• sportFACHHANDEL – Das Insider-Magazin mit News · Fakten · Hintergründen

Für Kaufhof wird es Zeit zu wandern

  • Markus Huber
  • Samstag | 09. Juli 2011  |  09:32 Uhr
Köln. Galeria Kaufhof hat endlich den Outdoor-Spezialhandel für sich entdeckt und probt die Entwicklung eines eigenen Formats, das auf den Namen Wanderzeit hört (SFH Ausgabe 7/2011, S. 11).

Nach Geschäften in Neuss und Hamburg soll es in diesem Jahr noch einen weiteren Wanderzeit-Laden im süddeutschen Raum geben, um zum Jahresende zu prüfen, welches Potenzial die Metro-Tochter bei dem Trendthema in Zukunft ausschöpfen kann. Gegenüber sportFACHHANDEL erklärt Gerhard Wegertseder, Chef der Geschäftsführung der hauseigenen Kette Sportarena, wie sich das jüngste Baby am Markt profilieren will: mit Topmarken auf mittleren Verkaufsflächen von etwa 500 qm.

sportFACHHANDEL: Was war der ursächliche Anstoß für Sportarena, mit einem eigenen Shop-Format für Wandern an den Start zu gehen?

Gerhard Wegertseder: Mehrere aktuelle Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass 40 Millionen Deutsche ab 16 Jahren gerne wandern – pro Jahr insgesamt 3,6 Mil-liarden Kilometer. Sie nehmen eine Auszeit vom Alltag, wobei die Grenzen zwischen Wandern und Spazierengehen oftmals fließend sind. Das Erlebnis Natur steht dabei vor der sportlichen Leistung. Dafür möchten sie ­ausge­rüs­tet sein – mit Markenprodukten, die eine hohe Funktionalität haben, modisch sind, aber auch für andere Freizeit-Aktivitäten genutzt werden können (Urlaub, Ausflüge, Radfahren usw.). Ein darauf konzentriertes, hoch-wertiges Sortiment an Textilien, Schuhen, Rucksäcken und Zubehör auf 500 qm in einem Shop mit Fachgeschäfts-Charakter, der die Sehnsucht zum „Draußen sein“ weckt. Darum Wanderzeit.

Das Geschäft mit Outdoor-Artikeln boomt, jeder will daran mitverdienen. Inwieweit befürchten Sie, dass das „Boot schon voll“ ist und dass Sportarena ein wenig spät mit einem spezialisierten Angebot auf den Markt kommt? Die Sportarena-Stores verfügen als Großflächen-Anbieter für ein Sport-Vollsortiment schon einige Jahre über einen hohen Anteil an Outdoor-Artikeln. So erhalten die Kunden dort auch eine Komplettausrüstung mit Zelten, Schlafsäcken, Matten, Kochgeschirr, Spezial-Rucksäcken mit bis zu 70 Litern Fassungsvermögen und vieles mehr, womit sie auch einen einwöchigen Abenteuer-Ausflug in Norwegen außerhalb jeglicher Zivilisation bestehen können. Mit dem Sportarena-Konzept werden einerseits das

Thema Outdoor-Sport und mit der Konzeption Wanderzeit andererseits die Freizeit-Aktivitäten Wandern, Spazierengehen, Tagesausflügler

abgedeckt und somit eine differenzierte Kundenansprache verfolgt.

Erläutern Sie uns doch kurz, mit welchem Konzept Sie sich von den etablierten Outdoor-Händlern abheben möchten. Das Wandern hat in den vergangenen Jahren einen positiven Imagewandel vollzogen. Dieser Trend ist auch auf einen immer höheren Stellenwert eines gesundheits- und bewegungsorientierten Lebensstils zurückzuführen. Die Tätigkeit wird verbunden mit Auszeit nehmen, Natur und Umwelt erleben, Gesundheit, Spaß, Geselligkeit und sozialen Kontakten. Die Bekleidung hat nicht nur einen funktionalen Wert, sondern dokumentiert nach außen auch einen gewissen Lebensstil: Eine bewusste, nachhaltige und aktive Lebensweise. Die für das Wandern entwickelten Produkte (funktional und modisch) werden zunehmend auch im alltäglichen Umfeld oder zumindest im Freizeit-Bereich genutzt. Das konzentrieren wir mit der Wanderzeit für unsere Kunden auf rund 500 qm mit ausgewählten Sortimenten und Marken.

Welche Betriebstypen stellen Sie sich vor? Zieht es Sie in die Innenstädte, in Einkaufszentren oder eher auf die „grüne Wiese“?

