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Ein Jahr der schwedisch- japanischen Freundschaft

  • Markus Huber
  • Samstag | 09. Juli 2011  |  10:01 Uhr
Hoofddorp. Es war ein Paukenschlag, mit dem nicht mal Insider gerechnet hätten. Im Juli 2010 kaufte der japanische Laufschuh-König Asics den schwedischen Outdoor-Ausrüster Haglöfs.

Von Asics-Europa-Chef Alistair Cameron wollten wir wissen, wie die Zusammenarbeit der grundverschiedenen Partner nach zwölf Monaten gediehen ist. Im Interview mit sportFACHHANDEL verrät uns Cameron, wie beide Marken bislang voneinander profitieren konnten und wo die Grenzen der Kooperation zu setzen sind.

sportFACHHANDEL: Vor etwa einem Jahr kaufte Asics die Marke Haglöfs. Wie weit sind Sie bislang mit der Integration des schwedischen Anbieters auf globalem, europäischem und nationalem Level gekommen? Alistair Cameron: Wir haben Mitglieder des Asics-Teams hier in Europa und in der Zentrale, die im Management von Haglöfs arbeiten. Beide Unternehmen kooperieren harmonisch, um Dinge gemeinsam zu gestalten, wo es Sinn macht. Beide Marken haben eine sehr ähnliche Einstellung und Philosophie. Daher brauchte es nicht sehr viel Zeit, einander zu verstehen. Wir sind sehr optimistisch, dass wir schon in naher Zukunft gegenseitige Synergien nutzen können. Zum Beispiel auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit ist Haglöfs ganz weit vorne und liefert dem ganzen Konzern einen enormen Zusatznutzen. Darüber hinaus arbeiten wir daran, die Synergien zwischen den beiden Marken kräftig auszubauen. Wichtige Felder sind hier die Logistik im Fernen Osten, IT und Finanzen.

Als Asics die Marke Haglöfs übernahm, waren viele Beobachter des Marktes von dem strategischen Schritt überrascht. Inwieweit sind Sie mit dem Fortgang der Integration des neuen Unternehmens zufrieden? Die Zusammenführung beider Marken verläuft sehr effizient und die bisherigen Ergebnisse dieses Projekts haben unsere ursprünglichen Erwartungen übertroffen.

Grundsätzlich waren die Beobachter überrascht, dass Asics, ein wirklicher Global Player, sich eine Outdoor-Marke aussucht, die vornehmlich in Europa agiert und erst jetzt ihre Fühler nach anderen Regionen der Welt, zum Beispiel China, ausstreckt. Wie passt das zusammen?

Der Outdoor-Markt ist sehr speziell. Trotzdem glauben wir, dass Haglöfs und Asics sehr gut zusammenpassen, was die Philosophie betrifft. Wir haben überhaupt keinen Zweifel daran, dass Haglöfs das Potenzial hat, auch in Regionen der Welt zu wachsen, die es noch nicht betreten hat. Dazu gehört auch der Ferne Osten. Wir glauben, dass auch Haglöfs ein Global Player werden kann.

Standen andere Outdoor-Marken zum Verkauf? Was waren die Alternativen? Tatsächlich stand Haglöfs gar nicht zum Verkauf. Wir waren der Auffassung, dass die Marke ein starkes Konzept verfolgt und sich – wie wir auch – auf ihre Handwerks-Kunst konzentriert. Deswegen waren wir interessiert an diesem Unternehmen.

Wie steht es um die Synergien zwischen den beiden Unternehmen? Werden Haglöfs und Asics auch künftig getrennt arbeiten? Gibt es Pläne für eine gemeinsame europäische Organisation? Vom Grundsatz her werden beide Firmen getrennt operieren. Wir sind aber dabei, Gemeinsamkeiten zu finden. Das bezieht sich auf das Back Office und den gemeinsamen Willen, sich darüber auszutauschen, was der eine Partner vom anderen am besten nutzen kann.

Erzählen Sie uns mehr darüber, wie der Transfer von Know-how zwischen beiden Unternehmen funktioniert. Haglöfs’ Anstrengungen, den Schuhmarkt zu erobern, waren ja bislang nur begrenzt erfolgreich. Wie kann die schwedische Marke dank der Hilfe von Asics besser werden, um im Schuhgeschäft richtig Fuß zu fassen? Wir haben bereits begonnen, zusammen Schuhe unter dem Markennamen Haglöfs zu entwickeln. Dabei wird das Know-how von Asics ausgiebig genutzt. Haglöfs wird von Technologien bei Komfort und Pass­form profitieren sowie von der Fähigkeit, Schuhe zu machen, die leichter sind als das, was normalerweise in der Outdoor-Branche zu finden ist. Diese Schuhe werden bereits für Frühjahr/Sommer 2012 angeboten. Später wird es eine von Grund auf neu entwickelte Sohlenkonstruktion geben. Zudem arbeiten wir gemeinsam an Obermaterialien mit ­Gore-Tex-Futter.

Und wie wird Asics von Haglöfs‘ Kompetenz in der Entwicklung von hoch funktioneller Bekleidung profitieren? Haglöfs ist ganz weit vorne, was Softshells, die Nutzung von Gore-Tex, die Zusammenarbeit mit Bluesign-zertifizerten Lieferanten und seinen nachhaltigen Ansatz anbetrifft. Das wird Haglöfs bei seiner eigenen hochwertigen Bekleidungslinie und Asics bei der Trail-Running-Kollek­tion helfen. Für dieses Segment ist Asics gerade dabei, einen Teil des Designs und der Produktentwicklung für Schuhe und Bekleidung beider Marken nach Europa zu verlegen. Außerdem hat Haglöfs eine hochwertige Linie von Rucksäcken und Taschen für Asics’ Trail-Running-Kollektion entwickelt. Dabei konnte Asics auf das Equipment-Team von Haglöfs und dessen Erfahrung mit nachhaltigen Ressourcen und exzellentem Design zurückgreifen. Aus dieser Zusammenarbeit heraus entstand auch die nachhaltige Bekleidungslinie von Asics. Die Produkt-Teams arbeiten sehr eng zusammen und lernen eine Menge voneinander, was sich für beide

Marken wirklich auszahlt.

Kommen wir zum Schluss auf den Vertrieb: Die Verkaufsstrategie von Asics ist grundsätzlich verschieden vom Haglöfs-Vertrieb. Werden die beiden Marken künftig auch auf diesem Gebiet zusammenarbeiten – und wenn ja, wie? Jede der beiden Marken verkauft in unterschiedliche Vertriebskanäle, und dieses Geschäft wird auch künftig getrennt behandelt werden. Der Outdoor-Markt ist sehr speziell und verschieden vom generellen Sport-artikel-Markt. Daher gibt es keine Pläne, die Vertriebe zu kombinieren. Beide Marken haben eine einzigartige Identität, und das wollen wir langfristig bewahren. Wir können aber gegenseitig voneinander lernen, was Verkaufsschulungen und -techniken anbelangt.

Das Interview führte Markus Huber.

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Autor: Markus Huber

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 14 / 2011