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Eybl fokussiert den Trend zur Natur und zum Bergsport

  • Hildegard Suntinger
  • Samstag | 09. Juli 2011  |  09:23 Uhr
Wels. In den zehn Eybl-Megastores wurden Ende März 2011 auf einer Fläche von 100 bis 150 qm Abteilungen installiert, wo der Kunde „alles für einen Tag im Freien – egal ob in der Stadt oder im Grünen“ findet.

In diesen betont Eybl das neue Format Urban Outdoor. Zudem sollen alpine Kompetenz-Zentren, erklärt Marketingleiter Florian Größwang, die Themen Expedition, Tourengehen und Klettern stärker fokussieren. Diese werden in Wien und Innsbruck, sowie an weiteren vier bis fünf Standorten österreichweit errichtet.

sportFACHHANDEL: Welche Ziel-gruppen sollen mit Urban Outdoor erreicht werden?

Florian Größwang: Mit Produkten für Damen, Herren und Kinder ist die Zielgruppe sehr breit. Das Programm eignet sich für alle, die in der Stadt unterwegs sind und deckt die gesamte Palette an Einsatzmöglichkeiten ab. Der Zukunftsforscher Matthias Horx hat in seinem Trend­report von einer Sehnsucht nach der Natur gesprochen – auch im städtischen Bereich. Damit ist Urban Outdoor fast schon zur Lebenseinstellung geworden.

Wie sind die Abteilungen sportthematisch angelegt? Gibt es eine Verschmelzung mit Streetwear? Es ist eher von einer Verschmelzung von Freizeit und Outdoor zu sprechen. Die Abteilung zeigt fließende Übergänge – ist in der Mitte drin. Es gibt auch Ausschnitte aus der Streetwear. Ich war kürzlich bei einem Konzert und habe gesehen, dass 50% der Jugendlichen Urban Outdoor tragen, meist ist es die Outdoor-Jacke zum Freizeit-Kleidungsstück Jeans. Ich sehe hier auch keine ausgeprägten markenspezifischen Besonderheiten.

Wie weit reicht das Urban Outdoor-Sortiment produktspezifisch? Der Fokus liegt auf Textil, Schuhen und Accessoires. In Verbindung mit Städtereisen spielen aber z.B. auch Segmente wie Taschen eine Rolle. Klassisches Produkt dafür ist die Umhängetasche. Aber auch Reisegepäck von Samsonite und Rucksäcke von Burton sind darin zu finden.

Welche Marken sind sonst noch dort zu finden? Die Hauptmarken sind Seven Summits, Jack Wolfskin, Odlo, Mammut, Salomon, Vaude, The North Face und Wild Roses.

Werden spezielle Preispunkte abgedeckt? Alle – von der Einstiegs-Preislage bis zu Premium. Die günstigste Jacke gibt es von Seven Summits

um 69 EUR, die teuerste von Lasse Kjus um 249 EUR.

Wo genau findet die Abgrenzung von Urban Outdoor zur konventionellen Outdoor-Abteilung statt? Die Definition erfolgt über die Nutzung des Kunden. Sucht er Produkte für eine Expedition, für eine Hochalpin-Tour, für das Wandern, für das Klettern oder für den städtischen Alltag. Es gibt aber auch Kunden, bei denen nicht Funktion, sondern Style im Vordergrund steht. Das sind die, die mit Shell-Jacken in der Stadt unterwegs sind.

Besonders aus Perspektive der Mode zeigt sich die Markenauswahl im Bereich Outdoor über die Jahre etwas monoton. Die üblichen,

bekannten Verdächtigen sind allgegenwärtig. Wie sehen Sie das? Wir legen großen Wert auf Markenvielfalt. In den letzten zwei Jahren haben wir unser Programm um eine Reihe von Marken ergänzt. Neuzugänge im urbanen Sektor sind Salomon, Vaude, Kjus und Wild Roses. Den Bereich Klettern haben wir mit Think Pink ergänzt und den Bereich Bergsport mit Dynafit und Patagonia. Im kommenden Herbst werden wir neu und ausschließlich in der

Filiale Wien/Vösendorf die Marken 66° North und Arc’teryx aufnehmen.

Wie ist das erste Kunden-Feedback auf das neue Format? Erfreulich gut. Besonders gut kommen Schuhe aus dem Sektor Urban Outdoor an.

Wie relevant ist die feminine Zielgruppe im Segment? Hoch, weil Style und Fashion speziell bei Bekleidung sehr wichtig sind.

Ist Urban Outdoor wirklich modisch genug für die Kundin? Hier gibt es noch Potenzial nach oben. Aber wir sind mit den Start-Kollektionen sehr zufrieden.

