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Am Ende lernt der Gummischuh zu atmen

  • Markus Huber
  • Mittwoch | 25. Januar 2012  |  06:29 Uhr
Lachine, Quebec. Genfoot, der kanadische Anbieter der Schuhmarke Kamik, durchlebt eine Zeit richtungsweisender Entscheidungen.

Dazu gehört die enge Zusammenarbeit mit Gore-Tex, durch die der scheinbare Widerspruch zwischen Gummi und Atmungsaktivität aufgelöst werden soll. Im Gespräch mit sportFACHHANDEL erklärt Genfoot-President Richard Cook, wie sein Team mit den innovativen Pac Boots völlig neue Wege geht und wie ihm dabei Aku, sein strategischer Partner in Italien, eine große Hilfe ist.

sportFACHHANDEL: Herr Cook, lange sind Sie ohne Gore-Tex in ihren Schuhen ausgekommen. Wo kommt nun der Sinneswandel her?

Richard Cook: In der Tat haben wir uns entschieden, ab Herbst/Winter 2012/13 Gore-Tex in unserer Winter-Kollektion zu verwenden. Die Idee wurde bei unseren Sales-Meetings von den Mitarbeitern und Partnern begeistert aufgenommen. Ab jetzt können wir uns auf die weltweite Bekanntheit der Marke Gore-Tex verlassen, die sich leichter kommunizieren lässt als unsere eigenen Laminate. Gore-Tex ist einfach selbsterklärend, und der Handel sowie die Endkonsumenten sind mit ihm bestens vertraut. Es sind für uns gute Nachrichten, dass Gore-Tex für sich selbst spricht. Wir werden das Co-Branding von Kamik und Gore-Tex in unserer gesamten Kommunikation gezielt einsetzen. Andere Membranen verfügen auch über gute Technologien, die teilweise über andere Vorzüge verfügen, aber Gore hat die längste Erfahrung in der Entwicklung von Membranen für Schuhe.

Welchen Anteil wird Gore-Tex in der Kamik-Kollektion einnehmen? Im Winter wird der Anteil bei Schuhen für Damen und Herren etwa 5 bis 10% einnehmen. Bei Kinderschuhen wird der Anteil deutlich höher liegen, vielleicht bei 40%.

Warum kommen Sie mit diesem Strategiewechsel ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt? Ganz sicher hat das auch mit unserer strategischen Partnerschaft mit Aku zu tun: Aku hat langjährige Erfahrung bei der Verwendung von Gore-Tex. Dabei profitieren wir zum einen vom Know-how unserer italienischen Freunde, aber auch gleichzeitig von deren Produktionsstätten. Kamik wird dazu übergehen, einen Teil seiner Schuhe bei Aku in Rumänien zu produzieren, wo auch Gore-Tex hergestellt wird. Hier nutzen wir die Synergien lokaler Herstellungs-Einrichtungen. Außerdem sind Genfoot und Aku beide davon geprägt, dass sie Familienunternehmen sind. Daher haben wir eine ziemlich ähnliche Produkt- und Firmenphilosophie.

Wird die Verarbeitung von Gore-Tex ausschließlich in Rumänien vorgenommen? Für den Moment ja, aber das Thema liegt auf dem Tisch, dass wir zum gegeben Zeitpunkt auch in Kanada dazu übergehen werden.

Nun verwendet Kamik bei seinen klassischen Winterstiefeln viel Gummi. Wie passt das mit einer atmungsaktiven Membran zusammen? Wie soll hier der Schweiß durchs Gummi geschleust werden? Hier haben wir zusammen mit Gore wirkliche Pionierarbeit geleistet. Kamik wird der erste Anbieter sein, dem es gelungen ist, eine funktionierende Gummi-Shell-Konstruktion zu entwickeln, bei der auch Gore-Tex funktioniert. >>>

Wie soll das denn bitte gehen? Wir ließen die Innovation in den Laboren von Gore testen und die Ergebnisse haben die Experten überzeugt. Unser Teststiefel wurde bis auf halbe Schafthöhe in Wasser getaucht, was bei Gore Standard ist, und über fünf Stunden in Bewegung gehalten. Dabei absorbierte die Bootie-Konstruktion 33 Gramm Wasser, ohne dass Wasser unter den Bootie gelangen konnte. Nach 24 Stunden bei normaler Raumtemperatur (22°C) waren nur noch drei Gramm übrig geblieben; der Rest war auf natürlichem Weg verdampft.

Abgesehen vom Thema Wetterschutz und Klimakomfort haben Sie sicherlich noch andere Projekte. Wie sehen die Pläne für die nächsten Jahre aus? Wir haben einige Themen auf der Agenda. Zum einen wollen wir im Sommergeschäft stärker werden und wollen unsere Produktpalette in Richtung Lifestyle-Footwear ausbauen. Außerdem möchten wir uns in Europa noch stärker positionieren. Dabei vertrauen wir auf ein Freihandels-Abkommen zwischen der Europäischen Union und Kanada, das momentan in der Pipeline ist und unsere Wettbewerbs-Fähigkeit in Europa ohne Zweifel erhöhen wird.

Das Interview führte Markus Huber.

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Autor: Markus Huber

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 03 / 2012