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„Die Chemie hat von Anfang an gestimmt“

  • Markus Huber
  • Mittwoch | 26. Januar 2011  |  11:42 Uhr
Mainhausen. Die Verzahnung der großen Schuh-Einkaufsverbände ­ANWR und Garant Schuh + Mode, die ihre Kräfte seit Mai 2010 bündeln, schreitet nun auch im Sport voran.

ANWR-Tochter Sport 2000 begrüßt zum Jahreswechsel nicht weniger als 40 Fair Play-Händler in den

eigenen Reihen. Im Interview mit sportFACHHANDEL berichtet Geschäftsführer Andreas Rudolf von seinen ersten Erfahrungen mit den Neulingen. Sein Eindruck: Wenn die Mentalität passt und die Geschäfte ein seriöses Sportsortiment darstellen können, stellen neue Mitglieder immer eine Bereicherung für die ganze Gruppe dar.

sportFACHHANDEL: Herr Rudolf, wie kamen die ersten Anknüpfungspunkte zwischen der Sport 2000 und den Händlern der Fair Play zustande? ­Andreas Rudolf: Das war ein ganz normaler Vorgang: Nachdem sich ­ANWR an der Garant beteiligte hatte, luden wir diese Händler ganz selbstverständlich zu unseren Messen nach Mainhausen ein, damit sie sich einen ersten Eindruck von unserer Organisation verschaffen konnten.

Und was war Ihr erster Eindruck von den Händlern? Mein spontaner Eindruck war der, dass es sich bei den Kollegen um ganz normale Händler handelt.

Jetzt erklären Sie uns doch bitte, was Sie unter einem „normalen“ Händler verstehen… Ein normaler Händler ist für mich ein Unternehmer, der ein mittelständisches Geschäft betreibt. Das sind keine Konzerne oder Flaggschiffe oder solche, die nur sehr geringfügige Umsätze tätigen. In diesem Sinn entsprachen die Händler, die wir im letzten Sommer bei uns begrüßen durften, so ziemlich der Struktur, die für uns bei Sport 2000 ganz normal ist.

Gab es denn keine Berührungsängste? Nein, überhaupt nicht. Die Kollegen haben sich von Anfang an sehr aufgeschlossen gezeigt, aber auch recht kritisch. Das ist nur zu verständlich, wenn man berücksichtigt, was die Kollegen in den letzten Jahren alles miterlebt haben (das mehrjährige Insolvenzverfahren der Garant, Anm. d. Red.). Sie beschäftigte gewissermaßen die Frage: „Was passiert denn jetzt schon wieder mit mir?“ Das hat sich aber sehr schnell gegeben, und außerdem haben wir überhaupt nichts dagegen, wenn uns neue Interessenten kritische Fragen stellen. Das wollen wir sogar, denn jeder soll wissen, woran er mit seinen neuen Partnern ist. Insofern hat die Mentalität der neuen Mitglieder perfekt zu unserem Leitbild gepasst, das ich mit „professionell – authentisch – persönlich“ beschreiben möchte. In diesem Sinne hat die Chemie zwischen den Interessenten und uns sofort gestimmt.

Reden wir bei den Fair Play-Händlern, die jetzt der Sport 2000 beigetreten sind, eigentlich von wirklichen Sporthändlern oder doch eher von Schuhgeschäften mit einer mehr oder minder großen Sportabteilung? Wichtig ist dabei, zunächst einmal festzuhalten, dass die absolute Größe des Geschäfts keine vordringliche Rolle spielt. Es ist gut, dass sich unter den Fair Play-Händlern, die wir gewinnen konnten, keine Riesenkonzerne befinden und auch keine Läden mit einem marginalen Sportangebot. Insofern passen alle neuen Partner sehr gut in die Struktur, die die Sport 2000 kennzeichnet. Uns geht es in erster Linie darum, dass die Geschäfte, die wir aufnehmen möchten, eine eindeutige Aussage in Sachen Sport großschreiben.

Was können wir uns unter einer „eindeutigen Aussage“ vorstellen und wie prüft man das nach? Das kann man sehr genau nachprüfen und zwar nicht nur anhand von Zahlen. Unsere Berater sind im letzten halben Jahr viel gereist und waren vor Ort auf der Fläche, um sich das im Detail anzuschauen. Die Ambitionen des Partners im Sport müssen seriös und auf den ersten Blick erkennbar sein. Das ist unser Anspruch: Der Händler muss die Sichtbarkeit des Sortiments Sport gewährleisten, damit er zu uns passt.

