, Outdoor- und Bike-Handel nicht zu kurz kommen.

sportFACHHANDEL: Große Herausforderungen sind für Sie ja nichts Neues: Als erfolgreicher Sanierer von Sport- und Modefirmen machten Sie sich in beiden Branchen bereits einen Namen. Was war der Anreiz, in die Führungsspitze von Sympatex einzusteigen?

Michael Kamm: In erster Linie hat mich die Kombination aus beiden Welten – der Sport- und der Textilbranche – gereizt. Mir sind diese

beiden Welten samt ihrer Marktteilnehmer bestens vertraut. Außerdem entsprechen die strategische Ausrichtung der Gruppe sowie ihr ökologischer Fokus absolut meinen persönlichen Zielen.

Sehen Sie Parallelen in ihrem neuen Job? In wieweit kann man die damalige Situation bei Marker, Mistral oder Aigner vergleichen? Wollen Sie ähnlich vorgehen? Parallelen sehe ich absolut. Sowohl die Firmengrößen als auch die Herausforderungen sind vergleichbar, die Prozesse laufen ähnlich ab – auch bei Sympatex bewegen wir uns in saisonalen Märkten. Ich komme aus dem Mittelstand, und für mich ist das persönliche Verhältnis zum Team extrem wichtig. Es macht mir Spaß, für ein international ausgerichtetes Unternehmen mit Sitz in München zu arbeiten.

Welche Markenstrategien sind geplant? Liegt der Focus mehr auf Sport, Leisurewear oder Mode? Welche Schiene wird künftig gefahren? Wo lagen beziehungsweise sind die Stärken, welche Potenziale sollen ausgeschöpft werden? Vor rund zwei Jahren haben wir begonnen, den Fokus von Sympatex auf Active-Sport zu richten und die Marke im Sport-Segment zu positionieren. In diesem Bereich sehen wir großes Potenzial: Nicht nur weil die Sympatex-Membran hervorragende Leistungswerte aufweist, sondern vor allem weil wir als Anbieter einer umweltfreundlichen und zu 100% recycelbaren Membran einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil haben. Marken, die sich der Nachhaltigkeit verpflichten, finden Sympatex als ökologische Membran-Alternative höchst attraktiv. „Grüne“ Funktionsbekleidung wird sich durchsetzen, sofern Ökologie nicht als bloßes Lippenbekenntnis verstanden wird. Wir sehen uns mit einer PTFE-freien Membran und als Bluesign-Systempartner auf einem sehr guten Weg.

Sport steckt noch in den Kinderschuhen: Sympatex holte sich kürzlich zwar die Marken Völkl, Elan, Head, Pyua, Eleven und Deeluxe als neue, teilweise intensivere Partner ins Boot. Doch der ganz große Fischzug gelang soeben mit Vaude. Was war Ihrer Meinung nach dafür jetzt ausschlaggebend? Entsprechende Gespräche gab es ja schon vor einem Jahr auf der Ispo. Alle genannten Marken eint das Selbstverständnis, umweltfreundliche Textilien zu verarbeiten, ohne auf Top-Performance zu verzichten. Die Themen Ökologie, Bluesign und Recycling stehen bei unseren Partnern im Fokus – und waren sicherlich auch für Vaude entscheidend. Wir freuen uns sehr, mit Vaude unseren ersten Partner im

Outdoor-Segment gewonnen zu haben, der wie wir hoch ambitionierte Ziele in puncto Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit verfolgt. Ein wichtiger Meilenstein ist die schrittweise Ausweitung der Bluesign-Zertifizierung; wir werden hier zunächst daran arbeiten, sortenreine, Bluesign-zertifizierte Laminate gemeinsam zu entwickeln. Ebenso wie nachhaltige Produktinnovationen sind aber auch gemeinsame Marketingaktivitäten geplant, die 2011 im Handel sicherlich für Aufsehen sorgen werden. Hierbei steht die Positionierung von Sympatex als ökologische High-Performance-Marke im Mittelpunkt.

Welche weiteren Pläne haben Sie in der Schublade, um noch stärker auf der Industrie- und Handelseite zu punkten? Wird die zwei-Marken-Strategie mit dem Sublabel Scenergy by Sympatex weiter forciert, um z.B. auch mit privat Label größeres Volumen zu erzielen? Erklärtes Ziel unserer Markenstrategie ist ein konsequentes Up-Trading, um hochwertige Premium-Marken und echte Brands als Partner zu gewinnen. Die Unterstützung des Handels und die Kommunikation mit den Endverbrauchern zur Vermittlung unserer Werte haben oberste Priorität.

Der Handel wünscht sich Marketing-aktivitäten: Wie denken Sie, kann man dieses Anliegen am besten umsetzen? Was bilden da Ihre flankierenden Maßnahmen um Bekanntheitsgrad und Begehrlichkeit zu pushen? Wir haben in den vergangenen Jahren etliche Neukunden im Sportbereich gewinnen können und beginnen nun den Sportfachhandel gezielt zu unterstützen. Im Fokus werden hier zunächst Schulungsaktivitäten stehen, um das Wissen über Sympatex beim Händler auf den neuesten Stand zu bringen. Zudem planen wir abverkaufsunterstützende Vermarktungsmaßnahmen am POS, um auch den Verbraucher gezielt mit den Themen Funktionalität und Ökologie anzusprechen.

Auch mit unserem neuen Partner Vaude werden wir den Outdoor- und Bikehandel massiv mit einem Vermarktungspaket unterstützen.

Das Interview mit Michael Kamm führte Reinhard Schymura.

Autor: Reinhard Schymura

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 03 / 2010