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Den Gesamtüberblick gibt es nur in München

  • Markus Huber
  • Mittwoch | 02. Februar 2011  |  07:27 Uhr
München. Die Rahmenbedingungen passen: Schnee hatten wir besonders in der ersten Phase dieses Winters noch und nöcher, und die Konsumbereitschaft in Mitteleuropa lässt nicht viel zu wünschen übrig.

Beste Voraussetzungen also für eine erfolgreiche Ispo. Deren Chef, Klaus Dittrich, setzt uns im Gespräch auseinander, warum der internationale Fachhandel um einen Messebesuch nicht herumkommt – auch wenn das Internet und andere Informationsquellen den Wettbewerb zur Zentralveranstaltung in München um einiges verschärfen.

sportFACHHANDEL: Herr Dittrich, im vergangenen Jahr feierten Sie Ispo-Premiere als neuer Chef der Messe München. Hatten sich Ihre Erwartungen erfüllt, mit welchen Perspektiven gehen Sie in die zweite Runde?

Klaus Dittrich Die Ispo 10 schloss mit Rekordergebnissen bei Ausstellern, Besuchern und Nettofläche ihre Tore. Insofern wurden meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Auch die Zeichen für diese Ispo stehen gut. Nach heutigem Stand können wir die exzellenten Ergebnisse von 2010 in Sachen Aussteller und Nettofläche nochmals steigern. Und mit dem hervorragenden Aussteller- und Marken-Portfolio sehen wir auch zuversichtlich einer guten Besucherbilanz entgegen.

Erstmals richten Sie mit „Ispo on Snow“ ein dreitägiges Demo-Event in Österreich aus. Wie war bislang die Resonanz auf das neue Angebot von Seiten der Lieferanten und der Händler? Die Rückmeldungen aus der Branche sind positiv. Wir werden unser Ziel von zwanzig Lieferanten aus dem Freeski-Segmenet wohl erreichen. Auch bei den Zimmerbuchungen sind wir zufrieden, diese werden allerdings direkt über unseren Partner Hintertux abgewickelt. Mit der “ispo on snow demo“ möchten wir unser Serviceangebot ausbauen und auch nicht verbandsgebundenen sowie internationalen Fachhändlern eine erlebnisorientierte Möglichkeit bieten, die auf der Messe vorgestellten Produkte direkt im Schnee zu testen. So kann er sich ein umfassendes Bild von den Produktneuheiten machen, das für ihn optimale Sortiment wählen und seine Kunden mit Erfahrungen aus erster Hand beraten.

Die Informationsbeschaffung im B2B-Bereich ist dynamischen Veränderungen unterworfen. Ob Order-Shows der Verbände oder das Internet – wie positioniert sich die Ispo als zentrale Branchen-Plattform vor dem Hintergrund eines verschärften Wettbewerbs? Sicherlich geben das Internet oder die Hausmessen der Einkaufsverbände einen guten, wenngleich eingeschränkten Markt-überblick. Wer sich umfassend über den Markt und die Produktinnovationen der Industrie informieren möchte, muss Messen besuchen. Denn nur mit einem Gesamtüber-blick kann der Fachhändler das Risiko einer falschen Sortiments-Zusammenstellung minimieren und sich im Markt optimal positionieren. Die Ispo gewährt als Multisegment-Messe zuverlässig einen Gesamt-überblick über die kommenden Trends der Sportartikel-Industrie. So kann sich der Fachhandel an einem Ort und zu einem Zeitpunkt über die für ihn relevanten Innovationen informieren und zusätzlich seine Kontakte pflegen. Zukünftig wird sich die Ispo aber noch stärker von der Informations- und Networking-Plattform zu einem Full-Service-Dienstleister entwickeln. Ziel der Services wird es sein, die Kunden bei ihrer Entwicklung zu unterstützen und ihnen zu helfen, neue Märkte erfolgreich zu erschließen. Hier möchte ich das Distributor-Matchmaking der Ispo China nennen, geplant sind aber auch spezielle Export-Seminare.

Wie beurteilen Sie derzeit die Chancen, auch im Sommer wieder eine funktionierende Informations-Veranstaltung in Gang zu bringen? Sehr gut. Wir haben mit der Bike Expo bereits eine funktionierende Informations-Veranstaltung im Sommer in Gang gebracht. Die Bike Expo wuchs 2010 in allen relevanten Bereichen zweistellig und hat damit bereits in ihrem zweiten Jahr stark an Bedeutung gewonnen. Wir sind fest davon überzeugt, dass wir hier in München das Potenzial haben, die Bike Expo so auszubauen, dass sie auch international einen großen Erfolg haben wird.

