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Überleben im globalisierten Österreich

  • Bernd Gutewort
  • Freitag | 12. April 2013  |  09:23 Uhr
Ein kleiner Paukenschlag war sie dann doch noch in der sonst so nachrichtenfreien Osterzeit: die Meldung vom Einstieg der deutschen Intersport bei der österreichischen Schwester-Organisation. Sie kam überraschend – und dann halt doch wieder nicht.

Der Gerüchte-Topf war in den letzten Wochen bis zum Rand gefüllt, und es ist gut für den österreichischen Markt, dass Intersport nun den Druck aus dem Kessel genommen hat – auch wenn vielleicht nicht so, wie es mancher Beobachter der Vorgänge erwartet hätte.

Vielfach gerechnet wurde mit einer schnellen Lösung für den angezählten Filialisten Sport Eybl & Sports Experts. Wenig Hehl hatte der Händler, dessen Inhaber-Familie Eybl immerhin zu den Gründern der internationalen Intersport gezählt werden darf, daraus gemacht, dass die Zeit wegläuft, bevor das Geld alle ist. Die österreichischen Medien

waren zuletzt fleißig, immer wieder neue Namen von Verdächtigen in den Ring zu werfen, die bei Eybl Feuerwehr spielen könnten. Genannt wurden

Décathlon, ein russischer Investor, hinter dem sich der Filialist Sportmaster aus Moskau verbergen könnte, sowie eben auch die Intersport Deutschland.

Knapp daneben ist eben auch vorbei. Tatsächlich hat sich Heilbronn nun in der Logik der Gerüchte bei den „Falschen“ eingekauft und sich nicht Eybl, sondern die österreichische Intersport als strategischen Partner in den Alpen ausgeguckt. Bei der Bekanntgabe einer strategischen Beteiligung beeilten sich die Deutschen, zwei Eindrücke tunlichst zu vermeiden: Erstens: Nein, mit Eybl hat das nichts zu tun. Und zweitens soll nicht der Eindruck entstehen, die Intersport Österreich braucht ebenso dringend Geld wie der Filialist, wobei die Genossen eben ein wenig schneller waren.

Logische Konsequenz

des verschärften Wettbewerbs

In der Tat entbehrt der Zusammenschluss der beiden Verbände nicht eines gewissen Charmes. Die Märkte sind sich zu ähnlich, um sich zwei teure Apparate in Heilbronn und in Wels zu halten, die im Prinzip dieselbe Arbeit erledigen. Die Märkte sind gekennzeichnet von derselben Sprache, vergleichbaren Markenpräferenzen und Sortimenten, so dass es Sinn machen dürfte, die verfügbaren Kräfte in einen Topf zu werfen. In der Summe soll das alle Beteiligten stärken und ihnen den Rücken frei halten bei dem, was sie am besten können: die individuelle Bedienung der jeweiligen Kundschaften und die Konzen-tration auf die Bedürfnisse der Märkte, gerade da, wo sie sich voneinander unterscheiden.

Dass die genossenschaftlich ausgelegten

Truppen sich in eine neue Runde wagen, die

Reihen noch fester zu schließen, steht im logischen Zusammenhang mit der ohnehin fortschreitenden Internationalisierung des Geschäfts mit Sportartikeln. In Deutschland sehen interessierte Kräfte den Kuchen noch als keineswegs verteilt an. Der französische Filialist Décathlon hat im vergangenen Jahr seine Zahl von Läden hierzulande eben mal um vier auf 18 erhöht. Das ist vielleicht nicht die große Welle, aber unaufhaltsam steigt die Zahl teilweise

bedeutender Verkaufsstellen, die den Markt auch nicht größer machen.

In Österreich ist die Lage noch um einiges kritischer, und da kommen wir um die Frage nach der Zukunft von Eybl nicht herum: Der Markt war schon immer fein, aber eben auch klein. Eine satte Binnen-Nachfrage gepaart mit Geld in rauen Mengen, das die Touristen mitbringen, ergibt eine Mischung, die fast schon zwangsläufig zu einem überdrehten Geschäft führt, bei dem sich der Handel die Preise um die Ohren haut und gleichzeitig kräftig in Expansion und die bestehenden Geschäfte investiert. Dieses

System muss irgendwann mal zwangsläufig in ein kritisches Stadium geraten, und der Zeitpunkt scheint nicht mehr fern zu sein.

Einschreiten vor dem großen Knall

Insofern scheint das Los der Kette Eybl mit dem der Intersport durchaus logisch verbunden zu sein. Ein angezählter Riese und eine an den Grenzen ihrer Kräfte angekommene Verbandszentrale bringen nicht gerade Ruhe in den Markt. Eybl macht vor allem deswegen Sorgen, weil er Begehrlichkeiten von außerhalb wecken könnte, die keiner bestellt hat. Wenn tatsächlich der „reiche Onkel aus Russland“ oder wer auch immer an der Donau aufkreuzt, wird er das mit den Taschen voller Geld tun. Sonst braucht er gar nicht antreten. Die Folgen sind leicht auszumalen: Eine neue Runde im Preiskrieg wird ausgerufen, und wenn sich der Pulverdampf gehoben hat, wird man mal schauen, wer noch steht. So gesehen spricht es für die Weitsicht der Intersport Österreich, sich starke Partner zu holen, bevor es am Markt zum dumpfen Knall kommt.

Insofern hat die Intersport den richtigen Weg eingeschlagen, zumindest auf ihrer Seite die fälligen Weichenstellungen vorzunehmen, um einen Gutteil des Marktes gegen künftige Widrigkeiten fit zu machen. Vielleicht mag sich der einzelne Händler schwertun, sich in der ständig wachsenden internationalen Verflechtung „seiner“ Genossenschaft überhaupt noch zu verorten. Möglicherweise wird er besonders am Anfang der neuen Allianz darüber schimpfen, dass nicht alles rund läuft. Am Ende des Tages wird sich aber – vielleicht mit Widerwillen – die Einsicht durchsetzen, dass nur noch große, aber effizient arbeitende Organisationen es schaffen werden, die Existenz der Händler vor Ort zu sichern.

Markus Huber

Autor: Bernd Gutewort

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 08 / 2013