Also keine Schuhhändler, die auch ein paar Turnschuhe mitverkaufen? Nein, auf keinen Fall. Dieser Klientel empfehlen wir, bei der Garant zu bleiben, um deren hervorragendes Dienstleis­tungs-Spektrum zu nutzen. Es geht ja hier nicht um das Zentralregulierungs-Volumen alleine, denn wir von der Sport 2000 besorgen die Zentralregulierung der Sportumsätze der Kollegen von ANWR ohnehin schon. Nein, es geht um die seriöse Darstellung des Themas Sport am Point of Sale, und dafür setzen wir auch den Verkauf von Textilien und Hartware voraus.

Wie viele Fair Play-Händler werden Sie also in absehbarer Zeit in der Sport 2000-Gemeinde begrüßen können? Nun, die Dinge sind derzeit von Tag zu Tag im Fluss: Von den ursprünglich 74 Fair Play-Partnern haben wir zum Jahreswechsel 34 aufgenommen; gegen Mitte Januar waren es bereits 40. Wir sehen ein Potenzial für 20 bis 25 weitere Händler, die wir uns bei der Sport 2000 gut vorstellen können.

Und was passiert mit der Handvoll „übriger“ Händler? Die übrigen Händler ziehen mehr Vorteil aus ihrer bestehenden Mitgliedschaft bei Garant als bei uns. Teilweise sind das gut positionierte Schuhhändler, deren Engagement im Sport einfach zu gering ist, als dass eine Mitgliedschaft bei der Sport 2000 Sinn machen würde. Schauen Sie, wenn es ein Händler gerade mal auf ein ZR-Volumen von 100.000 oder 150.000 EUR im Sportbereich bringt, dann ist damit weder dem Händler noch uns wirklich geholfen. Dafür steht der Aufwand bei beiden Seiten nicht.

Wie sieht die Situation eigentlich in der Schweiz aus, wo Fair Play traditionell gut positioniert und Sport 2000 noch eher neu am Markt ist? Gut, bisher haben wir nur über Deutschland gesprochen. Unser Unternehmen in der Schweiz agiert weitgehend eigenständig, so dass sich dort eine andere Situation ergibt, über die wir vielleicht in ein paar Monaten noch einmal sprechen sollten. Für den Moment haben wir in der Schweiz den Sachverhalt, dass 74 Händler eine doppelte Mitgliedschaft bei beiden Gruppen haben. Die Schweizer Fair Play-Händler haben ganz selbstverständlich Zugriff auf einige unserer Dienstleistungen wie unsere Ordermessen in Zürich.

Fair Play hat sich in den vergangenen Jahren bemüht, Profilierungs-Konzepte zu entwickeln, die auf Spezialisierung in Richtung Teamsport, Outdoor oder Running abzielen. Ist das nicht auch was für die Sport 2000? Wie Sie wissen, sind wir in diesen Segmenten sehr gut profiliert, was nicht heißen soll, dass wir uns das nicht anschauen. Die Konzepte, die es gibt, werden ernsthaft geprüft, keine Frage, und wo es Sinn macht, werden Ideen übernommen. Da sind wir immer offen für gute Anregungen.

Beinhalten die Partnerschafts-Verträge mit den Fair Play-Händlern auch, dass sie das Erscheinungsbild der Sport 2000 übernehmen dürfen bzw. müssen? Dürfen ja, müssen ganz sicher nicht. Das Erscheinungsbild der Sport 2000 mit den damit verbundenen Möglichkeiten im Ladenbau ist ein Baustein unseres Dienstleistungs-Spektrums, das wir anbieten, aber kein Pflichtpunkt in unseren Partnerschafts-Verträgen. Uns geht es nicht in erster Linie um Vereinheitlichung, sondern um ein gesundes Maß an Vielfalt, und da sind unsere neuen Kollegen von Fair Play – so viel kann man jetzt schon mit Gewissheit sagen – eine große Bereicherung.

Das Interview führte Markus Huber.

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Autor: Markus Huber

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 02 / 2011