Stichwort Globalisierung. Wie sind Sie mit der Entwicklung der Ispo in Peking zufrieden? Hinter vorgehaltener Hand wird bereits über ein Messeprojekt in Brasilien gemunkelt. Stehen wir vor einem Zeitalter dezentralisierter Branchen-Treffs?

Mit der Entwicklung der Ispo China sind wir sehr zufrieden. Bereits zwei Monate vor Messebeginn verzeichnete die Messe einen Zuwachs von 60 Prozent bei der Netto-Ausstellungsfläche. Damit bestätigt die Ispo China nachhaltig ihre Position als größte und bedeutendste B2B-Sportartikel-Messe im asiatisch-pazifischen Raum. Von einem Messeprojekt in Südamerika weiß ich noch nichts. Sicher ist jedoch, dass der südamerikanische Markt sehr interessant ist und sehr großes Potenzial bietet. Aus diesem Grund bieten wir bereits einzelne Services an und kooperieren seit dem 01.01.2011 mit der Messe Nürnberg in dieser Region. Zusätzlich haben wir für die Ispo bereits seit mehreren Jahren ein eigenes Information Center in São Paulo, welches als Ansprechpartner für unsere Kunden im südamerikanischen Raum fungiert. Von einem dezentralen Branchentreff kann also nicht die Rede sein. Sollte ein solches Marktbedürfnis jedoch bestehen oder sich entwickeln, werden wir die Möglichkeiten gerne prüfen.

Unter dem Begriff „Health Style“ wird ein neues Messekapitel in Sachen Fitness aufgeschlagen. Was verbirgt sich hinter dem neuen

Konzept? Zu welchem Grad wird die Sportmesse Ispo zu einer Wellness-Messe? Als international führende Sport-Business-Plattform gehört es zu den Grundaufgaben der Ispo, neue Themen aufzugreifen und zu verstärken. Zur Ispo 2011 steht das Thema „Health Style“ im Fokus. Der neue individuelle Gesundheitstrend wurzelt im Streben nach Fitness, Ausgeglichenheit und Jugendlichkeit, und gerade die sportliche Betätigung nimmt eine zentrale Rolle bei der Krankheits-Prophylaxe ein. Alleine 2009 flossen in Deutschland bereits 20 Milliarden EUR in diese neue Bewegung. Die Ispo informiert umfassend über diesen Trend und möchte so das Umsatzpotenzial für die Sportartikel-Branche aufzeigen.

Wie waren Sie im vergangenen Jahr mit dem Opinion-Leader-Konzept zufrieden? In welcher Form wird es in diesem Jahr weiterentwickelt? Das Opinion-Leader-Konzept ist gut angenommen worden. Die anfänglichen Vorbehalte einiger Branchenteilnehmer haben sich im Verlauf der Ispo aufgelöst. Nach der Messe haben wir ausschließlich gutes Feedback erhalten. Zur Ispo 2011 werden wir das Opinion-Leader-Konzept analog zur Ispo 2010 fortsetzen.

Wir hören, dass der Career Day nicht mehr Bestandteil des Rahmenprogramms der Ispo ist. Warum? Welche Aktivitäten zur Berufsförderung werden stattdessen angeboten?

Leider mussten wir den Career Day aus Platzgründen in diesem Jahr aussetzen. Nachdem alle 17 Hallen der Neuen Messe München und auch das ICM ausgebucht sind, konnten wir keine adäquate Fläche anbieten. Wir werden die Nachwuchs-Plattform, die jetzt zwei Jahre erfolgreich gelaufen ist, zukünftig wieder fest in das Ispo-Programm aufnehmen. Nach wie vor bieten wir aber das Trainee Project an, das zur Ispo 2011 sogar sein zehnjähriges Jubiläum feiert. Hierbei erhalten Auszubildende aus der Sportartikel-Branche die Möglichkeit, die weltgrößte Sportartikel-Messe zu besuchen und an Fachvorträgen und Workshops teilzunehmen.

Das Interview führte Markus Huber.

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Autor: Markus Huber

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 03 / 2011