• sportFACHHANDEL – Das Insider-Magazin mit News · Fakten · Hintergründen

Die Zeiten der großen Expansion sind vorbei

  • Hildegard Suntinger
  • Donnerstag | 07. März 2013  |  11:36 Uhr
oesterreich_5
Reinhard Schaffler
Graz. Reinhard Schaffler (44) ist seit November 2012 neuer Geschäftsführer bei Gigasport. Er wechselte von Mammut Austria zum Grazer Sportfilialisten (SFH Ausgabe 21.22/2012, S. 20) und spricht über den jüngsten Deal mit der Sport 2000 sowie die Zukunft der Tochter von Kastner & Öhler.

sportFACHHANDEL: Welche konkreten Vorteile erwarten Sie sich von der strategischen Partnerschaft mit Sport 2000?

Reinhard Schaffler: Die Sport 2000 hat einen Marktanteil von fast 22%. Gemeinsam erreichen wir ein Marktvolumen von knapp 29%. Dabei haben wir weder den Status einer Mitgliedschaft noch werden wir deren Corporate Identity nutzen. Beide Unternehmen bleiben autark. Wir werden die Partnerschaft auch nicht auf der Ebene der Eigenmarken nutzen, da wir uns als Teil der Euro-family an deren Eigenmarken bedienen können. Am Anfang werden wir die Partnerschaft mit der Sport 2000 vor allem auf der Ebene der Markenhersteller für den gemeinsamen Einkauf nutzen. Langfristig denken wir aber auch Marketing-Kooperationen an, wie etwa mit dem Skiverleih.

Welche Richtung werden Sie einschlagen? Wir werden uns auch in Zukunft weitgehend aus den Preisschlachten heraushalten, um uns im Gegenzug über gutes Personal und Beratung zu profilieren. Daran wird sich nichts ändern. Neuerungen betreffen primär den Einkauf. In Zukunft werden wir auf Themeneinkauf setzen. Das bedeutet, dass wir nicht mehr nach Produktgruppen, wie etwa Jacken einkaufen werden, sondern nach Sportarten. Die zuständigen Einkäufer werden also nicht mehr Know-how in Produktgruppen, sondern in Sportarten haben. Voraussetzung ist, dass sie die Sportart auch selbst ausüben, um mit den Anforderungen vertraut zu sein. Diese Kompetenzverteilung soll innerhalb des bestehenden Teams vorgenommen werden.

Was erwarten Sie sich von dieser Neuerung? Mit dieser Strategie möchten wir unser Denken dem des Konsumenten anpassen. Der Konsument kauft sich Produkte, die er für das Ausüben einer Sportart braucht. Wir wollen den Endverbraucher in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellen. Deshalb soll diese neue Denkrichtung im Einkauf auch auf den Verkauf übertragen werden. Der Anteil unserer Pluscard-Kunden liegt bei über 50% und wir möchten in Zukunft noch intensiver mit unseren Kunden zusammenarbeiten. Deshalb denken wir auch über zusätzliche Service-Leistungen nach. Das wird in Richtung Personal Shopping gehen. Der Verkäufer soll gemeinsam mit dem Kunden darüber nachdenken, was dieser für seine Sportaktivitäten braucht.

Lassen sich Projekte dieser Art österreichweit umsetzen? Die Kluft zwischen dem Stammhaus in Graz und anderen Standorten ist teilweise groß. Graz ist unser Heimmarkt und die Sport-Fläche im Stammhaus ist die erfolgreichste. Bevor wir die Umsetzung neuer Services in Erwägung ziehen, werden wir sie immer erst hier testen.

Welche Konsequenz wird die neue Strategie auf das Sortiment haben? Es braucht einerseits eine gewisse Sortimentsbreite, um Kompetenz und Innovationskraft auszustrahlen. Aber die wahre Kunst liegt in einer gewissen Sortimentstiefe und der Verfügbarkeit der richtigen Ware zum richtigen Zeitpunkt. Dieses Ziel erfordert u.a. auch eine Konzentration auf einen bestimmten Lieferantenkreis. Das ist ein Thema, mit dem wir uns rund um die Uhr beschäftigen.

Wie sieht es mit den Flächen in Österreich aus? Wir haben Jahre starker Expansion hinter uns. Die Zeit ist vorbei. Die Marktnachfrage ist stagnierend. Aber natürlich denken wir auch weiter über Standorte nach. Aktuell haben wir den Rückzug vom Standort Ried beschlossen. Wir sehen unsere Stärke regional da, wo unsere Marke auch bekannt ist, also primär im Raum Südost-Österreich. Ried zählt nicht dazu. 14 unserer insgesamt 17 Standorte befinden sich in der Region Südost (Wien, Niederösterreich, Steiermark und Kärnten), drei weitere in Tirol und Vorarlberg.

Wird es weitere Projekte nach dem Vorbild des Salewa-Shops in Villach geben? Ja, wir wollen noch stärker mit strategischen Partnerschaften arbeiten, um unsere Kernkompetenz zu nutzen. Das sind Synergie-Effekte, die wir zur Stärkung unseres Profils nutzen möchten.

Das Interview führte Hildegard Suntinger

Autor: Hildegard Suntinger

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 06 / 2013