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Echte Rocker knattern mit Baseline-Ski auf die Piste

  • Reinhard Schymura
  • Dienstag | 16. Februar 2010  |  09:51 Uhr
Penzberg. Vom professionellen Eishockey-Spieler zum Geschäftsführer von K2 Sports Europe: Peter Kuba (42) ist Vollprofi, auch auf der alpinen Piste.

„Wir müssen uns mit unseren Ski nicht mehr verstecken“, denn die Zeiten sind vorbei, in denen „der Irrglaube herrschte, nur Firmen, die im Rennlauf aktiv sind, können gute Alpinski bauen.“ Die Einführung des ersten, breiten All-Mountain-Ski („Explorer“) vor über zehn Jahren war der Auftakt. Mit der Umsetzung der Rocker-Bauweise aus dem Snowboard-Bereich folgt nun mit der Baseline-Technologie der Beweis, „dass wir in Sachen Innovationen und Trends anderen oft voraus sind“. sportFACHHANDEL wollte vom Europa-Boss mehr über den „amerikanischen Traum“ wissen.

sportFACHANDEL: Wie liegt K2 in Deutschland umsatzmäßig gegen-über dem Vorjahr im Rennen? Hat sich die allgemeine Lage im Handel nach zwei schlechten Wintern gefolgt von zwei guten Saisons entspannt? Konzentriert sich der Handel generell weiter auf weniger Marken?

Peter Kuba: K2 Sports Europe hat in den letzten drei Jahren ein kontinuierliches Wachstum hingelegt, und das trotz einer Stagnation des Marktes speziell in den Wintersegmenten. 2009 stieg der Umsatz um rund 10% auf knapp 60 Mio. EUR und wir gehen von ähnlichen Werten für 2010 aus. 20% unseres Umsatzes wird dabei in Deutschland getätigt. Der Anteil der K2 Ski Sport + Mode GmbH am weltweiten Umsatz von K2 beträgt ca. 35% (ausgenommen die eigenständigen Niederlassungen in England und Norwegen). Ausschlaggebend für uns sind dabei sicherlich die erfolgreiche Integration neuer Marken und der Ausbau unseres europäischen Vertriebs-Netzwerkes. Die allgemeine Lage hat sich sicherlich wieder leicht stabilisiert. Jedoch konzentriert sich der Handel immer mehr auf Partner auf die er sich in Bezug auf Lieferperformance, Produktqualität, Customer Service und auch Marketing-Support verlassen kann. Bei K2 Sports hat der Händler aufgrund unseres breiten Produkt- und Markenportfolios darüber hinaus noch den Vorteil des „One Stopp Shopping“, da speziell auf der operativen Seite oft nur mehr mit 1 bis 2 Personen pro Abteilung (Customer Service, Buchhaltung) für mehrere Marken gesprochen werden muss, was den organisatorischen Ablauf (Nachorder, Garantie) für den Händler enorm erleichtert.

Welchen konkreten Stellenwert haben bei K2 hierzulande Alpin, Langlauf und Snowboard im Verkauf? Wie sieht da Euer internes Ranking aus und wie eure Position im deutschen Markt? K2 Ski und K2 Inline-Skate machen ca. je 30% des europäischen Gesamtumsatzes aus, der Snowboard-Bereich liegt knapp dahinter mit 25%, wobei das Verhältnis von Ride und K2 annähernd gleich ist. Die restlichen 15% werden von den übrigen Marken und Produktgruppen gemacht. Der Langlauf-Bereich mit Madshus hat auf den europäischen Umsatz wenig Einfluss, da über K2 Sports Europe nur Deutschland und Österreich betreut werden und alle anderen Länder direkt über die Zentrale in Norwegen laufen. Mit K2 Ski liegen wir in

Europa ungefähr an sechster Stelle, in Deutschland an vierter Stelle. Mit K2 Snowboarding und Ride Snowboards sind wir in Europa klare Nummer zwei.

Welche Rolle spielen Schneeschuhe und Schlittschuhe? K2 hat ja den Vertrieb in die eigenen Hände genommen. Schneeschuhe spielen für K2 eine sehr wichtige Rolle. Mit Atlas und Tubbs ist man Weltmarktführer im Aluminium Segment und seit letzten Jahr mit der Einführung der Flex-Serie von Tubbs auch Technologieführer im Plastikbereich. Wir sehen auch die nächsten Jahre bei Schneeschuhen starkes Wachstumspotential und werden deshalb stark in neue Technologien investieren.

