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Betrachtung der Krise aus der Vogelperspektive

  • Markus Huber
  • Freitag | 09. September 2011  |  06:56 Uhr
München. Die Entwicklung des Euro und anderer wichtiger Währungen beschäftigt nicht nur die Kapitalmärkte, sondern auch das Geschäft mit Sportartikeln.

Insbesondere die Schweiz leidet unter einem zu starken Franken und der damit verbundenen Flucht der Kunden ins nahegelegene Ausland. sportFACHHANDEL sprach mit Klaus Jost, der nicht nur Vorstand der Intersport Deutschland ist, sondern auch das globale Netzwerk Intersport International Corporation (IIC) beaufsichtigt, und wollte wissen, mit welchen Auswirkungen der Währungskrise auf das Sportbusiness zu rechnen ist.

sportFACHHANDEL: Herr Jost, momentan leidet der Schweizer Sporthandel besonders an den Grenzen des Landes unter einer starken Währung und einer Flucht der Kunden nach draußen. Wie beurteilen Sie diesen Effekt aus Sicht eines global operierenden Händler-Netzwerkes? Klaus Jost: Als Intersport International Corporation betrachten wir die Entwicklungen aus einer Vogelperspektive. Währungsverwerfungen sind kein neues Problem und haben schon immer Kunden dazu bewegt, Grenzen zu überschreiten, um

Produkte in anderen Ländern einzukaufen.Diesen Effekt können wir jetzt in der Schweiz beobachten, aber ich möchte daran erinnern, dass auch deutsche Kunden gerne mal in Italien oder den Vereinigten Staaten ihre Sportausrüstung einkauften, um von Währungsschwankungen, zum Beispiel starker DM oder Euro, zu profitieren.

Das größere Problem besteht darin, dass momentan alle Kapitalanlagen bedroht sind und damit auch Renten, Lebensversicherungen usw., für die Verbraucher in Deutschland und auch anderswo jahrzehntelang investiert und gespart haben. Diese Verunsicherung der Konsumenten in vielen Ländern ist höher zu bewerten als der momentane Geschäftsverlauf in der Schweiz.

Kommen wir nochmal zur Schweiz zurück. Profitieren davon deutsche Händler in der Nachbarschaft? Ohne Namen aus unserer Verbundgruppe hervorheben zu wollen, haben wir Mitglieder im Bereich Bodensee und Oberrhein, die momentan davon profitieren und starke Umsatz-Zuwächse erzielen. Aber diese Händler haben auch schon andere Zeiten gesehen, als es interessanter für deutsche Kunden war, in der Schweiz einzukaufen, zum Beispiel wegen der niedrigen Umsatzsteuer. Das sollte man auch nicht vergessen.

Die Schweiz hat in den vergangenen Jahren von starken Margen gelebt. Das gilt sowohl für den Groß- als auch den Einzelhandel – deswegen sollte man die aktuelle Herausforderung nicht überbewerten, auch wenn es einzelne Händler/Unternehmen sehr hart trifft. Das können wir als IIC leider nicht grundsätzlich ändern, auch wenn wir mit unserer Marktmacht in Europa stabilisierend einwirken.

Was unternehmen Sie, damit Händler und Lieferanten, zum Beispiel in der Schweiz, mit der aktuellen Problematik besser klarkommen? Für alle Länder gilt die gleiche Regel: Wenn es mal nicht optimal läuft und es eng wird, dann muss man näher zusammenrücken. Gemeinsam suchen dann Einzelhändler und Vertriebsgesellschaften einen Weg, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Auf beiden Seiten gibt es in der Kalkulation immer ein wenig Luft, wobei der Spielraum bei der Industrie größer ist als auf Handelsseite. Das gilt im Besonderen im deutschen Markt, wo die Sportgeschäfte bei einer Rendite zwischen 0 und 2% operieren. In anderen Ländern wie England, Österreich, der Schweiz oder dem skandinavischen Raum greift die Zielsetzung auch mal nach Renditen in der Gegend von 5 bis 10%. Die Gewinne auf Seiten der Marken sind deutlich öfter in der Nähe des zweistelligen Bereichs.

Wie beeinflussen Währungs-Turbulenzen das Geschäft der Intersport als globaler Einkäufer? Währungseffekte sind immer ein Thema – und das schon seit langer Zeit. Wir sichern die Währungen schon lange stabilisierend ab. Uns beschäftigen auf diesem Gebiet zusätzlich andere Faktoren, die sich maßgeblich auf die Preise auswirken. Dazu gehört in erster Linie die Entwicklung der Rohstoffpreise für, zum Beispiel, Öl, Metall oder auch Baumwolle. Hinzu kommt die Arbeitskraft der Menschen, die unsere Produkte herstellen. Dazu gehören insbesondere die Betriebe im asiatischen Raum, die nun zunehmend mehr Geld verdienen wollen. Das ist zwar verständlich, erfordert aber große Anstrengungen von uns. Wir als IIC haben dabei noch das Glück, dass wir zum oberen Drittel der Auftraggeber gehören und die entsprechenden Konditionen/Kapazitäten erhalten, während kleinere Lieferanten oder andere Handelsorganisationen größere Probleme haben, zu den Bedingungen einkaufen zu können, die uns ermöglicht werden.

Das Interview führte Markus Huber.

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Autor: Markus Huber

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 20 / 2011