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Freundliche Übernahme im Rheinland

  • Ulrich Wittmann
  • Mittwoch | 26. Januar 2011  |  11:48 Uhr
Bad Neuenahr-Ahrweiler. In der Wirtschaft sind feindliche Übernahmen die Regel. Das jüngste Beispiel ist der ungewollte Aufkauf von Hochtief durch den spanischen ACS-Baukonzern.

Ganz anders verlief die Geschäftsübergabe von Intersport Nett an den Kollegen Krumholz (SFH Ausgabe 1/2011, S. 1). Langjährige freundschaftliche Kontakte und gegenseitiger Respekt ebneten den Weg zur Firmenübergabe, in der es nur Gewinner gibt und in dieser Form sicher Seltenheit besitzt. Auf der einen Seite steht Paul Nett, der in 32 Jahren ein beachtliches Sportgeschäft in Bad Neuenahr mit 1250 qm reiner Verkaufsfläche aufbaute. Sein Gegenüber ist die Familie Krumholz, seit 1949 im Sporthandel erfolgreich. Auf über 6000 qm Ladenfläche ist Intersport Krumholz im Laufe der Jahre angewachsen. Neben dem Stammhaus in Neuwied gibt es auch Filialen in Mayen, Andernach sowie Mülheim-Kärlich. sportFACHHANDEL sprach mit Paul Nett und Oliver Krumholz, wie dieser Deal zustande kam und wie es weitergeht.

sportFACHHANDEL: Wie hat sich Ihr Sportgeschäft in den letzten drei Jahrzehnten entwickelt?

Paul Nett: Durch die Bank verliefen die letzten 32 Jahre positiv. Nach meinem Betriebswirtschafts-Studium kam ich zufällig in den Sporthandel. In Bad Neuenahr gab es damals kein Sportgeschäft. Ich stellte eine BBE Untersuchung vor Ort an und eröffnete meinen Laden mit 60 qm Verkaufsfläche. Mittlerweile ist mein Geschäft auf eine reine Verkaufsfläche von 1250 qm angewachsen. Was als Ein-Mann-Betrieb begann, ist auf eine Belegschaft von über 20 Mitarbeitern angewachsen.

Was waren Ihre Gründe sich jetzt aus dem Sporthandel zurückzuziehen? Ein Grund für die Übergabe an die Familie Krumholz ist, dass ein bestimmter Investitionsbedarf bestand. In unserer Branche kennt man sich; mit der Familie Krumholz bin ich seit über 40 Jahren bekannt.

In diesem Fall gibt es nur Gewinner. Ich kann mein Sportgeschäft in kompetente Hände übergeben und Krumholz kann sich über

eine Expansion freuen. Das Unternehmen ist sehr vielseitig und kann in unserer Region noch viel umsetzen.

Welche Zukunftspläne haben Sie selber? Ursprünglich komme ich aus dem Gesundheitsbereich. Meine frühere Firma werde ich wieder beleben. Bevor ich Sporthändler wurde, legte ich als Pilotprojekte Nordic Fitnessparks in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz an. In Zukunft möchte ich in diesem Bereich auch die Aspekte Kultur und Gesundheit einfließen lassen. Zum Glück bin ich auch ein sehr vielseitiger Mensch.

Was lag Ihnen bei der Firmenübergabe besonders am Herzen? Für mich ist sehr wichtig, dass die Übergabe freundschaftlich erfolgte. Gerne denke ich daran, wie ich gegen Paul den Onkel von Oliver Krumholz, in der Volleyball Bundesliga gespielt habe. Ich weiß, in wessen Hände das Unternehmen übergeht. Extrem wichtig war für mich außerdem, was mit meinen Mitarbeitern passiert. Und die Familie Krumholz übernimmt die gesamte Belegschaft.

sportFACHHANDEL: Wie bahnte sich die Übergabe von Intersport Nett an?

Oliver Krumholz: Erste Gespräche gab es bereits Anfang August. Das Ganze fand eher in einem lockeren Rahmen zwischen Paul Nett und meinem Vater statt. Im Laufe der Zeit konkretisierte sich immer mehr die Idee einer Übernahme. Seit November 2010 führten wir konkrete

Gespräche und klärten Details.

Worin sehen Sie die Stärken von Intersport Nett? Intersport Nett ist sehr gut aufgestellt. Der Laden ist seit 32 Jahren in Bad Neuenahr ansässig und verfügt über entsprechend viele Stammkunden. Auch der Einzugsbereich ist interessant. Das Sortiment von Intersport Nett ist optimal und entspricht größtenteils unserer Firmenphilosophie.

Haben Sie aktiv nach einem Sportgeschäft gesucht, dass Sie übernehmen können? Grundsätzlich waren wir auf der Suche, denn wir wollen weiter wachsen. Da kam es allen Beteiligten sehr entgegen, dass sich unsere Familien seit Jahrzehnten kennen.

Wie sehen Ihre Pläne mit Intersport Nett für die Zukunft aus? Wir haben geplant den Laden umzubauen. In welchem Umfang das geschehen wird, eruieren wir in den nächsten Wochen. Sehr wichtig ist mir das Gespräch mit den Mitarbeitern. Mit jedem Angestellten von Intersport Nett werde ich ein Gespräch führen. Das ist mir ein Anliegen. Was Sortimentsmäßig zu tun ist, muss ich noch klären.

Das Interview führte Ulrich Wittmann.

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Autor: Ulrich Wittmann

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 02 / 2011