Bei Ice-Skates vertrauen wir auf die bewährte K2-Softboot-Technologie und Designs aus der K2-Inline-Skates Linie. Perfekte Passform und trendige Optik stehen im Vordergrund. Die ersten beiden Saisonen waren besonders in den starken Inline-Skate- Märkten wie Deutschland, Schweden, Frankreich und einigen osteuropäischen Märkten sehr erfolgreich.

Kurze Zwischenfrage zum Sommersport: Wie sieht es rückblickend bei Inline-Skates im deutschen Markt aus, wie läuft die Vororder für dieses Jahr? Wie entwickelte sich bei Euch die kalifornische Triathlon-Marke Zoot, die K2 Sports vor einem Jahr kaufte? Die letzte Skate-Saison ist sehr gut verlaufen, nicht nur in Deutschland. Viele Märkte haben sich durch die sehr positive Wetterlage im Frühjahr 2009 stabilisiert. Auf einem stabilisierten Markt konnten wir wieder Marktanteile gewinnen, sind in den meisten Ländern deutlicher Marktführer und konnten zusätzlich den erzielten Durchschnitts-Verkaufspreis erhöhen, was natürlich auch dem Handel zu gute kommt.

Zoot ist bis dato eine Core-Triathlon Marke, die im Triathlon absolut etabliert und ein Komplettanbieter ist. Die Ausrichtung für die Zukunft liegt neben Triathlon im Running-Bereich. Die Palette wird stark um diese Produkte erweitert, wobei unser Know-how aus dem Triathlon-Bereich äußerst hilfreich ist.

Wieder zurück zum Winter: Mitte Dezember startete Eure Tour mit BMW, um die neue Back-Side-Serie zu promoten. Was verspricht sich K2 von dem Touring-Segment? Mit der neuen Backside-Serie besetzen wir ein Segment im Skimarkt, das in den letzten Jahren immer wichtiger wurde. In dieser Kategorie sind alle Ski zusammengefasst, die sich abseits der Piste am wohlsten fühlen: vom reinen Abfahrt orientierten Freeride-Ski bis hin zum leichten Touren-Ski, alle wahlweise kombinierbar mit Alpin-, Touren- oder Telemark-Bindung. Speziell im Tourensegment sehen wir eine rege Nachfrage beim Endverbraucher.

Mit der BMW X1 Live Tour bieten wir Endverbrauchern in ganz Europa auf ausgewählten Tourstopps die Möglichkeit, sowohl den neuen BMW X1, als auch unsere neuen Ski und Snowboard Modelle auf Herz und Nieren zu testen. Begeleitet wird das ganze durch ein umfangreiches Rahmenprogramm wie Freestyle-Shows unserer Teamfahrer oder durch von unseren Berg- und Skiführern geführte Touren abseits der Piste.

Wo sehen Sie deutliche Stärken in den alpinen Sortimentsbereichen, wo muss K2 noch Überzeugungsarbeit im Handel leisten? Sind zusätzliche Marketingaktionen geplant? Überzeugungsarbeit war von uns in der Vergangenheit speziell bei Pistenski nötig, da bis vor einigen Jahren der Irrglaube herrschte, nur Firmen, die im Rennlauf aktiv sind, können gute Pistenski bauen. Mittlerweile sinkt aber das Interesse am Rennlauf auch beim Endverbraucher und man sieht eine Tendenz zum vielseitigeren All-Mountain-Ski. Auch geben uns die zahlreichen jährlichen Skitest-Ergebnisse Recht, dass wir uns mit unseren Ski nicht mehr verstecken müssen. Und der Erfolg ist auch auf internationaler Ebene messbar, da wir stetig wachsen. Mit unseren etwas anderen Marketingaktionen versuchen wir, den Spaß am Skifahren in den Vordergrund zu stellen. Parallel versuchen wir mit groß angelegten Handelsmarketing-Aktionen und einem entsprechendem Merchandising-Programm den Handel zu schulen und den Abverkauf zu

fördern.