Für den ersten Pilotstore waren wir auf der Suche nach einem etwa 500 qm großen Standort in der Fußgänger-Zone (1A-Lage) einer mittelgroßen Stadt im Westen Deutschlands. Sowohl geografisch (Regionalität, Mikrolage) als auch soziodemografisch (Bevölkerung, Alter) passte Neuss genau ins

Schema. Den zweiten Piloten haben wir im Hamburger Elbe-Einkaufszentrum eröffnet. Diese 420 qm große Filiale ist im Norden und in einem Center gelegen. Im Sommer wollen wir einen weiteren Piloten in Süddeutschland eröffnen. Wir bitten um Verständnis, dass wir derzeit den genauen Standort noch nicht öffentlich machen wollen. Wir haben modulare und überregionale Sortimentsinhalte gewählt bzw. die Komponenten im Ladenbau und Visual Merchandising für eine schnelle Multiplikation ausgerichtet. Somit gibt es in Hamburg exakt die gleiche Optik wie in Neuss. Das ist auch im weiteren Verlauf so geplant.

Wie sieht Ihr Geschäftsplan aus und wie viele Läden möchten Sie in den nächsten zwei bis fünf Jahren entwickeln?

Wir beginnen in 2011 mit den Piloten in Neuss, Hamburg und im Süden Deutschlands. Ende des Jahres werden wir die Ergebnisse zusammentragen und auswerten und dann die Entscheidung über die zeitliche und mengenmäßige Komponente des Roll-Out treffen.

Wie definieren Sie Ihre Kern-Zielgruppe für Wanderzeit? Wir richten uns an alle Altersgruppen (deshalb zum Beispiel auch Kinderartikel im Sortiment), da wir aus aktuellen Untersuchungen wissen, dass Wandern und Spazierengehen insbesondere in heimischer Umgebung, quer durch alle Altersgruppen und Bevölkerungsschichten als moderne Freizeit-Beschäftigung angesehen wird. Gewandert wird also in allen Altersgruppen. Einen Starken Anteil machen auch Familien aus. Statistisch liegt der Schwerpunkt der Wanderer bei 45 plus.

Uns würde außerdem interessieren, was den Unterschied zur Sport-arena ausmacht. Wie differenzieren Sie für Wanderzeit die Sortimentsgestaltung? Das kleinflächigere Spezialformat Wanderzeit gibt dem Freizeit-orientierten Outdoor-Kunden eine klare Antwort und lässt die sportfokussierte Ausrichtung der Sportarena in wesentlichen Teilen außen vor. Daher sehen wir Wanderzeit auch nicht als Sport-Einkaufsstätte, sondern als alternative Einkaufsstätte für Freizeit-Gestaltung in der Natur. Wir konzentrieren uns auf die Freizeit-orientierten Sortimente Bekleidung, Schuhe und Rucksäcke sowie passendes Zubehör, wie zum Beispiel Wanderstöcke, Trinkflaschen, GPS-Geräte und Wanderkarten. In den Sortimenten fokussieren wir uns auch auf ausgewählte Marken. Führende Hersteller wie Jack Wolfskin, Schöffel, The North Face, Salewa und die Eigenmarke Unlicensed (UNLD) decken den klassischen Ausrüstungs-Bedarf mit wetterfesten Funktionsjacken, Fleece-Pullovern, Softshells, Hosen, Shirts, Hemden und Blusen ab. Der Bereich Wanderschuhe ist geprägt von namhaften Firmen wie Meindl und Lowa sowie Falke bei funktionellen Wandersocken. Abgerundet wird das Sortiment mit Tages-Rucksäcken von Deuter und Jack Wolfskin, Wanderstöcken von Leki sowie GPS-Geräten von Garmin.

Organisieren Sie den Einkauf für Wanderzeit über die vorhandenen Strukturen von Kaufhof und Sport-arena oder greifen Sie für das neue Format auf Lieferanten zurück, die bislang für Sportarena nicht relevant waren? Beim Einkauf der Ware für das Format Wanderzeit nutzen wir die vorhandenen Strukturen.

Zum Schluss ein Wort zu Sportarena selbst: In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Geschäfte mit 13 recht stabil geblieben. Welche Pläne gibt es, die Kette weiter auszubauen? 2010 hat sich das Geschäft sehr gut entwickelt, und wir sind auch für 2011 zuversichtlich. Als Sportarena GmbH und Tochter der Galeria Kaufhof GmbH gehören wir zur börsennotierten Metro AG. Deshalb bitten wir um Verständnis, dass wir uns nicht detaillierter äußern können. Die Sportarena hat sich als kompetenter Anbieter für Einsteiger, Hobbysportler und ambitionierte Leis­tungssportler etabliert sowie in punkto Einkaufsatmosphäre, Auswahl und Markenkompetenz in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt.

Das Interview führte Markus Huber.

kaufhof_deutsch_1

Autor: Markus Huber

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 14 / 2011