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Amerikaner demonstrieren in Europa Muskelstärke

  • Reinhard Schymura
  • Sonntag | 05. Mai 2013  |  17:42 Uhr
Erstmals seit seiner Ernennung zum Präsidenten von Life Fitness (Schiller Park bei Chicago) gab sich Christopher Clawson auf der Fibo in Köln persönlich die Ehre.

Die Anwesenheit des 50-Jährigen unterstrich die gestiegene Bedeutung der Messe für die amerikanische Brunswick-Tochter als wichtige globale Veranstaltung, die bisher lediglich als europäisch eingestuft wurde. Im Interview mit sportFACHHANDEL spricht Clawson über die Vorteile als Division eines Mischkonzerns, neue Zielgruppen und Technologietrends, wie z.B. Apps. Während es 2006 noch nicht eine einzige App gab, zählt die Fitnessbranche mittlerweile über 13.000 dieser Anwendungen weltweit.

sportFACHHANDEL: Life Fitness bezeichnet sich als der größte Fitnessanbieter der Welt. Der Gesamtumsatz lag 2012 bei 635,9 Mio. USD. Wie verlief die Entwicklung speziell in den Bereichen Heim- und Studiogeräte?

Christopher Clawson: Ursprünglich wurden die Produkte direkt dem Verbraucher verkauft. Ray Wilson, der ein stationäres Fahrrad entdeckte, wurde in den 1960ern zur Entwicklung des originalen Lifecycle-Geräts inspiriert. Mit seinem Fitnessclub-Hintergrundwissen hatte er die Idee, das Gerät in den Studios einzuführen. Durch den Entwicklungsprozess war Life Fitness in der Lage, die Produktionskosten zu reduzieren und die Geräte zu einem erschwinglichen Preis auch den Endverbrauchern anzubieten.

Warum hat Life Fitness seine Produktion in Ungarn geschlossen, die hauptsächlich für das Europa-Geschäft verantwortlich war? Wo laufen die Geräte jetzt vom Band? Welche Rolle spielt die Produktion in den USA, China und Taiwan?

Life Fitness hat, und produziert noch immer, eine Reihe von Kraftlinien im ungarischen Kiskoros. In der vertikal integrierten Herstellungsstätte werden die Synrgy-, Signature-, Optima- und Circuit-Linien hergestellt, sowie einige unserer Crosstrainer. Etwa zwei Stunden davon entfernt hatten wir ein sehr kleines Montagewerk, das wir Anfang 2013 ins Hauptwerk in Kiskoros integrierten. In Asien haben wir Verträge mit Herstellern, die Produkte weltweit liefern und über eine Anzahl von Produktlinien einschließlich für Endverbraucher verfügen. In den USA haben wir mehrere Fertigungsstätten in denen Cardio-, Kraft- und unsere Hammer Strength-Geräte hergestellt werden.

Welche Strategie verfolgt Life Fitness, als Tochter eines Mischkonzerns, um sich gegen reine Fitness-Spezialisten wie z.B. Technogym, Icon oder Johnson Health Tech stärker durchsetzen zu können? In wie weit sind Sie vom Brunswick-Denken in Quartals-Zahlen abhängig? Zwischenzeitlich waren Sie ja auch CEO von Johnson Health Tech in Nordamerika und kennen die besonderen Unterschiede: Hier Mischkonzern, da reine Fitness-Company.

Während wirtschaftlich schwieriger Zeiten hat Life Fitness den strategischen Vorteil der Stabilität, Brunswick als Muttergesellschaft zu haben. Brunswick besteht über 165 Jahre und einige ihrer Geschäftsbereiche sind älter als die gesamte Fitness-Branche. Die stabile Kursentwicklung der Gesellschaft ermöglicht Re-Investitionen in unser Unternehmen.

Stichwort neue Technologien in Richtung Smartphone, QR-Code und Apps: Welche Rolle spielen integrierte Lösungen bei Life Fitness-Geräten? Was haben Sie da Neues zu bieten im Bereich Heim- und Studiogeräte? Wohin entwickelt sich dabei auch Ihre Marke Hammer Strength?

Letztes Jahr waren wir in der Lage, Smartphone- und Tablet-Kompatibilität für beide Plattformen, iOS (Apple) und Android, auf unseren neuen Discover Tablet Konsolen zu präsentieren. Wir wechselten zur Swipe-Technologie, die erweiterte Touch-Funktionen bietet, mit einer noch leichteren Benutzerober-fläche. Die Produkte selbst werden über unsere Website LFconnect verbessert, auf der die Benutzer ihr Produkt und die LFconnect-App personalisieren und Einstellungen für unterwegs einrichten können. Dies ermöglicht uns, ergänzt durch eine neue Business-Strategie, eine Spitzentechnologie zu übernehmen und schnellstens auf den Markt zu bringen.

Um mit dem sich ändernden Technologie-Markt Schritt halten zu können, haben wir eine offene Plattform eingeführt. Diese ermöglicht unseren Produkten, flexibel auf technische Weiterentwicklungen zu reagieren und durch die globale Zusammenarbeit mit Technologie-Entwicklern erhalten wir eine Fülle an Funktio-nen. Offen zu sein heißt, dass es keinen Torwächter gibt, der in vielen Fällen den Zugang zum Source Code kontrolliert, dem sogenannten Application Programming Interface (API). In unserem Fall wäre das die Anwendungseinbindung auf unsere Geräte und Website LFconnect, die der Dreh- und Angelpunkt unserer Cloud-Lösung ist. LFopen, offene Plattform für die Life Fitness-Produktstrategie, entfernt diesen Wächter und erlaubt App-Entwicklern unsere API zu verwenden, die sie direkt in ihre neuen Projekte implementieren und nahtlos einbinden können.

In welchen Bereichen wollen Sie künftig noch stärker wachsen? Wie beurteilen Sie die zunehmende Zielgruppe der Senioren? Wie sehen Sie die Bedeutung Internet für den Verkauf? Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Wegen, Trainingserfahrungen für neue Zielgruppen zu verbessern und sind der Meinung, dass Tracking und Technologie eine Möglichkeit ist, dies zu tun. In unserer 2012 durchgeführten Fitness- und Technologie-Umfrage fanden wir heraus, dass 41% der über 51-Jährigen meinten, der Zugriff auf ihre persönlichen Daten würde sie zu mehr Trainieren anspornen. Das ist nur einer der Gründe, dass unsere Discover Produktlinie es den Benutzern ermöglicht, eigene Inhalte ihrer Trainingserfahrung über mobile Endgeräte und das Internet einzubringen. Während Technologie die Erfahrung verbessern kann, müssen Hersteller die Produktqualität immer im Auge behalten, besonders mit der hinzu gekommenen Erwartung bezüglich Langlebigkeit und Bio-mechanik der Trainingsgeräte.

Welches erste Feedback haben Sie von der Fibo in Köln bekommen? Wie wichtig ist diese Messe in Deutschland für Life Fitness, neben der Produkt-Preview in den USA?

Die Fibo sahen wir hauptsächlich europäisch, jetzt betrachten wir sie als eine wichtige globale Messe, auf der wir neue Produkte einführen. 2012 hatten wir einen großartigen Auftritt und sehen dem zukünftigen Wachstum der Fibo entgegen.

Das Interview führte Reinhard Schymura.

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Autor: Reinhard Schymura

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 09 / 2013