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Erst die Börse, dann das ganze Land

  • Markus Huber
  • Freitag | 16. März 2012  |  07:30 Uhr
Peking. Sanfo, der führende chinesische Outdoor-Spezialist im Einzelhandel, will es wissen und macht Ernst mit seinem Börsengang, der spätestens im nächsten Frühjahr über die Bühne gehen soll. sportFACHHANDEL sprach mit Sanfo-Inhaber Heng Zhang über die Perspektiven im chinesischen Sporthandel.

sportFACHHANDEL: Herr Zhang, wie liefen die Geschäfte im vergangenen Jahr?

Heng Zhang: 2011 war ein exzellentes Jahr. Wir konnten beim Umsatz um 55% zulegen. Insgesamt schlossen wir mit einem Umsatz von 32,5 Mio. USD ab. Flächenbereinigt konnten wir um 25% zulegen. Den Gewinn haben wir verdoppelt.

Mehr als 50% Wachstum? Wie machen Sie das denn? Sie müssen den Outdoor-Markt in China als ein kleines Baby verstehen, das ganz natürlich wächst. Für Europäer mag das vielleicht ein wenig überheblich klingen, aber wer hier nicht mehr als ein Wachstum von 30% schafft, verbucht nur geringe Steigerungen.

Wie hat sich das neue Jahr für Sie angelassen? Um ehrlich zu sein, waren der Januar und der Februar nicht so gut. Wie in Europa hatten auch wir keine gute Schnee-Saison.

Haben Sie im vergangenen Jahr neue Läden aufgemacht? Oh ja, und wir werden das auch 2012 tun. Im letzten Jahr öffneten wir sechs neue Geschäfte und verfügen nun über 31 Läden, davon neun in Peking. Wir werden hier (in der Hauptstadt, Anm. d. Red.) unseren zehnten in diesem Frühjahr aufmachen. Das Geschäft wird nicht sehr groß sein, vielleicht 100 qm, aber sehr prominent positioniert in der Nähe des Gebäudes von CCTV (des staatlichen chinesischen Fernsehens, Anm. d. Red.).

Welche Ladengröße macht denn Sinn in China? Wir betreiben Geschäfte in der Größenordnung von 500 bis 1000 qm Verkaufsfläche, aber im letzten Jahr haben wir bei unseren neuen Läden reduziert und eher in der Größenordnung von 200 qm eröffnet. Wir wollten ein wenig Geld sparen, um unseren Börsengang vorzubereiten.

Wie bitte, Börsengang? Aber sicher. Wir machen das. Wir wissen derzeit nur noch nicht, wann das Projekt abgeschlossen ist. Idealerweise noch dieses Jahr, spätestens aber im nächsten Frühling.

Was werden Sie mit dem Geld machen, das durch den Börsengang hereinkommt? Wir werden neue Läden öffnen. Der Börsengang hängt von den Hindernissen ab, den uns die Behörden in diesem Land auf erlegen. Wenn es in diesem Jahr nicht mehr klappt, werden wir 2012 fünf neue Geschäfte eröffnen. Im Falle eines erfolgreichen Börsengangs werden wir zwischen 2013 und 2014 in etwa 29 Geschäfte öffnen.

Das ist eine Menge. Verträgt Ihr Land bereits so viel Outdoor-Angebot? Sicher. Wie Sie wissen, leben in unserem Land viele Menschen. Wir sind bereits bestens präsent in den ganz großen Städten, aber es gibt ja auch noch die zweit- und drittrangigen Städte in China, die wir besetzen wollen. Drittrangig kann bei uns schon mal zwei bis drei Millionen Menschen bedeuten. (Zum Vergleich: Berlin hat derzeit eine Bevölkerung von etwa 3,5 Millionen Menschen, Anm. d. Red.)

Anscheinend operieren Sie in einem Wunderland. Haben Sie schon mal Geschäfte schließen müssen? Nein, aber ich muss zugeben, dass drei oder vier unserer Läden nicht sehr gut laufen. Besonders einer in Shenzhen macht überhaupt keine Freude, und wir denken darüber nach, dieses Geschäft zu schließen. Dafür gibt es mehrere Gründe: Wir kommen aus Peking und kennen den Winter. Den gibt es im Süden des Landes nicht, wo es einfach zu warm ist. Und dort haben wir einfach einen starken Wettbewerb, der für diese Regionen besser aufgestellt ist, als wir es derzeit sind.

Stufen Sie das Wachstum des chinesischen Outdoor-Markts als gesund ein oder fühlen Sie bereits eine gewisse Überhitzung? Grundsätzlich ist der Markt gesund, aber die Aktivitäten der führenden Marken machen mir durchaus Sorgen. Der Winter war nicht gut, und die führenden Anbieter setzten große Hoffnungen auf China. Die Folge war ein bemerkenswerter Waren-Überhang, der nun mit entsprechenden Rabatten ausgeglichen werden muss.

Ist diese Überhitzung auch im Fachhandel spürbar? Ja, bestimmte Markt-Teilnehmer mussten kürzer treten. Für mich persönlich ist das Beispiel von Gome Sport sehr interessant. Gome ist ein starker Elektronik-Händler mit etwa 1000 Geschäften in China. In 2009 trat Gome mit zwei Sportgeschäften an und versprach dann zunächst 100 weitere Shops für die nächsten drei Jahre, danach 50 und am Ende 20. Im Ergebnis schlossen die beiden bestehenden Läden gegen Ende letzten Jahres.

Und woran lag das? Vermutlich am fehlenden Augenmaß für die Fläche. Die beiden ersten Geschäfte bewegten sich auf einer Verkaufsfläche zwischen 3000 und 5000 qm. Das ist für China in der Regel einfach zu viel.

Inwieweit ist Online-Handel ein Thema in China? Wir sind sehr zufrieden, denn wir sind im vergangenen Jahr um 100% auf diesem Gebiet gewachsen. Aber der Anteil des Online-Handels liegt bei uns immer noch bei zwischen 2 und 3%.

Im Westen, das heißt in Europa und Nordamerika, wird ständig von Krise gesprochen. Spüren Sie diese Krise? Ja – und zwar im positiven Sinne. Wir verspüren mehr Interesse an chinesischen Unternehmen, denn die westlichen Firmen sehen genau, dass es in ihren Regionen schwieriger geworden ist voran zu kommen. Davon profitieren wir, was die Aufmerksamkeit anbelangt.

Das Interview führte Markus Huber.

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Autor: Markus Huber

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 06 / 2012