Wo gibt es für Euch wichtigere Trends – eher auf oder neben der Piste? Definitiv auf der Piste. Seit Entwicklung der Carving-Ski gab es keine wirklichen großen Innovationen. Die meisten Mitbewerber sind zwar mittlerweile auch auf den Zug der breiteren All-Mountain-Ski aufgesprungen. Für K2 war dieses Segment aber mit der Einführung des Explorers, dem ersten breiten All-Mountain-Ski vor über zehn Jahren, jetzt keine wirkliche Neuerung mehr, sondern hat uns nur bestätigt, dass wir in Sachen Innovationen und Trends anderen oft voraus sind. Ähnlich wird es mit unserer neuen Baseline-Technologie sein. Die Rocker-Bauweise gibt es schon seit einiger Zeit im Snowboard Bereich. Auch bei Ski hat sich diese Konstruktion, bei der eine Aufbiegung der Schaufel mit traditioneller Vorspannung kombiniert wird, bei Freeride-Ski durchgesetzt. Bei unzähligen Produkttests wurde uns aber klar, dass diese Konstruktion auch auf Pistenski ihre Berechtigung hat, vorausgesetzt man setzt sie gezielt ein. K2 präsentiert ab der Wintersaison 2010 nun diese neue Technologie, bei der die präzise Abstimmung von Vorspannung und Rocker-Stärke über die gesamte Länge des Ski

hinweg für optimale Kontrolle und Performance im entsprechenden Einsatzgebiet sorgt. Die Vorspannung gewährleistet Power, Kantengriff und Kontrolle, während der Rocker für zusätzliche Vielseitigkeit und Drehfreudigkeit sorgt. Das Umsetzen der Ski in der Kurve wird so einfacher und das Risiko des Verschneidens minimiert. In der Kurve hat man jedoch nach wie vor 100% effektive Kante und somit volle Performance und Kontrolle. Insgesamt wird es sechs verschieden Konstruktionen geben: Speed Rocker, All Terrain Rocker, Catch Free Rocker, Jib Rocker, Powder Rocker und traditionelle Vorspannung.

Stichwort Women Camps: Ist der Lady-Ski-Anteil weiter gestiegen oder bei K2 schon ausgereizt? Wie ich meine, lagen Frauenmodelle bei Euch zuletzt bei gut einem Drittel aller verkauften Bretter? Das Damensegment macht bei K2 über alle Produktbereiche immer noch knapp 30% aus, also mehr als im Markt üblich ist. Und die Umsatzzuwächse liegen etwa im gleichen Verhältnis wie in den anderen Produktbereichen. Wir glauben noch immer an das Konzept, dass Produkte für Frauen entsprechend von Frauen mit entwickelt und abgestimmt werden müssen. Als eine der ersten Firmen am Markt produzierten wir Ski, Snowboards und Inline-Skates speziell für Frauen. Auch im Handel und beim Endverbraucher macht sich dieser Einsatz bemerkbar, denn unsere Abverkaufszahlen sprechen für sich. Unsere Marketingaktivitäten wie Women Camps, die Kooperation mit der BCRF und nationalen Organisationen zur Bekämpfung und Erforschung von Brustkrebs sowie unsere Women Alliance sind dabei stark am Erfolg beteiligt.

Was genau produziert K2 in China? Wovon profitiert K2, was muss dafür in Kauf genommen werden? K2 produziert alle Ski und Snow-

boards bei Shakespeare, einer eigenen Tochtergesellschaft von Jarden. Shakespeare ist Produzent von Angelruten und hat daher enormes Wissen und einen hohen technologischen Standard bei der Verarbeitung von Materialien wie Carbon und Fiberglass. Der Vorteil ist, dass alle unsere Ski und Snowboards aus der gleichen Fabrikationsstätte kommen. Dementsprechend hervorragend ist die Qualität. Aufgrund des Backoffices in Asien und unseren Purchasing-Abteilungen haben wir perfekte Bedingungen geschaffen, unsere Produkte mit entsprechenden Standards (Qualität, Lieferzeit, etc.) in die Märkte zu bringen. Nachteile gibt es für den europäischen Markt eigentlich keine, einzig das Order-Szenario (unter anderem Produktionsfenster, Forecasts, Lieferzeiten) musste an die Bedürfnisse des Marktes angepasst werden.

Das Interview mit Peter Kuba

führte Reinhard Schymura.

Autor: Reinhard Schymura

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 03 / 2010