Haben sich bereits erste Stärken/Schwächen des Konzeptes gezeigt? Aus jeder Aktivität gibt es „Learning“. Manche Aktivitäten greifen besser

als andere. Die Erkenntnisse aus der ersten Saison werden wir zum Herbst/Winter 2011 umsetzen. Im Bereich Kommunikation/Marketing werden wir eingehend prüfen, wo das Thema bestmöglich medial ­platziert werden kann und wo es ­wenig Sinn macht. Dabei fließt auch das Feed-back von Kunden bzw. unseren Mitarbeitern in den Filialen ein.

Themenwechsel: Kürzlich war auch von alpinen Kompetenz-Zentren zu hören, die an fünf bis sechs ausgewählten Standorten installiert werden sollen? Ja, die Standorte Wien Mariahilfer-Straße und Innsbruck Bleichenweg stehen bereits fest. Außerdem soll das Konzept in Salzburg und Oberösterreich umgesetzt werden. Aber die Standorte stehen noch nicht genau fest. Mit diesen Kompetenz-Zentren wollen wir noch stärker in die Zielgruppe hineingehen und die Themen Expedition, Hochalpin-Touren und Klettern fokussieren. Wesentlich sind nicht nur qualitative Verbesserungen im Sortiment, sondern auch im Personal. Weiters planen wir neue Service- und Dienstleistungen. In der Filiale in Wien/Vösendorf, die zur Zeit erweitert wird, soll es z.B. ein Tourenski-Testcenter geben. Darüber hinaus möchten wir unseren Kunden auch Schulungen anbieten, wie etwa zum Thema Lawinensicherheit.

Wie sollen diese Zentren gestaltet sein? Das kann allgemein aufgrund der verschiedenen Flächenverhältnisse nicht gesagt werden. In der Filiale Wien Mariahilfer-Straße werden wir die Outdoor-Fläche allerdings verdoppeln. Das heißt, aus einer Etage werden zwei Etagen.

Wieviele Mitarbeiter pro Fläche werden damit befasst sein? Mehr Fläche bedeutet auch mehr Mitarbeiter. Wir werden aber ebenso an der Qualität unserer Mitarbeiter arbeiten. Die Core-Fläche ist sicher personalintensiver.

Inwieweit ist Klettern dabei ein Thema? Durch den Boom zu Kletterhallen ist Klettern zum Ganzjahres-Sport geworden. Damit sind auch die

Umsätze mit Klettersport-Produkten gestiegen. Besonders wichtig ist uns das Thema Bouldern, das sich zur Trend-Sportart für Kinder und

Jugendliche entwickelt hat. Über das Klettern und Bouldern wird die nachkommende Generation auch für andere Outdoor-Themen ansprechbar.

Welche Marktteilnehmer sehen Sie im Segment Outdoor am ehesten als Konkurrenz? Es ist nicht der filialisierte Sportartikel-Handel, den wir als Konkurrenz sehen. Vielmehr sind es die beratungsintensiven Bergsport-Spezialis-ten. Im Segment Bergsport geht es um Vertrauen und in dem Zusammenhang um kompetente Beratung.

Die Outdoor-Branche ist Vorreiter in punkto Ökologie. Wie steht man bei Eybl dazu, die Produkte betreffend und das eigene Unternehmen?

Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema für die Outdoor-Branche. Auch wir beschäftigen uns damit und haben verschiedene Konzepte in Ausarbeitung. Allerdings brauchen wir noch Zeit. Ich kann noch nichts darüber verraten. Es steht auch noch nicht fest, wann wir damit an die Öffentlichkeit gehen.

Soll Nachhaltigkeit auch Thema der Eigenmarke Seven Summits sein? Das gilt auch für unsere Eigenmarke Seven Summits. Stichwort Eigenmarke: Seven Summits ist nach der Gründung vor vier Jahren laut Eybl-Angaben zur umsatzstärksten Marke avanciert. Wie ist die aktuelle Entwicklung?

Sehr gut. Wir haben im Vorjahr 700.000 Teile verkauft und möchten dieses Jahr auf eine Million Artikel steigern.

Welche Segmente werden mit Seven Summits abgedeckt? Seven Summits deckt alle Bedürfnisse für den Bergsport ab: Bergsteigen, Skifahren, Snowboarden. Vor einem Jahr haben wir die Kollektion um das High End-Segment „Extreme“ ergänzt. Wie angekündigt wird zum Winter 2011/12 erstmals Skibekleidung von der österreichischen Skilegende Hermann Maier unter dem Label erscheinen.

Fast alle Sportartikel-Händler in Österreich setzen auf Outdoor: Wie schätzen Sie die weitere Marktentwicklung ein? Kein Ende des Booms in Sicht. Das Segment wird breiter. Dieser Entwicklung tragen wir mit Urban Outdoor Rechnung. In dieser Konstellation wird der Trend in den nächsten Jahren anhalten.

Das Interview führte Hildegard Suntinger.

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Autor: Hildegard Suntinger

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 14 / 2011